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Der erste Teil der Doppelreihe „Hypnose – Hokuspokus oder medizinischer Geheimtipp?“ befasste sich mit dem Phänomen Hypnose im Allgemeinen. Im zweiten Teil werden nun ihre Anwendungsbereiche genauer beleuchtet.
Ihre Bekanntheit hat die Hypnose der Unterhaltungsbranche zu verdanken. Auf Jahrmärkten, in Talk-Shows oder auch auf privaten Feiern ist sie ein beliebter Publikumsmagnet. Dadurch hat sich jedoch ein bestimmtes Klischee entwickelt: Der meist esoterisch angehauchte Hypnotiseur versetzt einen Freiwilligen mit Hilfe eines Pendels und dem berühmten „Sie werden müde...“ in eine tiefe Trance. Danach hat er die Kontrolle über sein nun willenloses „Opfer“ und kann es mit einem Fingerschnipsen dazu bringen, wie ein Hund zu bellen oder lebende Heuschrecken zu essen.
Gerade so funktioniert Hypnose jedoch nicht. Das Bewusstsein verändert sich zwar, es ist aber nicht völlig ausgeschaltet. Außerdem sind Suggestionen nur Vorschläge, sie müssen nicht unbedingt befolgt werden. Es liegt also keineswegs eine gänzliche Willenlosigkeit vor. Möchte der Hypnotisierte etwas nicht tun, kann er die Trance selbstständig beenden.
Dass die Shows dennoch nach dem genannten Schema ablaufen, hat mehrere Gründe. Erstens sind die Kandidaten freiwillig auf der Bühne. Sie sind also von vornherein bereit, sich auf den Hypnotiseur einzulassen. Zweitens wirken sich Gruppenzwang und Show-Atmosphäre positiv auf die Empfänglichkeit für Suggestionen aus. Die Anweisungen werden also hauptsächlich aufgrund des Erwartungsdrucks, nicht wegen der Hypnose, befolgt. Drittens haben die meisten Show-Master genug Erfahrung, um Kandidaten mit einer zu kritischen Einstellung schnell zu erkennen und auszusortieren.
Die in der Unterhaltung angewandten Methoden werden häufig kritisiert, besonders von Vertretern des medizinischen Bereiches. Die Extremsituationen, in die die Hypnotisierten gebracht werden und das abrupte Beenden des Trance-Zustandes seien mit enormem Stress verbunden und könnten unter Umständen zu Langzeitschäden, wie zum Beispiel Depressionen, führen.
Im Gesundheitssektor ist die Vorgehensweise eine ganz andere. Die Behandlung ist in mehrere Abschnitte eingeteilt. In der Einleitungsphase wird der Patient langsam in Trance versetzt. Je nach gewünschter Tiefe, kann das bis zu 30 Minuten in Anspruch nehmen. Die Behandlungsphase ist die Phase der Suggestionen. Hier können Verhalten und Wahrnehmung des Hypnotisierten beeinflusst werden. Der Zustand kann mehrere Stunden andauern, wodurch narkosefreie Operationen möglich werden. Zuletzt erfolgt die Reorientierungsphase, in der der normale Bewusstseinszustand wiederhergestellt wird. Sie ist quasi die Umkehrung der Einleitungsphase und somit abhängig von der Tiefe der Trance.
Nach diesem Grundschema lassen sich eine Vielzahl von Beschwerden beheben, bei denen andere Behandlungsmethoden vielleicht schon versagt haben. Es unterstützt beispielsweise Gewichtsreduktionen, Raucherentwöhnungen oder Stressbewältigungen. Dabei werden die Probleme aber nicht weggezaubert. Vielmehr werden Veränderungen im Unterbewusstsein vorgenommen, die es dem Patienten leichter machen sich selbst zu helfen. Suchtkrankheiten jeder Art lassen sich daher mit besonders hoher Erfolgsquote behandeln.
Es gibt zahlreiche Verbände, welche die Interessen der medizinischen Hypnose vertreten. Primäres Ziel solcher Gesellschaften ist es, die klinischen und experimentellen Anwendungsgebiete zu fördern und weiter in der Wissenschaft zu etablieren. Zu dem Zweck werden spezielle Fort- und Weiterbildungen angeboten. Sie sind ausschließlich Vertretern der relevanten Bereiche, also Ärzten, Psychologen et cetera, vorbehalten. In den Kursen erlangen die Teilnehmer fachliche Kompetenzen in Theorie und Praxis. Damit grenzt sich die medizinische Hypnose klar von der Show-Hypnose ab.
Ein Zertifikat ist allerdings keine Garantie für einen tatsächlichen Experten. Es gibt nämlich auch andere Organisationen, wie zum Beispiel die Hypnoseakademie, in denen auch Nicht-Mediziner die Möglichkeit haben eines zu erwerben. Eine gute Möglichkeit seriöse Hypnotiseure zu finden, bieten renommierte Vereinigungen, wie die Deutsche Gesellschaft für Hypnose und Hypnotherapie (dgh-hypnose.de). Hier gibt es auch Informationen rund um Behandlungsmöglichkeiten, den aktuellen Forschungsstand und andere vertrauenswürdige Quellen.
Hat Ihnen die Doppelreihe geholfen, sich ein genaueres Bild von Hypnose und ihren Anwendungsbereichen zu machen? Oder haben Sie vielleicht selbst schon Erfahrungen auf dem Gebiet gesammelt? Teilen Sie uns Ihre Meinung im Life-Go-Forum mit!
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