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Moses, Jesus und Muhammad – alle Propheten hatten in ihrer Lebenszeit Phasen, in denen sie gefastet haben. Das Wort Fasten kommt aus dem Gotischen und bedeutet „festhalten, beobachten, bewachen“. Häufig wird es mit festhalten an Regeln, loslassen und einlassen auf Neues übersetzt. Ziel und Zweck des Fastens sind in den drei Weltreligionen Judentum, Christentum und Islam ähnliche: Der Gläubige soll sich durch das Fasten wieder mehr auf seinen Glauben konzentrieren, ihn intensivieren und Gott durch das Gebet näher kommen. Auch die Reinigung und die Buße für begangene Sünden, sowie die moralische und spirituelle Festigung und Entwicklung der Persönlichkeit sind der ursprüngliche Sinn des Fastens.
Unterschiede bei der Fastenpraxis zeigen sich in der Fastenzeit, der Art und Weise wie gefastet und worauf genau verzichtet wird.
Judentum
Im Judentum ist Jom Kippur der große Versöhnungs- und Fastentag. An diesem Tag darf von Sonnenuntergang bis Sonnenuntergang des nächsten Tages nichts gegessen und getrunken werden. Rauchen ist ebenso nicht gestattet. Praktizierende Juden gehen nicht zur Arbeit, bleiben sexuell enthaltsam und waschen sich auch nicht. Von fünf weiteren allgemeinen Fastentagen ist der wichtigste Tag „Tischa BeAw“, der 9. Aw. Aw ist ein Monat im jüdischen Kalender, der zwischen Juli und August liegt. An den beiden großen Fastentagen wird an die Zerstörung der Tempel in Jerusalem gedacht. Zudem sollen alle zuvor begangenen Sünden durch den Verzicht gesühnt werden.
Daneben entwickelte sich eine jüdische Praxis, wonach am Dienstag und Donnerstag (teil)gefastet wurde. Diese Tradition wurde von den Christen für die Wochentage Mittwoch und Freitag übernommen.
Christentum
In der römischen Kirche wurde mittwochs gefastet, um an den Verrat von Jesus zu erinnern und freitags, weil Jesus an diesem Tag gekreuzigt wurde. Bis auf den Brauch, freitags kein Fleisch zu essen, ging diese Tradition jedoch weitgehend verloren. So ist seit den 60er Jahren bei Katholiken das Fastengebot gelockert. Strenges Fasten gibt es aber noch bis heute: am Aschermittwoch und Karfreitag. Persönliche Abstinenz (Verzicht auf Fleisch) wird auch von vielen Katholiken am Freitag befolgt.
Der Verzicht auf Dinge ist jedoch nicht einheitlich. Einige sehen es als fasten an, wenn sie sich von Lebensmitteln und Getränken bis auf Brot und Wasser ernähren. Für andere wiederum bedeutet es, kein Fleisch und keine Süßigkeiten zu essen. Eine wiederum andere Art der Buße ist beispielsweise der Verzicht auf den Fernseher oder das Internet. Fasten wird von jedem erwachsenen Katholik ab 18 Jahren bis zum 60. Lebensjahr verlangt. Das Abstinenzgebot, die Entsagung von Fleisch als Nahrungsmittel, gilt bereist ab dem 14. Lebensjahr. Kranke, Reisende und Menschen, die schwer körperlich arbeiten müssen, sind davon befreit.
Seit einigen Jahrzehnten haben auch die Protestanten das Fasten neu entdeckt. Mit „7 Wochen ohne“ wirbt beispielsweise die evangelische Kirche in Deutschland (EKD) für sieben Wochen Umdenken und Enthaltsamkeit. An den vierzig Tagen von Aschermittwoch bis Ostern soll individuell auf etwas verzichtet werden, sei es auf Nahrung oder auf das Auto oder auf etwas anderes. Die Passionszeit, welche vom 21. Februar bis 8. April geht, soll bewusst gestaltet werden. So sollen Christen motiviert werden bewussten Verzicht zu praktizieren.
Nach eigenen Angaben der EKD sollen zwei Millionen Menschen in Gemeinden oder alleine die sieben Wochen vor Ostern gestalten. Nach dem Motto „Atempause. Wie das Leben fließt“ soll individuell geklärt werden, was Lebensqualität ausmacht. Gott sowie Meditation sollen für die eigene Person entdeckt werden.
In den orthodoxen Kirchen ist das Fasten strenger geregelt. Orthodoxe Gläubige kennen mehrwöchige Fastenperioden pro Jahr, an denen Fleisch, Eier und Milchprodukte nicht erlaubt sind. Alle Fastentage dienen auch zu intensiven Gebeten.
Islam
Der Fastenmonat Ramadan, der neunte Monat des islamischen Mondkalenders, ist ein Grundpfeiler im Islam. Er hat circa 30 Tage. In dieser Zeit sollen gesunde und erwachsene Muslime zwischen Sonnenauf- und Sonnenuntergang nicht essen, trinken und rauchen. Sie sollen auf Geschlechtsverkehr mit ihrem Ehepartner verzichten, ihren Charakter bessern und festigen. Aus der Sicht muslimischer Gelehrter ist der alleinige Verzicht auf Nahrung jedoch sinnlos, wenn nicht gleichzeitig auf freundliche Umgangsformen und gutes Verhalten Wert gelegt wird. Es soll eine Zeit der Einkehr und der Besinnung werden, in der sich die Muslime mehr als sonst dem Gebet widmen und die Nähe Gottes suchen.
Zudem soll jeder Einzelne durch das Fasten das Leid der Bedürftigen und der Mittellosen nachempfinden. Große Bedeutung haben daher auch Gastfreundschaft und Almosen für die Armen. Ausgenommen vom Fasten sind alte Menschen, Schwangere, stillende Mütter und chronisch Kranke. Sie sind aber dazu verpflichtet, so weit es ihnen möglich ist, Spenden und Speisen an die Armen und Notleidenden zu verteilen. Frauen, während ihrer Periode und Reisende sollen auch nicht Fasten, sondern die ausgelassenen Fastentage zu einem späteren Zeitpunkt nachholen.
Wie unterschiedlich die Fastenpraxis in den drei Weltreligionen auch sein mag, gemeinsam ist allen, dass das Fasten nicht als Last oder gesundheitsgefährdend angesehen wird. Das richtige Einhalten der Fastengebote soll vielmehr sowohl den Geist, als auch den Körper stärken. Neben dem Verzicht auf Nahrung, Bequemlichkeit und vielem mehr, ist das Fasten auch immer mit einer tiefen, spirituellen Dimension verbunden.
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