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Das Musical „3 Musketiere“


16.08.2005 (S. Uhlen) Kategorie: Kultur

Bild: culturebase.org

Die drei Musketiere - nach zahlreichen Verfilmungen, einer Zeichentrickserie, Comics und weiterführenden Geschichten fehlte nur noch eins: Die Geschichte musste auf die Musicalbühne! Die Niederländer nahmen sich dieser Aufgabe an und schufen 2003 eine poppige, amüsante und natürlich dramatische Version des Klassikers von Alexandre Dumas. Seit März 2005 ist die Inszenierung am Theater des Westens in Berlin zu sehen.

Zwar bleibt einem nach der Vorstellung kaum ein Song im Kopf und für Kenner der Erzählung bleibt auch die Spannung etwas auf der Strecke (erzählt wird die klassische Geschichte des jungen D’Artagnan und seiner drei Musketier-Freunde, die Frankreich vor den bösen Machenschaften des Kardinals Richelieu schützen müssen), dafür überzeugen aber sowohl die Bühnenshow als auch die Darsteller. Hier müssen in erster Linie die zwei Stars der Aufführung genannt werden: Pia Douwes und Uwe Kröger. Beide begeisterten bereits gemeinsam in der Wiener und der Essener Inszenierung des Musicals „Elisabeth“. Jetzt stehen sie gemeinsam in Berlin auf der Bühne. Pia Douwes als Intrigantin Milady de Winter, die durch böse Spiele den Kardinal von sich zu überzeugen versucht und Uwe Kröger als machthungriger Kardinal Richelieu, der Herr über Frankreich werden will.

Wohl definitiv der Höhepunkt des Abends - nicht zuletzt wegen der Darbietung Uwe Krögers - ist der Auftritt des Kardinals im zweiten Akt, bei dem er in einem Anfall von Selbstzweifeln zu verstehen gibt, dass selbst sein „Herz nicht aus Stein“ sei. Er verkörpert den Kardinal als rachsüchtig und grausam. Doch in dieser Szene lässt Uwe Kröger dieses Bild komplett vergessen. Aus dem skrupellosen Kämpfer wird ein untergebener Diener Gottes, der winselnd um die Gunst desjenigen fleht, für den er glaubt Krieg führen zu müssen. Uwe Kröger lässt den Kardinal am Boden liegen und scheinbar von dem riesigen schwarzen Kreuz erdrücken, das während der Szene über der Bühne thront. Uwe Kröger fegt von Verzweiflung und Dämonen gescheucht über die Bühne, bis er beim Schlusswort seine Fassung wieder findet. Aus dem demütigen Jungen wird nun wieder der selbstsichere Kardinal. Nach diesem Auftritt schickt dieser übrigens seine jungen Soldaten in den Krieg gegen die Hugenotten.

Die Selbstzweifel des Kardinals sind nicht die einzigen ernsten Klänge des Musicals. Die Schicksale der drei im Stück vorkommenden Frauen werden während eines Songs vorgestellt, in dem es heißt, dass niemand ohne Liebe sein könne. Hier singen die junge Constance, die auf der Suche nach einer großen Liebe ist. Königin Anna, die mit Ludwig XIII. verheiratet wurde und nun lernen muss ihren Mann zu lieben; und Milady de Winter, die von ihrem Mann verlassen wurde, weil sie (unberechtigter Weise) das Brandmal einer Hure trägt.

Alles in allem überwiegen bei der Aufführung aber nicht die ernsten, sondern vielmehr die amüsanten Elemente. So verkörpert der junge D’Artagnan Naivität und Lebensfreude und der Hauptmann der Leibgarde des Kardinals Rochefort bekommt regelmäßig sein Fett weg, indem immer wieder auf seine Augenklappe angespielt wird. Nicht zu übertreffen aber ist der schwule Butler James, der sein Interesse an D’Artagnan kund tut.

Die Kostüme sind weitgehend modern, wie z. B. das Kostüm des Kardinals während des Songs „Herz aus Stein“. Hier trägt Uwe Kröger eine sexy rote Lederhose und eine Kette mit einem großen Kreuz, das verwegen über den trainierten Oberkörper wirbelt, der nur dürftig von einem halb offenen Hemd bedeckt wird - ein Hingucker nicht nur für Uwe-Fans! Während Königin Anna in traditionellem Reifrock aufwartet, verkörpert Milady de Winter eher die „moderne Frau“ im Hosenanzug. Ansonsten sind die Kostüme erwartungsgemäß bunt und schrill.

Um nun eine Schlussbilanz zu ziehen, muss man sagen, dass die Umsetzung des alten Romanstoffes in ein modernes Musical großartig gelungen ist. Der Song „Alles“ ist sogar, als Popversion gesungen von Superstar Alexander und Musical-Shooting-Star Sabrina Weckerlin, zurzeit in den Charts vertreten. Das Musical verspricht einen amüsanten und unterhaltsamen Abend, an dem einfach alles vertreten ist: Ehre, Liebe, Freundschaft, Abenteuer und natürlich Helden!



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