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Mitte der 90er Jahre kam sie aus den USA nach Europa, über Großbritannien und Skandinavien schließlich nach Deutschland – die Online-Zeitung. Die ersten, die diesen Trend hierzulande durchsetzten waren große Zeitungen wie „Die Welt“ sowie die „TAZ“. Seitdem sind Online-Auftritte ein fester Bestandteil der Medienwelt.
Mittlerweile existieren spezielle Auszeichnungen, die die publizistische Qualität im Internet ehren. Ein Beispiel ist der „Online Journalism Award“, verliehen von der Online News Association (ONA) und der „Columbia Graduate School of Journalism“, welcher der renommierteste unter den Auszeichnungen für Online-Journalismus ist. Er wird in neun Kategorien, wie „Spezieller Journalismus“ und „Aufdeckungsjournalismus“, aber auch „Studenten-Journalismus“ vergeben.
In Deutschland gibt es ebenfalls solche Auszeichnungen, beispielsweise den „Grimme Online Award“, der seit 2000 jährlich in verschiedenen Kategorien, wie „Information“ oder „Wissen und Bildung“ verliehen wird. Der Preis zeichnet publizistische Qualität im Internet aus.
Im letzten Jahr absolvierten die ersten Studenten den im Wintersemester 2001/2002 eingeführten Studiengang „Online-Journalismus“ an der Hochschule Darmstadt. Zusätzlich zur klassischen Journalistenausbildung, werden hier Schwerpunkte auf die neuen multimedialen Anforderungen gelegt. Inhalte sind also Fragen wie sich der Journalismus durch das Internet verändert und welche neuen Gestaltungsmöglichkeiten eines Artikels dadurch entstehen.
Ist Online-Journalismus die Sparte der Zukunft, die bald die gedruckte Konkurrenz überflüssig macht?
Natürlich haben Informationsquellen aus dem World Wide Web einige entscheidende Vorteile: Da wäre zunächst die prinzipiell unbegrenzte Informationsvielfalt. Im Gegensatz zur gedruckten Version muss der Inhalt der Internet-Zeitung nicht auf eine vorgegebene Seitenzahl komprimiert werden und sie ermöglicht, z. B. in Foren die aktive Beteiligung der Leser.
Hinzu kommen die Aktualität und die Schnelligkeit, mit der neue Informationen verbreitet werden können und zwar kostenlos für den Leser. Die Online-Zeitung kann zudem eine enorme Reichweite erzielen: 55 Prozent der deutschen Bevölkerung sind Internetuser, Tendenz steigend.
Probleme bei der Finanzierung
Hier fangen aber auch schon die Schwierigkeiten an: „Das bewährte Business-Modell für die gedruckte Zeitung, nämlich Vertriebserlöse plus Werbeerlöse funktioniert nicht im Internet.“ Das behauptet der „Bund deutscher Zeitungsverleger“ (BDZV). Die User seien kaum bereit für Informationen aus dem Internet zu zahlen. Alle bisherigen Versuche, z. B. der „New York Times“, Nachrichten gegen Bezahlung herauszugeben, scheiterten. Folglich bleibt die Werbung als einzige Einnahmequelle.
Obwohl diese Einnahmen im Jahr 2005 in Deutschland 550 Millionen Euro hervorbrachten und der Anteil der Online-Zeitungen steigend ist, bleibt für sie eine schlechte Finanzsituation bestehen. Daraus ergibt sich auch, dass Online-Journalisten im Durchschnitt schlechter bezahlt sind, als ihre Kollegen bei den Printmedien, so www.pressetext.de.
Außerdem steht Online-Journalismus im Ruf weniger seriös zu sein als herkömmliche Zeitungen. Die Recherche sei weniger genau, oft würde Material von Quellen ungeprüft übernommen.
Da gibt es auch noch einen ganz pragmatischen Aspekt, der Printmedien einen Vorteil bringt. Wann und wo liest Otto Normalverbraucher für gewöhnlich seine Zeitung? Morgens am Frühstückstisch zu einer Tasse Kaffee. Das gestaltet sich mit dem Internet etwas schwieriger.
Alles in allem wird sich zeigen, ob sich die Online-Zeitung auf Dauer durchsetzen kann. Bis dahin läuft sie parallel zur gedruckten Ausgabe, liefert dem Leser Hintergrundinformationen und bietet Zusatzangebote. Denn bis jetzt sind die User der Online-Zeitung diejenigen, die ohnehin auch zu den Zeitungsabonnenten zählen.
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