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Angst vor Arbeitslosigkeit


23.08.2005 (R. Schmidt) Kategorie: Wirtschaft

Bild: www.eva-tesar.at

Eine Befragung des Konsumforschungsunternehmens GFK belegte jetzt, dass 81 Prozent der deutschen Bundesbürger Angst vor Arbeitslosigkeit haben.

Durch die von der SPD und den Grünen eingerichtete Arbeitsmarktreform Hartz IV sollte den Bürgern geholfen werden, Arbeit zu finden. Der Eintritt in das Arbeitsleben sollte erleichtert werden und der Lebensstandart weiter erhalten bleiben können. Jedoch wurde bei alldem die nötige Aufklärung verpasst.

Die Arbeitsmarktreformen sind in der Gesamtbewertung sozial ungerecht und führen zu mehr Armut und sozialer Polarisierung, so die Empfänger und Gegner von Hartz IV. Ohne eine beschäftigungswirksame Wirtschafts- und Steuerpolitik werden diese Gesetze nicht zur Verminderung der Massenarbeitslosigkeit führen. Seitens der Gegner sei es im Prinzip richtig, eine Zusammenlegung von Arbeitslosengeld und Sozialhilfe zu erreichen, jedoch sollte die finanzielle Unterstützung auf dem Niveau der Arbeitslosenhilfe und nicht auf dem der Sozialhilfe liegen.

Menschen, die Hartz IV erhalten, machen einen enormen Systemwechsel durch, denn zuvor richtete sich die Arbeitslosenhilfe nach dem Einkommen, das die Erwerbslosen vor dem Jobverlust hatten. Dies ist bei dem Arbeitslosengeld II nicht der Fall, denn Hartz IV ist ein Festgeld. Der Maximalbetrag liegt im Westen bei 345 €, im Osten knapp darunter. Sozialhilfe bekommen nur noch hilfebedürftige Menschen ab dem 65. Lebensjahr. Von vielen Seiten wird gefordert, den Betrag von Hartz IV zu erhöhen, um den Arbeitslosen weiterhin ihren Lebensstandart zu erhalten. Doch umgesetzt worden ist bisher nichts dergleichen.

Durch die Einführung von 1€-Jobs können sich jedoch Arbeitslosengeld II- Empfänger ein wenig Geld dazuverdienen. Diese 1€-Jobs sind dafür da, den Langzeitarbeitslosen einen neuen Einstieg in das Arbeitsleben zu geben und ihnen die Möglichkeiten zu bieten wieder in reguläre Arbeiten zu finden. Auch diese Neuerung wird stark kritisiert. Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt warnte ausdrücklich vor einer Erweiterung der 1€- Jobs. Er sagte, dass die Ausweitung dieser Jobs auf private Unternehmen zu einem massiven Austausch von Arbeitnehmern und Verdrängung von der den vollen Gehalt verlangenden Arbeitern führen würden, statt Langzeitarbeitslosen Chancen auf Beschäftigung zu eröffnen.

Menschen, die einen 1€- Job annehmen, arbeiten für einen Stundenlohn von 1€ und werden in kommunale und gemeinnützige Beschäftigungen vermittelt. Jedoch entsteht dadurch die Gefahr, dass die sozialversicherungspflichtigen Jobs verdrängt werden. Durch die Zunahme der Minijobs und dem Rückgang der beitragspflichtigen Beschäftigung könnte es zu fast 10 Milliarden Euro Ausfällen bei den Kranken-, Renten-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherungen kommen. Durch eine weitere Ausweitung der Minijobs (1€- Jobs) auf die private Wirtschaft könnten weitere Milliardenlöcher entstehen. In Folge dessen würden noch mehr Kürzungen sozialer Leistungen sowie höhere Kassenbeiträge auf die Arbeitnehmer zukommen.

Das Thema Arbeitslosigkeit betrifft nicht nur Menschen, die ihre Arbeit bereits verloren haben. Nach Angaben von Psychologen kann die Angst, arbeitslos zu werden, bei Arbeitnehmern zu schweren Beeinträchtigungen der Leistungsfähigkeit führen, da die betroffenen Personen in einer stetigen Stresssituation leben. Schon die Diskussion über das Thema sowie mangelndes Wissen über die Arbeitsmarktreform und wie sie im Falle von Arbeitslosigkeit unterstützt würden, kann bei vielen zu einem quälenden Druck führen.

Viele Arbeitslose betonten bereits, dass sie nicht einmal seitens der Agentur für Arbeit vernünftige Auskünfte über die Arbeitsmarktreformen erhalten würden. Doch was kann man tun?

Den sicheren Arbeitsplatz scheint es nicht mehr zu geben, denn selbst Akademiker, die bei großen deutschen Unternehmen einen einst noch sicher geglaubten Arbeitsplatz hatten, stehen immer häufiger auf der Straße. Die Gewerkschaften im DGB kämpfen daher weiterhin mit Aufklärung, Unterschriftenaktionen, Bündnissen, Demonstrationen und durch Einflussnahme auf die politischen Parteien für eine wesentliche Veränderung der stehenden Gesetze der Arbeitsmarktreformen.

Einige ihrer Forderungen sind:

- Das Arbeitslosengeld II muss deutlich angehoben werden.
- Die Zumutbarkeitsregeln für 1€-Jobs müssen geändert werden: Es sind nur Tätigkeiten zumutbar, die nach den Tarifverträgen bzw. der ortsüblichen Entlohnung vergütet werden.
- Jugendlichen unter 25 Jahren sind Ausbildungsangebote zu unterbreiten. Die Finanzierung der Ausbildung muss gesichert sein.
- Die Auszahlung des Arbeitslosengeldes II muss immer am ersten Tag im Monat erfolgen, so wie es unter dem Druck der Montagsdemonstrationen tatsächlich bereits von Rot-Grün beschlossen worden ist.

Weiter ist es wichtig, dass Arbeitgeber ihre Mitarbeiter herausfordern und ihnen die Möglichkeit bieten, sich weiter zu entwickeln und weiter zu qualifizieren.

Angst vor Arbeitslosigkeit ist nicht nur in Deutschland ein Thema. Die Deutschen sind zwar mit 81 Prozent Spitzenreiter, was die Angst vor Verlust der Arbeitsstelle betrifft. Jedoch folgen die Österreicher mit 74 Prozent, die Franzosen mit 58 Prozent. In den Niederlanden dagegen haben nur knappe acht Prozent der Bürger Angst, arbeitslos zu werden. In England sind es gerade mal vier Prozent.

Doch wirklich schützen gegen Arbeitslosigkeit kann sich niemand. Es wird Zeit, dass Politiker Mut haben, etwas wirklich zu verändern, zu ihren Worten zu stehen, und vor allem, die Menschen von vorneherein gründlich aufzuklären.



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