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Heile Welt mit Rissen: Second Life


27.06.2007 (C. Wiechert) Kategorie: Computer

Bild: prblog.typepad.com

Wer hat nicht schon einmal davon geträumt, jemand vollkommen anderes zu sein? Diese Möglichkeit bietet die virtuelle Onlinewelt „Second Life“. Jeder kann dort die Person darstellen, die er möchte – egal ob Frau, Mann oder auch Kind. Die Kehrseite der Welt der „unbegrenzten Möglichkeiten“ zeigte am 7. Mai 2007 „Report Mainz“ im ZDF. Kinderpornografie in „Second Life“ war das Thema des Berichts und sorgte für Aufruhe. Allerdings ist das nicht die einzige negative Seite in der virtuellen Welt.

Das „zweite Leben“ ist also auch nicht frei vom Bösen. Avatare in Kindergestalt werden von Erwachsenen Avataren sexuell missbraucht. In einem Fall von Misshandlung in der virtuellen Welt befindet sich hinter dem Kinderavatar eine 27-jährige Frau, der Mann ist ein 54-jähriger. Beide wurden aus dem Spiel ausgeschlossen. Die Spielfiguren werden zwar von Erwachsenen gesteuert, da sich offiziell nur Volljährige in „Second Life“ anmelden, aber unproblematisch ist das trotzdem nicht. Zum einen kann nicht gewährleistet werden, dass sich keine Minderjährigen in dem Spiel anmelden. Zum anderen „sinkt die Hemmschwelle gegenüber solchen Handlungen im Spiel und auch in echten Leben“ so der Experte Lutz-Ulrich Besser gegenüber „Report Mainz“.

Das ist jedoch nicht die einzige Art der Kinderpornografie, die in „Second Life“ zu finden ist. Ein Spieler bietet pornografische Kinderbilder an – von echten Kindern, keinen Avataren. Der Inhaber der Bilder stammt aus Deutschland und wurde laut „Spiegel online“ mittlerweile aufgespürt. Er muss mit einer Haft von drei Monaten bis zu fünf Jahren rechnen.

Die Betreiberfirma „Linden Lab“ reagierte schockiert auf die Enthüllungen. Mitarbeiterin Robin Linden gibt zwar zu, dass einige Fälle von Kinderpornografie bekannt waren, aber dass das in so einem Ausmaß im Spiel zu finden ist, sei nicht klar gewesen. Dabei scheint es in der „Second Life“-Gemeinschaft kein Geheimnis zu sein, dass es eine Gruppe Pädophiler unter ihnen gibt. Jetzt soll stark gegen Kinderpornografie vorgegangen werden. Auffällige Mitspieler werden aus dem Spiel ausgeschlossen. Außerdem sollen Maßnahmen ergriffen werden, die den Jugendschutz verstärken. Eine davon ist die Identifizierung durch die Nummer des Reisepasses oder der Sozialversicherungsnummer. Ob das jedoch Minderjährige wirklich von dem Spiel fernhält ist fraglich, da sie trotzdem Zugang zu den Ausweisen ihrer Eltern haben können.

Kinderpornografie in „Second Life“ ist zwar das prominenteste, aber nicht das einzige „Verbrechen“, das kritisiert wird. Die virtuelle Welt wird als gesetz- und regellos bezeichnet. Waffengebrauch ist etwas Normales, ebenso stehen Glücksspiele an der Tagesordnung.

Ein anderes Problem, das auf der Computer- und Internetseite www.gulli.com zur Sprache kommt, betrifft die Musikindustrie. In den „Bars“ und „Discos“ wird Musik abgespielt, die nicht lizenziert und urheberrechtlich geschützt ist. „Linden Lab“ fühlt sich dafür jedoch nicht zuständig und schiebt die Verantwortung auf die Spieler. Schließlich werden die Lizenzverstöße von „den Usern begangen, nicht von den Spielanbietern“ heißt es in einem Bericht auf Webseite.

Das Interesse am Spiel beschränkt sich bei den meisten Spielern auf das einmalige Probieren. Vielleicht liegt es daran, dass sich das zweite Leben nicht viel vom realen unterscheidet. Kapital ist auch hier entscheidend um eine Stellung in der „Gesellschaft“ zu festigen und Anerkennung zu erreichen – kein wirklicher Unterschied zum „First Life“.



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