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Neue Entdeckung in der Aids-Forschung


27.02.2007 (K. Mechler) Kategorie: Wissenschaft

Bild: edition.cnn.com

Die Heilung von Aids wird von vielen Wissenschaftlern als die größte Aufgabe des 21. Jahrhunderts angesehen. Bisher war der Gedanke an einen Impfstoff, aufgrund der zahlreichen Abwehrmechanismen des Virus gegen das Immunsystem, eher utopisch. Nun scheinen US-Forscher jedoch einen Schwachpunkt von HIV entdeckt zu haben.

Viren sind winzige Krankheitserreger, die nicht einmal unter einem Elektronenmikroskop sichtbar sind. Sie sind keine Lebensformen im eigentlichen Sinne und können sich ohne eine lebende Zelle, die sie befallen, nicht vermehren. So genannte Retroviren zu denen HIV gehört, dringen zu diesem Zwecke in die Wirtszelle ein und integrieren ihr eigenes Erbgut in die fremde DNA. Die infizierte Zelle nimmt nun nicht mehr ihre eigentliche Funktion wahr, sondern produziert neue Viren.

Das HI-Virus ist gefährlicher als andere Viren, da es ausgerechnet die Zellen der Immunabwehr befällt, welche es eigentlich bekämpfen sollen. Der Körper kann sich somit nicht mehr effektiv gegen andere Krankheitserreger zur Wehr setzten. Im Grunde harmlose Erreger, wie ein Grippevirus, werden lebensgefährlich. Die tatsächliche Todesursache ist also nicht AIDS, sondern beispielsweise eine Lungenentzündung.

Außerdem ist HIV wesentlich komplexer als andere Viren derselben Familie. Es enthält nämlich neun, statt der üblichen drei Gene und ist von einer Kohlehydrathülle umgeben, welche es vor Antikörpern schützt. Eine weitere gefährliche Eigenschaft des Virus ist, dass es den Mechanismus außer Kraft setzt, durch den das Immunsystem eine befallene Zelle erkennt. Auf diese Weise sind die Viren sicher, nachdem sie in eine Wirtszelle eingedrungen sind. Zudem mutiert es ständig und ändert somit seine Oberflächenstruktur. Selbst wenn zu dieser Struktur passende Antikörper produziert wurden, sind diese bei den mutierten Formen wirkungslos. Daher konnte bisher kein Impfstoff entwickelt werden.

US-Forscher haben nun entdeckt, dass es einen Oberflächenbestandteil gibt, der sich durch die Mutationen nicht verändert. Hierbei handelt es sich um das Glycoprotein 120, welches für die Bindung des Virus an die Wirtszelle verantwortlich ist. Es ragt aus der, das Virus umgebenden, Lipoproteinhülle hervor und ist somit angreifbar. Der Antikörper b12 ist in der Lage sich an dieses Protein zu binden und das HI-Virus so von den Zellen fern zu halten. Außerdem kann das Immunsystem nun reagieren und den ganzen Komplex abbauen. Der besagte Antikörper b12 konnte bei infizierten Testpersonen, die lange mit dem Virus leben bevor die tatsächliche Krankheit ausbricht, nachgewiesen werden. Das bestätigt zwar die Wirksamkeit der Antikörper, dabei ist jedoch zu bedenken, dass diese Menschen trotzdem nicht immun gegen HIV sind.

Die Entdeckung der Forscher eröffnet also „viel versprechende Wege im Kampf gegen das Virus“, wie ein Vertreter der Internationalen AIDS-Impf-Initiative treffend bemerkte. Ob dies tatsächlich zur Entwicklung eines wirksamen Impfstoffes führt, ist jedoch fraglich. Bisher gibt es außer diesem, noch einige andere Therapie-Ansätze, die alle darauf hinaus laufen, dass Teilschritte des Infektionszyklus blockiert werden. Diese Methoden können die Lebenserwartung der Infizierten erhöhen, sie sind jedoch kein Heilmittel.

Die wirksamsten Methoden gegen Aids sind nach wie vor Aufklärung und Vorbeugung. Das öffentliche Interesse an dem Virus hat stark abgenommen. Gerade Jugendliche weisen gravierende Bildungslücken auf, was die Übertragung der Krankheit angeht. Es besteht zum Beispiel der Irrglaube, dass das Virus nicht vom Infizierten, sondern nur vom tatsächlich Aids-Kranken übertragen werden könnte.

Andererseits werden Menschen die als HIV-positiv erkannt wurden ausgegrenzt und gemieden, aus Angst vor einer zufälligen Ansteckung. Die Zahl der Neuerkrankungen in Osteuropa und in Zentralasien ist gegenüber dem Jahr 2004 um 70 Prozent gestiegen. Das Risiko ist also keineswegs unter Kontrolle. Daher ist es wichtig sich zu informieren und vor allem seine Kinder darüber aufzuklären, wie man sich wirksam schützen kann.



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