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Jörg Immendorff, einer der bedeutendsten deutschen Künstler der Gegenwart, ist am 28. Mai 2007 nach schwerer Krankheit im Alter von 61 Jahren verstorben. Er hinterlässt eine 27-jährige Ehefrau und eine 5-jährige Tochter.
Geboren wurde Immendorff 1945 im niedersächsischen Bleckede. Er studierte in den sechziger Jahren als Schüler von Joseph Beuys an der Kunstakademie in Düsseldorf. Nach etlichen dadaistischen Aktionen, bei denen er mit Babysprache die Kunst in Frage stellte, wurde er jedoch aus derselbigen verwiesen. Gleichzeitig engagierte er sich politisch in der Außerparlamentarischen Opposition. Bevor er als freischaffender Künstler arbeitete, war er einige Jahre als Hauptschullehrer tätig. Seit 1996 hatte Immendorff eine Professur an der Kunstakademie in Düsseldorf inne.
Im Gegensatz zu anderen deutschen Künstlern der Nachkriegszeit, die sich hauptsächlich der gegenstandslosen Kunst zuwandten, weist Jörg Immendorffs Werk gesellschaftskritische und politische Züge auf. Besonders bekannt wurde er durch seinen expressiven Zyklus „Café Deutschland“. Die darin enthaltenen 16 Bilder, die in den siebziger und achtziger Jahren entstanden, stellen seine Auseinandersetzung mit der Teilung Deutschlands dar. Zu seinen letzten großen Arbeiten zählt das Porträt von Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder in Gold.
Ein in seinem Werk häufig auftauchendes Motiv ist der malende Affe mit dem Pinsel in der Hand. Mit einer gehörigen Portion Selbstironie zeigt Immendorff so den Künstler der heutigen Zeit. Mit dem Ausspruch „Hört auf zu malen!“ stellte er die Rolle der Kunst in der Gesellschaft provozierend in Frage.
Jörg Immendorff wurde nicht nur durch seine Künstler- und Lehrtätigkeit bekannt, sondern auch durch sein Privatleben. In den Medien erregte vor allem die Heirat mit seiner über 30 Jahre jüngeren Frau Oda Jaune Aufsehen. Sein Auftreten in der Öffentlichkeit auf ausschweifenden Feiern war für die Boulevardpresse von besonderem Interesse. Im Jahr 2003 geriet Immendorff wegen eines Drogen- und Sexskandals in die Schlagzeilen. Ihm wurde der Prozess gemacht, nachdem er in einem Düsseldorfer Nobelhotel zusammen mit Prostituierten Kokain konsumiert hatte.
Das beeinträchtigte jedoch kaum seinen künstlerischen Ruf. Von September 2005 bis Januar 2006 ehrte die „Neue Nationalgalerie“ in Berlin das Schaffen Immendorffs mit einer umfassenden Werkschau. Die Auszeichnung des „Goslarer Kaiserrings“ konnte der Künstler im Oktober 2006 allerdings schon nicht mehr selbst entgegennehmen.
Jörg Immendorff litt seit mehreren Jahren an der unheilbaren Nervenkrankheit ALS (Amyotrophe Lateralsklerose), die mit einer fortschreitenden Muskellähmung einhergeht. Zuerst konnte er seinen linken Arm, mit dem er malte, nicht mehr benutzen. Seit Ende 2005 musste er künstlich beatmet werden. Dennoch hat Immendorff nicht vor der Krankheit resigniert und sein künstlerisches Schaffen fortgeführt, wenn auch nur mithilfe seiner Assistenten. In den letzten Jahren setzte er sich mit dem Leiden auch in seinen Bildern auseinander. Zudem unterstützte er intensiv die ALS-Forschung an der Berliner Charité.
Immendorff zählt zu den wenigen deutschen Künstlern der Gegenwart, die es auch im Ausland zu Ansehen gebracht haben. In einem Interview sagte er einmal: „Das Spannende ist das, woran man sich reiben kann.“ Damit hat er seine Kunst wie auch sein Privatleben selbst am besten auf den Punkt gebracht.
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