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Handy als Fahrkarte für Bus und Bahn


20.05.2007 (J. Rohrbach) Kategorie: Technik

Bild: www.rmv.de

Die Handytechnologie entwickelt sich unaufhaltsam weiter. Während die letzten neuen technischen Errungenschaften wie zum Beispiel integrierte Kamera, Radio und MP3-Player schon zur Normalität geworden sind, soll nun eine weitere, durchaus praktische Idee, verwirklicht werden. Das lästige Kaufen von Fahrkarten am Schalter und Automat soll bald der Vergangenheit angehören, denn auch dafür soll unser mobiler Begleiter nun eingesetzt werden können. Handy-Ticket lautet das Stichwort, welches hier näher erläutert werden soll.

Was hat es mit dem Handy-Ticket auf sich?

Das Handy-Ticket ist ein Fahrschein, der über das Handy erworben und auf diesem gespeichert werden kann. Es ist nicht übertragbar und gilt nur in Verbindung mit einer so genannten „ID-Card“, sprich BahnCard, Kredit- oder EC-/Maestro-Karte, welche bei der dazu notwendigen Anmeldung im Internet festgelegt wird.

Das Projekt dazu nennt sich „Touch & Travel“ und soll in den kommenden Jahren zur Marktreife geführt werden. Beteiligt an dem Projekt sind die Deutsche Bahn, Vodafone, die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), die Verkehrsbetriebe in Potsdam (ViP), Motorola, Atron, NXP sowie Giesecke & Devrient. Auch andere europäische Länder wie Finnland, Italien und Frankreich sind an dem von der Europäischen Kommission geförderten Projekt beteiligt.

Die Deutsche Bahn verspricht sich von dem Verfahren einen Kundenzuwachs, da es eine einfache und schnelle Möglichkeit sei, deren Angebote zu nutzen. Nach einem erfolgreichen Testdurchlauf soll es deutschlandweit zum Einsatz kommen. Eine flächendeckende Ausstattung der Haltestellen mit „Touch & Travel“ ist laut Vodafone allerdings nicht vor 2009 zu erwarten.

Wie funktioniert das Handy-Ticket?

Wie das Handy-Ticket erworben werden kann, ist von Anbieter zu Anbieter unterschiedlich. Um ein Handy-Ticket bei der Deutschen Bahn erwerben zu können, ist eine Registrierung für das Online-Buchungssystem auf www.bahn.de notwendig. Die Registrierung erfolgt nach dem Einrichten eines persönlichen Benutzerkontos für die „Mobilen Services“ durch das Hinterlegen der Handynummer und einer persönlichen Geheimzahl. Das Ticket kann anschließend über das internetfähige Handy gebucht werden. Dazu ist es nötig, über das Mobiltelefon eine Internetverbindung zu mobile.bahn.de herzustellen und die gewünschte Reiseverbindung auszuwählen. Auch eine Sitzplatzreservierung lässt sich so buchen.

Das Ticket kann auf diese Weise bis zu 10 Minuten vor der gewünschten Abfahrt, für eine einfache Fahrt und für alle Strecken im Fernverkehr innerhalb Deutschlands erworben werden. Vorraussetzung ist, dass die Strecke mindestens 51 Kilometer beträgt. Auch eine vorhandene BahnCard kann genutzt werden, jedoch gilt das Angebot nicht bei Sparpreisen und Angeboten mit Zugbindung, bei denen eine Verfügbarkeit ermittelt werden muss.

Bei der BVG erfolgt die Buchung des Tickets per SMS. Hier können bis jetzt nur Einzelfahrscheine und Tageskarten über das Handy gekauft werden. Bezahlt wird bargeldlos. Die Kosten werden über die bestehende Telefonrechnung des Netzbetreibers abgerechnet.

Bei allen Varianten wird das Ticket wenige Minuten später als MMS (Multimedia Message Service) auf das Handy geschickt. Die Nachricht enthält alle relevanten Buchungsinformationen. Bei Buchungen über die Deutsche Bahn kommt ein Barcode hinzu, über den das Zugpersonal das Ticket kontrollieren kann.

Bei Erfolg des Testlaufes soll beim „eTicketing-Verfahren“ die neue Technologie der „Near Field Communication“ (NFC) genutzt werden. Das soll eine kontaktlose Datenübertragung mit einem Abstand weniger Zentimeter erlauben und in kommende Mobiltelefon-Generationen integriert werden.

Bei „Touch & Travel“ werden dann alle Bahnsteige und Haltestellen mit so genannten „Touchpoints“ ausgerüstet. Hier checkt der Fahrgast per Tastendruck mit seinem Handy ein und nach Erreichen seines Reiseziels wieder aus. Der registrierte Nutzer erhält dann eine monatliche Rechnung je nach gefahrener Strecke und Fahrpreis.

(Video zum Thema: www.bahn.de)

Derzeitige Einsatzgebiete, Handyvoraussetzungen und Kosten

Noch in diesem Jahr starten die ersten Praxistests in Deutschland auf der ICE-Strecke Berlin-Hannover, einem Teilnetz der Berliner S-Bahn und im gesamten städtischen Nahverkehr Potsdams.

Um auf diesen Strecken bereits am „eTicketing“ teilzunehmen, muss das dazu genutzte Handy internetfähig sein und MMS empfangen und korrekt darstellen können. Die Bahn bietet auf ihrer Internetseite an, sich eine Test-MMS senden zu lassen.

Sparen lässt sich mit dieser neuen Methode allerdings nichts, denn das Handy-Ticket ist genauso teuer wie eine normale Fahrkarte. Es fallen jedoch zusätzliche Kosten für die Verbindung ins Internet bzw. das Versenden einer SMS an. Sie hängen vom Mobilfunkanbieter ab und können, falls nicht bekannt, direkt dort erfragt werden

Vor- und Nachteile der neuen Technologie

Der Vorteil von „Touch & Travel“ liegt vor allem darin, dass relativ spontanes Reisen möglich ist, ohne vorher zu buchen und zu bezahlen. Bei längeren Reisen mit verschiedenen Verkehrsmitteln bedarf es bei einer deutschlandweiten Einführung des Systems zudem keine unterschiedlichen Fahrscheine mehr für die verschiedenen Reisemittel. Es ist möglich sich an der ersten genutzten Haltestelle einzubuchen und an der letzten wieder abzumelden.

Nicht ganz billig werden allerdings das Einrichten des Abrechnungssystems, das Anschaffen neuer Kontrollgeräte und die Ausstattung aller Haltestellen mit den so genannten „Touchpoints“. Eine generelle Fahrpreiserhöhung wäre aufgrund dessen nicht verwunderlich.

Zum Thema Datenschutz liegt noch kein Konzept vor. Dies, so Vodafone, müsse erst noch in den Feldversuchen geklärt werden. Sie sollen ab Oktober 2007 mit zunächst 800 ausgewählten Vodafone-Kunden im Raum Berlin/Potsdam stattfinden.

Auch wenn die neue Technologie in Zeitnot durchaus praktisch sein kann, werden viele wohl lieber beim Fahrschein aus Papier bleiben. Wenn der Akku des elektronischen Fahrkartenanzeigers nämlich versagt, hat der Besitzer des elektronischen Tickets trotz Bezahlung schlechte Karten bei einer Fahrkartenkontrolle.



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