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Verblüffende Studie über Alltagsdroge


15.03.2007 (J. Düring) Kategorie: Wissenschaft

Bild: www.expop.de

Samstagabend, ein netter Plausch mit den Freunden, gutes Essen und ein Glas Wein. Was gibt es daran auszusetzen? Wein enthält die populärste Droge der Welt: Alkohol. Trotzdem ist er schädlich.

Nach rund zwei Minuten ist der Alkohol durch den Magen in den Blutkreislauf und damit ins Gehirn gelangt. Die Blut-Hirn-Schranke, die das Gehirn normalerweise vor Krankheitserregern, Toxinen und schwankenden Bedingungen des Blutes (leicht variierende Konzentrationen etwa des Salzgehalts) schützt, ist jedoch für Alkohol wirkungslos. Der Grund hierfür ist, dass Alkohol unpolar und somit fettlöslich ist. Im Gehirn angekommen, binden sich die die Alkoholmoleküle an die Fetthüllen der einzelnen Nervenzellen. Dort verursachen sie eine biochemische Kettenreaktion, die zur Ausschüttung des Glückshormons (euphorisierender Botenstoff) Dopamin führt. Dopamin wird von speziellen Empfänger-Zellen im Belohnungszentrum des Gehirns aufgenommen. Weitere Botenstoffe, etwa Endorphine, werden ausgeschüttet und führen zu einem rauschhaften Zustand des zentralen Nervensystems, den wir als enthemmend wahrnehmen und der die Gesprächigkeit steigert.

Mit zunehmendem Konsum schlägt die Wirkung allerdings um, da der Alkohol das Gleichgewicht zweier Transmittersysteme durcheinander bringt. Diese steuern die Aktivität und die Dämpfung im Gehirn: Die Nervenimpulse im Glutamat-System, welches für die Aktivität verantwortlich ist, nehmen ab. Das GABA-System (γ-Aminobuttersäure-System) kontrolliert die dämpfende Wirkung der Gehirnaktivität und wird durch die Alkoholmoleküle zusätzlich stimuliert. Dies hat den Effekt einer Verlangsamung der Abläufe im Gehirn, die sich im Nachlassen der Reaktionsfähigkeit und dem beginnenden Verlust der Bewegungskoordination zeigt.

Die biochemischen Prozesse sind jedoch bei weitem komplexer als hier dargestellt. Die Annahme, dass ein kontinuierlicher Konsum von Alkohol Langzeitwirkungen nach sich zieht, liegt durch die komplexen Prozesse und ihre beträchtliche Wirkung nahe. In der Öffentlichkeit ist der Glaube, dass zu viel Alkohol zu Störungen im Kurzzeitgedächtnis und zum Nachlassen der Fähigkeit, sich neue Dinge einzuprägen, weit verbreitet.

Eine Studie des „National Insitute on Alcohol Abuse and Alcoholism“ ergab allerdings, dass es nicht zutrifft, dass Alkohol eine starke Beeinträchtigung der Gehirnfunktionen nach sich zieht. Wissenschaftler testeten das Lang- und Kurzzeitgedächtnis, das Planungsvermögen so wie die Auffassungsgabe und das räumliche Vorstellungsvermögen von 48 ehemaligen Alkoholikern (seit einem halben Jahr trocken) und 48 Personen die selten oder nie Alkohol konsumieren. Es wurde ermittelt, dass die Fähigkeiten der ehemaligen Alkoholiker sich kaum von den anderen unterscheiden. Eine Ausnahme stellt das Gebiet des räumlichen Vorstellungsvermögens dar. Dennoch wird es eine Folge-Studie geben, um herauszufinden, ob das Ergebnis nur auf Grund der kurzen „Trockenheit“ der ehemaligen Alkoholiker so positiv ausfiel oder ob es tatsächlich die geringe Schädigung des Gehirns durch Alkoholkonsums aufzeigt.

Die gesundheitsschädigende Wirkung von Alkohol sollte trotzdem nicht unterschätzt werden, da ein kontinuierlicher Konsum zu erheblichen Leber- und Nierenschäden führt. An einem Glas Wein am Samstagabend ist allerdings nichts auszusetzen. Es soll sogar die Produktion neuer Nervenzellen stimulieren. Das ist allerdings ein anderes Thema.



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