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Christopher Street Day 2007
29.06.2007 (M. Mühlbauer)
Kategorie: Kultur
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Am 28. Juni 2007 war es wieder so weit. An diesem Tag jährt sich der Stonewall-Aufstand in der Christopher Street in New Yorks Stadtteil Greenwich Village, der 1969 stattfand. Es war der erste bekannt gewordene Widerstand der homosexuellen Gemeinschaft gegen polizeiliche Willkür. Auslöser waren verstärkte brutale Razzien in diversen Bars und Clubs in New York, die bevorzugt von homosexuellem Publikum besucht wurden. Damit begann eine längere Serie von gewalttätigen Auseinandersetzungen mit der Polizei, die in tagelangen Straßenschlachten endeten. Seit 1970 wird dem Tag in New York mit demonstrativen Straßenzügen gedacht.
Lange Zeit stand Homosexualität in den USA unter Strafe und hatte meist gesellschaftliche Ausgrenzung zur Folge. Der erste amerikanische Bundesstaat der 1962 seine Gesetze gegen Homosexualität abschaffte und damit die Straffreiheit gleichgeschlechtlicher Handlungen garantierte, war Illinois. In Texas wurden solche Gesetzte bis zu einem Urteil des obersten Gerichtshofs 2003 aufrechterhalten. Auch die psychiatrische Behandlung von Schwulen war ein übliches Verfahren. Dass die geistige Gesundheit nicht von der Sexualität abhängig ist, wurde 1957 erstmals von der amerikanischen Psychologin Evelyn Hooker nachgewiesen.
Die in Deutschland seit 1979 stattfindenden alljährlichen Paraden gegen Diskriminierung und für die Rechte der Schwulen und Lesben werden das Publikum auch dieses Jahr mit all ihrer bunten Farbenpracht in vielen deutschen Städten bezaubern. Ihren demonstrativen Charakter haben die Umzüge nie verloren. Meist finden Kundgebungen statt. Danach ziehen Umzüge der Homosexuellen und deren Unterstützer unter politischen Mottos durch die Straßen. Die angesprochenen Themen, wie beispielsweise „Homo-Reform 2007“, „Teil des Ganzen“ oder „total normal“ beziehen sich auf die Stellung der Schwulen und Lesben in der Gesellschaft. Immer mehr nehmen auch prominente Sprecher an den Umzügen teil und solidarisieren sich mit der homosexuellen Bewegung. Der ranghöchste Teilnehmer auf einem Christopher Street Day (CSD) war der Außenminister und Vizekanzler Joschka Fischer.
Neben dem politischen Protest wird natürlich auch ausgiebig gefeiert. Gemeinsam wird der Stolz auf die eigene Sexualität und Lebensweise in lockerer Atmosphäre zelebriert. Daher auch die im englischsprachigen Raum verwendete Bezeichnung „Gay Pride Day“. Bei den großen Umzügen ertönt von amüsant gestalteten Paradewägen laute Musik zu der ausgiebig getanzt wird. In den farbenfrohen und ausgefallenen Kostümen kommt die ganze Ausgelassenheit der Bewegung zum Ausdruck. Sie bestimmen zu einem guten Teil die faszinierende Wirkung der Veranstaltung.
Der Charakter des Events hat sich hier zu Lande weitgehend gewandelt. Die Ausführung als kommerzielle Großveranstaltung bedingt eine Einschränkung in der Vielfalt der politischen Meinung. Wer sich die Preise für die Wagenanmeldung nicht leisten kann, tut sich schwer, seine Botschaft an den Mann zu bringen. Auch das Sponsoring unterliegt teilweise Beschränkungen der Veranstaltungsleitung.
Die mediale Inszenierung prägte der ursprünglichen Demonstrationskultur ein reines Partyimage auf. Die politischen Werte gehen durch eine solche Darstellung unter und werden von der Öffentlichkeit nicht mehr wahrgenommen. Als Folge entwickelte sich der Christopher Street Day zu einer groß angelegten Feier, bei der die eigentlichen Inhalte nur noch eine untergeordnete Rolle spielen.
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