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Dan Flavin - Retrospektive


22.04.2007 (M. Mühlbauer) Kategorie: Kultur

Bild: jetzt.sueddeutsche.de

In der Münchner Pinakothek der Moderne ging am 08. April 2007 die größte Ausstellung der Werke Dan Flavins (1933 bis 1996) in Europa zu Ende. Der verstorbene amerikanische Künstler ist eine Schlüsselfigur der Kunst des 20. Jahrhunderts und ein Pionier in der Arbeit am zentralen Thema des Lichts.

Die von ihm aus Neonröhren konzipierten Lichtskulpturen drehen die Wahrnehmungsrichtung um, da sie keine Lichtquelle mehr benötigen, um betrachtet werden zu können, sondern selbstständig aus sich heraus leuchten. Die Betrachtungen sind deshalb auch nicht auf das Objekt an sich beschränkt. Sie beziehen außerdem den inszenierten Raum mit ein, der durch die Lichteffekte erlebbar wird.

Besonders hervorzuheben sind die raumgreifenden Installationen des Künstlers. Einige der Ausführungen spielen mit dem meist unbeachteten architektonischen Element der Ecke. Ihre Rahmung, Versperrung und Beleuchtung in den unterschiedlichsten Arten ermöglicht die Entfaltung einer mystifizierenden und monumentalen Wirkung. Andere setzen wiederum die Themen von radikaler Abgrenzung oder aggressiven Hineinragens in den Raum um. Damit werden dem Menschen ureigene Gefühle und Gedanken im Umgang mit solchen Phänomenen erweckt.

Die umfassende Arbeit mit der banalen Handelsware Neonröhre und deren bewusste Beschränkung auf zehn verschiedene Farbtöne (blau, rot, gelb, grün, rosa, ultraviolett, warmweiß, kühlweiß, tageslichtweiß, sanftweiß) besticht durch ihre Einfachheit. Sie hat den Ausdruck und die Wirkung des Lichts, ebenso wie ihre Wechselwirkung mit verschiedenen räumlichen Gegebenheiten auf einmalige und überraschende Art und Weise erforscht und dargelegt.

Besonders deutlich wird die Arbeitsweise an den seriellen Werken Dan Flavins, in welchen, meist unter Beibehaltung der Formensprache, entweder die Farbigkeit oder die Kompositionsweise verändert wird. Eine Ausnahme bildet hier die grandiose Serie von „monuments for V. Tatlin“, die in der Pinakothek der Moderne in der 140 Meter langen Mittelachse und entlang der zentralen Rotunde mit 24 Werken ausgestellt wurde. Eine in Europa bisher ungezeigte Vielfalt. Hierbei handelt es sich um Kompositionen aus kühlweiß fluoreszierenden Leuchtstoffröhren, die verschiedene konstruktive Elemente aufnehmen und durch ihre Abfolge in einen Zusammenhang bringen.

Durch die Gegenüberstellung des Werks Vladimir Tatlins (1885 bis 1953), seines nicht ausgeführten Entwurfs für das „Denkmal der III. Internationale“, und der Silhouette des Empire State Buildings lädt der Künstler zum Nachdenken über die alternativen Gesellschaftsansätze ein. Die gleichwertige Darstellung kapitalistischer und sozialistischer Symbole in dem Werk regt zum kritischen Vergleich beider Systeme an. Das war ein wichtiger Beitrag zur öffentlichen Auseinandersetzung mit diesem Thema während der Zeit des kalten Krieges.

Die Verbindung des Künstlers mit der Stadt München wird durch die Rekonstruktion einer Lichtskulptur, die für die Galerie von Heiner Friedrich geschaffen wurde, dargestellt. Die neunteilige Arbeit wird in drei Räumen gezeigt und untersucht das Zusammenspiel der Grundfarben. Außerdem werden Fotos vom Aufbau der Ausstellung „Sammlung 1968 Karl Ströher“ gezeigt, an dem Dan Flavin in der damaligen Neuen Pinakothek im Haus der Kunst mit anderen renommierten Künstlern teilnahm.

Die Ausstellungstournee durch Europa und Amerika wurde in Zusammenarbeit mit der Dia Art Foundation in New York und der National Gallery of Art in Washington D.C. organisiert und ausgeführt.

Durch die gelungene und umfassende Werkschau konnte die Pinakothek der Moderne in München einmal mehr ihren Stellenwert in der Diskussion und Kommunikation um das Thema des amerikanischen Minimalismus unter Beweis stellen. Die dargestellte Fülle von Lichtskulpturen war eine europaweit einmalige Übersicht über das Schaffen und Wirken Dan Flavins.



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