|
Schon im Februar 2007 informierte der Parlamentarische Staatssekretär Thomas Kossendy im Verteidigungsministerium, über die schwierige Zukunft der Bundeswehr, was den Nachwuchs anbelangt. Die Bundeswehr sieht sich mit einem drastischen Rückgang an Rekruten konfrontiert.
Eine Ursache hierfür ist die zurückgehende Geburtenrate, die in den kommenden Jahren mehr und mehr auch die Bundeswehr betreffen wird. In Ostdeutschland zum Beispiel sinkt die Jahrgangsstärke ab 2008 um bis zu 50 %.
Ein weiteres Problem stellt die, in den Medien eingehend besprochene, Fettleibigkeit der Deutschen dar. Inzwischen ist im Durchschnitt jeder dritte Jugendliche übergewichtig und verfügt somit nicht über eine ausreichende Fitness, um den Beruf eines Soldaten zu ergreifen. Seit 2004 stieg der Prozentsatz der gemusterten Männer, die „vorübergehend nicht wehrdienstfähig“ waren, auf das Dreifache. Zu solch einer Einstufung kann sowohl ein gebrochener Arm als auch Übergewichtigkeit führen.
Hinzu kommt, dass „vor allem jene jungen Frauen und Männer mit guter Schulbildung und zivilberuflichen Qualifikationen im technischen und elektronischen Bereich“ von der Bundeswehr als Bewerber bevorzugt werden – dieselben Fähigkeiten, die auch in der Wirtschaft begehrt sind. Die Konkurrenzsituation könnte sich noch verschärfen, wenn die wirtschaftliche Gesamtsituation in Deutschland einen Aufschwung erlebt und folglich einen positiven Effekt auf den Arbeitsmarkt hat. Um dem entgegenzuwirken, müssen eventuell die Auswahlkriterien gelockert werden. Somit würden weniger qualifizierte Bewerber eingestellt.
Es ist fraglich, inwiefern der dargelegte Rückgang mit den wachsenden Auslandseinsätzen in Krisengebieten, wie zum Beispiel Afghanistan, zusammenhängt. Von der Bundeswehr werden hierüber keine Angaben gemacht.
Die FDP-Verteidigungsexpertin Birgit Homburger spricht sich für eine Beendigung des Zwangsdienstes aus. Die ständige Ausbildung und der Aufwand für die Wehrerfassung würden zu viele Kräfte binden. Außerdem seien die Aufgaben der Zukunft nicht mit einer Wehrpflichtarmee zu bewältigen. Seit Deutschland keiner Gefährdung von Nachbarländern mehr ausgesetzt ist, beziehen sich die Aufgaben immer mehr auf internationale Einsätze in Krisengebieten.
Augenblicklich verfügt die Bundeswehr über 250.000 aktive Soldaten. Trotzdem müssen noch 22.500 Frauen und Männer für eine Unteroffizierslaufbahn und den einfachen Dienst angeworben werden.
Es hat den Anschein, dass die genaue Zukunft der deutschen Bundeswehr noch ungewiss ist und grundlegende Veränderungen bevorstehen. Entweder wird zugunsten der Opposition die Wehrpflicht abgeschafft oder die Attraktivität des Soldatenberufs wird gesteigert.
|