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Die Amerikaner waren die ersten, die eine bauten und einsetzten. Russland, Frankreich, Großbritannien und China gehören mit in ihren Kreis. Indien, Pakistan und Israel haben sie auch, der Irak hat sie nie gehabt, der Iran aber hätte sie gerne: Die Atombombe.
Keine andere Waffe ist schrecklicher. Dabei beruht ihre Entwicklung eigentlich nur auf einem tragischen Missverständnis: Im Dezember 1938 beschoss der deutsche Forscher Otto Hahn Uran mit Neutronen und traute seinen Augen nicht: Es entstand Barium mit einem geringeren Atomgewicht als Uran. Er hatte entdeckt, dass sich ein Atomkern, entgegen der einschlägigen Meinung der internationalen Wissenschaft, doch spalten lässt. Als dann kurz darauf auch noch ein Nachwuchswissenschaftler Pläne zum Bau einer „Uran-Maschine“ veröffentlichte, die die bei der Kern-Spaltung frei werdende Energie nutzen wollte, gerieten die Gegner Hitler-Deutschlands in helle Panik: Hitler lässt in seinem Imperium eine Atombombe bauen!
Erst viel später, als der zweite Weltkrieg bereits beendet war, erkannten die Amerikaner, dass sich Hitlers Physiker selbst in ihren kühnsten Träumen nicht mit der Entwicklung einer nuklearen Bombe beschäftigt hatten, doch da waren der neuen Superwaffe bereits 200.000 Japaner aus Hiroshima und Nagasaki zum Opfer gefallen.
Entwickelt wurde das aufwendigste aller geheimen Forschungsprojekte der USA in Los Alamos, in der Abgeschiedenheit New Mexicos. 125.000 Menschen arbeiteten am „Projekt Manhattan“, unter ihnen sechs Nobelpreisträger. Die Hälfte der Spitzenforscher waren europäische Emigranten, die vor Hitler hatten fliehen müssen. Albert Einstein selbst schrieb den Brief an Präsident Roosevelt, mit dem er ihn vor „extrem starken Bomben“ warnte, die Hitler besitzen könnte. Dieser Brief überzeugte Roosevelt, den Deutschen zuvorkommen zu müssen. Angesichts des Leids, das er nicht über Deutschland, sondern über Japan heraufbeschworen hat, sollte Einstein seine Tat später aber bitter bereuen.
Denn nicht wie ursprünglich geplant gegen Nazi-Deutschland, sondern gegen die Japaner wurde die neue Superbombe eingesetzt. Das „Projekt Manhattan“ hatte längst seine Eigendynamik entwickelt und für Präsident Truman, der am 12. April 1945 seinem Amtsvorgänger Roosevelt nachfolgte, stand es außer Frage, dass dieses Projekt zum Abschluss geführt werden müsse. Deutschlands Kriegsniederlage war zu dem Zeitpunkt längst absehbar, die Inselnation unter Tenno Hirohito hingegen sträubte sich mit aller Macht gegen eine Kapitulation.
USA oder UdSSR? Im August 1945 begann ein erbittertes Wettrennen zwischen den beiden mächtigsten Staaten der Alliierten um die Inselgruppe im Pazifik. Stalin, der erst am 8. August 1945 den Japanern den Krieg erklärte, fürchtete, dass er seine 1 Million Soldaten vergebens ans andere Ende der Welt geschickt hatte, wenn sie nicht schnell das Inselreich angriffen. Doch die Amerikaner waren schneller und warteten nur noch auf gute Sicht für ihren Atombomber „Enola Gay“.
Der Erfolg übertraf alle Erwartungen. Robert Oppenheimer, Chef-Forscher und „Vater“ der Atombombe, hatte mit 20.000 Opfern gerechnet. Jedoch: Direkt unterhalb des 1 Million °C heißen Feuerballs verdampften die Menschen. Die Druck- und Hitzewelle zerstörte 70.000 der 76.000 Gebäude der Stadt oder beschädigte sie schwer. An den Spätfolgen der radioaktiven Strahlung sterben noch heute die Opfer oder ihre Nachkommen. Dabei war nur eine der fünfundfünfzig Urankammern explodiert. Japan kapitulierte sechs Tage nach dem Abwurf der zweiten Bombe auf Nagasaki.
Kalter Krieg oder langer Friede? Diktator Stalin, der nun eifersüchtig erkennen musste, dass ihm die Amerikaner in Japan zuvor gekommen waren, die Insel für sich beanspruchten und keinesfalls daran dachten, sie wie Deutschland zu teilen, sorgte dafür, dass er die UdSSR am 29. August 1949 zweite Atommacht der Erde nennen konnte. Der kalte Krieg hatte längst begonnen, noch während die Alliierten deutsche und japanische Städte zerbombten. Aus Furcht vor einer entfesselten Sowjetunion, die ganz Europa überrennen könnte, arbeiteten in der Zeit nach dem 2. Weltkrieg Großbritannien, Frankreich und für zwei Jahrzehnte auch die Schweiz an einem eigenen Atomwaffen-Programmen.
Seit Hiroshima und Nagasaki wurde sie jedoch nie wieder eingesetzt. Ihre Prestigekraft ist weit respektierter als der Schrecken, der ihr Einsatz auslösen würde. Sicherlich hatten Russen und Amerikaner im Kalten Krieg einige Male die Hand sehr nah am roten Knopf, doch ihn zu drücken haben sie nicht gewagt. Die Angst vor der atomaren Selbstvernichtung sitzt zu tief. Allen voran die Japaner ermahnen jedes Jahr auf den Gedenkfeiern in Hiroshima die Atommächte, ihre Arsenale endlich abzubauen.
Neben den fünf offiziellen Atommächten gibt es eine nicht geringe Anzahl an Staaten, die über die Technologie verfügen oder an ihr arbeiten. Selbst Staaten wie die Bundesrepublik Deutschland, die über kein militärisches Programm verfügen, aber Atomenergie für friedliche Zwecke nutzen, könnten nach Meinung des Historikers Richard Rhodes innerhalb eines Jahres eine Atombombe gebaut haben. Die Angst vor dem Supergau ist keinesfalls hysterisch:
Begänne ein Staat tatsächlich mit dem Abwurf einer Atombombe, würde er unzweifelhaft eine Kettenreaktion und damit den nächsten Weltkrieg auslösen. Die Vernichtung des Planeten ist ebenso keinesfalls unrealistisch, bedenkt man die technische Entwicklung, die seit den 40er Jahren, in denen der letzte dokumentierte und erforschte Abwurf auf bewohnte Orte stattfand, bereits weit fortgeschritten ist.
Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Regierung die Atombombe tatsächlich einsetzen könnte, ist jedoch gering. Selbst Nordkorea, das im Februar 2005 stolz den Besitz von nuklearen Sprengkörpern verkündete, will damit wohl eher die Rolle als Schurkenstaat in der „Achse des Bösen“ untermauern, als die Waffe wirklich anwenden.
Eine ernsthafte Gefahr droht hingegen von Terrororganisationen wie Al Qaida, die sicherlich davon träumen, das nächste World Trade Center mit atomaren Sprengsätzen statt mit Flugzeugen zum Einsturz zu bringen, und denen sämtliche Folgeschäden nur recht wären.
Die Entwaffnung aller offiziellen und faktischen Atommächte ist ein schwieriger Weg, an deren Ende trotz bester Absichten das Wissen über die Atomwaffen überdauern würde; eine dauernde Versuchung, in das Atomzeitalter zurückzufallen. Helfen, kann allein die Erinnerung an das Leid der Menschen in Hiroshima und Nagasaki, das nicht vergessen werden darf.
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