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Nicht das Medikament sondern der Preis ist ausschlaggebend


28.04.2007 (A. Pipos) Kategorie: Welt

Bild: www.stern.de

Um der Bevölkerung lebensnotwendige Medikamente zu einem günstigeren Preis zu verkaufen, bricht Thailand den internationalen Patentschutz der Pharma-Industrie und löst damit einen gewaltigen Streit aus.

Ausgangssituation ist diese: Pharmaunternehmen wollen für den Verkauf ihrer Medikamente große Summen einnehmen, da sie viel Geld in die Forschung und die Entwicklung des jeweiligen Medikaments investiert haben. Der Staat dagegen ist an Preisen interessiert, die für seine Bevölkerung bezahlbar sind. Schließlich nützen wirksame und bezahlbare Präparate nicht nur der kranken Bevölkerung etwas. Die Regierung kann dabei sparen, wenn sie weniger staatlichen Kampagnen für die Bekämpfung von Krankheiten subventionieren beziehungsweise nicht mehr so viel Geld in die eigene Forschung investieren muss.

Die Notwendigkeit Medikamente preisgünstig zu verkaufen, hat in den letzten Jahren noch mehr zugenommen, vor allem auch in Asien. Das liegt einerseits an der steigenden Zahl der HIV-Infizierten. Andererseits gibt es Krankheiten, die immer geläufiger werden, wie beispielsweise Herzprobleme, Arthritis oder Nierenversagen. Für die Bekämpfung dieser Krankheiten sind die Menschen auf lebensnotwendige Medikamente angewiesen.

Thailand hat als erstes Land auf dem asiatischen Kontinent den Patentschutz für drei Medikamente gebrochen und dem US-amerikanischen Konzern „Abbott“ und dem französischen Unternehmen „Sanofi-Aventis“ Konkurrenten an die Seite gestellt, die ihre Medikamente billiger verkaufen. Eine solche Aufhebung des Patentschutzes ist nach den „Agreements on Trade-Related Aspects of Intellectual Property Rights“ (TRIPS-Abkommen) nur dann gültig, wenn sich das betroffene Land in einem Notstand befindet. Thailand sieht sich in einem solchen Notstand, die Pharmakonzerne hingegen zweifeln dies an.

Durch die Aufhebung des Patentschutzes ziehen die großen Pharmaunternehmen ihre Anträge auf Zulassung neuer Medikamente in Thailand zurück. Für die Bevölkerung bedeutet das, dass sie nicht mit mehr neuen Medikamenten versorgt werden können, die möglicherweise ihr Leben retten.

„Das ist einfach grausam“, sagte Paul Cawthorne, Direktor der Hilfsorganisation „Ärzte ohne Grenzen“ in Thailand, dem „Asia Wall Street Journal“. „Das wirft ein schlechtes Licht auf die multinationalen Konzerne.“ Die Organisation unterstützt mit einer Online-Petition, die den Titel „Menschen sind wichtiger als Patente“ trägt, die Entscheidung Thailands und hofft auf weitere Nationen, die sich anschließen.

Die Pharmaindustrie verteidigt sich gegen die Vorwürfe. Der internationale Pharmaverband IFPMA (International Federation of Pharmaceutical Manufacturers and Associations) argumentiert: „Arzneimittel zu entwickeln ist hoch riskant und man weiß nie, ob etwas dabei herauskommt. Patente müssen geschützt werden, damit sichergestellt ist, dass die Gewinne wieder in die Erforschung neuer Medikamente gesteckt werden können.“

Nach eigenen Angaben verkauft der Konzern „Abott“ sein Aids-Medikament für ein Drittel des US-Preises. Außerdem verkaufen viele Pharmakonzerne ihre Medikamente zum Selbstkostenpreis, vor allem in Afrika. Den Unternehmen ist es aber wichtig, dass generell der Patentschutz eingehalten wird. So können sich die Konzerne das Monopol und die jeweiligen Lizenzen sichern, damit sie die Medikamente über dem Herstellungspreis verkaufen können. Der Gewinn fließt wieder in die Forschung, so die Unternehmen.

Die Reaktion Thailands scheint aber auch andere Nationen beeindruckt zu haben. So spielt auch die indonesische Regierung mit dem Gedanken den Patentschutz zu missachten, was heißen würde, dass manche Konzerne ihre Anträge auf Zulassung zurückziehen könnten.

Trotzdem sind Thailand und Indonesien auf die Forschung der Pharma-Konzerne angewiesen. Vor allem die Zahl der HIV-Infizierten und Kranken wird in den nächsten Jahren wahrscheinlich noch weiter ansteigen und Medikamente werden immer notwendiger, auch für Thailand. Vielleicht wird sich Thailand wieder an den Patentschutz binden, schließlich ist es auch auf die Neuentwicklungen der großen Pharmakonzerne angewiesen. Doch bis jetzt hat die thailändische Regierung sich zu ihrem weiteren Vorgehen noch nicht geäußert. Ein Teufelskreis, aus dem es keinen Ausweg zu geben scheint.



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