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Scientology in Deutschland unter Beobachtung


25.03.2007 (J. Düring) Kategorie: Politik

Bild: www.mittelbayerische.de

„Gehirnwäsche, nein danke“ war auf dem Demonstrations-Schild einer Frau am 13. Januar 2007 zu lesen. Sie war eine der wenigen, die gegen die Eröffnung einer Repräsentanz von Scientology in Berlin Charlottenburg öffentlich protestierten. Auf der anderen Seite standen rund 1.500 Luftballon und Fahnen schwenkende Unterstützer von Scientology aus ganz Europa.

Scientology steht nach dem Urteil des Bundesarbeitgerichtes von 1955 der Status einer Religionsgemeinschaft nicht zu. Allgemein wird Scientology eher als Sekte bezeichnet. Somit löste die Neueröffnung der Repräsentanz eine politische Debatte um den Umgang mit Scientology aus, da es ein „Unternehmen“ sei, „dem es um wirtschaftliche und politische Macht geht“, so der bayrische Innenminister, Günther Beckstein (CSU).

Scientology bezeichnet sich als überkonfessionell. Das heißt, dass Mitglieder anderen Religionen angehören können. Dies gilt zumindest solange sie Scientology gegenüber Vorrang gewähren und die Weltanschauung Scientologys übernehmen. Auch geistliche Praktiken, wie zum Beispiel das Beten sind verboten. Die Lehre Scientologys wird von den Anhängern als der einzige Weg zu „völliger Freiheit“ angesehen.

Aussteiger berichten, dass sich viele Mitglieder immer höher verschulden würden, um die immer kostspieligeren Kurse bezahlen zu können. Diese sind notwendig um sich als Scientologen weiter auszubilden. Es wird auch berichtet, wie die individuellen Schwächen der Mitglieder offen gelegt werden und versucht würde, jede persönliche Information in Erfahrung zu bringen, um sie besser manipulieren zu können. Zu diesem Zwecke werden die Scientologen auch aufgefordert den Kontakt zu Freunden und Familie abzubrechen. Die einzige Alternative hierzu ist, Freunden und Familie zu verbieten Scientology in irgendeiner Form zu kritisieren. Werden diese Maßnahmen nicht durchgeführt, würde der geistliche Fortschritt behindert.

Die Aussteiger, die von der internen Politik Scientologys zu berichten wissen, werden wie andere Kritiker auch, mit einer Flut von Prozessen überschwemmt. Wie L. Ron Hubbart, der Gründer von Scientology schon 1955 sagte, sei das Ziel der vielen Anklagungen „mehr zu belästigen und entmutigen als zu gewinnen“. Diese Taktik führte allerdings schon zu zahlreichen Gegenprozessen. So wurde zum Beispiel die Ehefrau Hubbarts in den USA wegen Infiltration von Regierungsstellen verurteilt. Sie wurde beschuldig, Anhänger von Scientology in Behörden eingeschleust zu haben, um diese, beziehungsweise den Staat, von innen heraus zu schwächen und für ihre eigenen Absichten zu gebrauchen.

Politiker fordern nun also die sorgfältige Beobachtung von Scientology. Nur wenn der Verfassungsschutz das Unternehmen bundesweit beobachte, böten sich diesem keine Schlupflöcher, wie der Politiker Günther Beckstein der „Berliner Zeitung“ erklärte. Er kritisiert ebenfalls die Einstellung der Beobachtung durch Berlins Verfassungsschutz, nachdem 2001 gerichtlich verboten wurde, Scientology durch verdeckte Ermittler beobachten zulassen. Er macht diese Einstellung dafür verantwortlich, dass die Berliner Zentrale eröffnet werden konnte. Zustimmung findet Beckstein hier beim amtierenden Bundestagspräsidenten Wolfgang Thierse (SPD). Die Regierung müsse aufpassen, ob Scientology missionarisch tätig werde und sich Menschen durch Manipulation gefügig mache. Er sieht Scientology als „ein strategisch handelndes Wirtschaftsunternehmen, dessen Ziel es ist, Macht über Menschen zu gewinnen und dabei Geld zu verdienen“.

Eine Klage von Scientology gegen die Beobachtung durch den Bundesverfassungsschutz wurde im Jahr 2004 abgewiesen. Damals lagen Anhaltpunkte vor, dass Scientology Bestrebungen hätte, die im Grundgesetz festgehaltenen Menschenrechte und das Recht die Staatsgewalt in demokratischen Wahlen zu wählen, zu beseitigen. Im Saarland wurde allerdings einer ähnlichen Klage stattgegeben, da eine siebenjährige Aufsicht keine weitere Beobachtung rechtfertigen würde. Es ist jedoch anzumerken, dass Scientology dort keine Einrichtungen hat und nur weniger als 20 aktive Mitglieder im Saarland ansässig sind.

Allen Befürchtungen zum Trotz wird der Berliner Verfassungsschutz, im Gegensatz zu den meisten Ämtern des Landesverfassungsschutzes, Scientology auch weiterhin nicht genauer überwachen, als andere Organisationen und Unternehmen auch. Als Antwort auf diese Entscheidung kündigt Günther Beckstein eine Initiative gegen Scientology auf europäischer Ebene an, um der Verbreitung in Europa entgegenzuwirken. Ob dies gelingt, ist allerdings fraglich, da Scientology in Deutschland inzwischen Unterstützung und Hilfestellung bei vielen gesellschaftlichen und sozialen Problemen wie Drogenberatung und Hausaufgabenhilfe anbietet. Dies wirft die Frage auf, wie Scientology in der EU wahrgenommen wird: als bedrohliche Sekte oder als gemeinnützige Organisation, die soziale Randgruppen (z.B. Drogenabhängige) unterstützt.



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