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Seit dem 14. Mai 2007 ist amtlich, was in Wirtschaftskreisen bereits vor einiger Zeit vermutet wurde: Der deutsche Automobilkonzern Daimler trennt sich nach neunjähriger Partnerschaft von seiner US-Sparte Chrysler. Die Daimler AG – wie sie zukünftig heißen wird – verkauft 80,1 % seiner Anteile an den amerikanischen Großinvestor Cerberus. Der Abschluss der Transaktion wird für das dritte Quartal 2007 erwartet.
Der Werdegang von DaimlerChrysler
Im Mai 1998 hatten sich der Stuttgarter Automobilhersteller Daimler-Benz und die in Detroit sitzende Chrysler-Corporation zusammengeschlossen. Der damalige Daimler-Benz-Chef Jürgen Schrempp, der die Mega-Fusion ins Leben gerufen hatte, träumte von einem deutsch-amerikanischen Konzern mit dem Status einer „Welt-AG“. Im Jahr 2000 wurde das Unternehmen sogar noch einmal ausgeweitet, als sich der weltweit drittgrößte Autobauer DaimlerChrysler Anteile am japanischen Mitsubishi- und am südkoreanischen Hyundai-Konzern sicherte. Die Asiaten wurden allerdings nach kontinuierlich negativen Bilanzen 2005 wieder abgestoßen.
In den Folgejahren entpuppte sich Chrysler für das milliardenschwere Unternehmen allerdings immer mehr als Problemkind. Im Jahr 2000 schreibt die US-Tochter erstmalig rote Zahlen. Bis 2002 wächst der Chrysler-Verlust auf 5 Millionen Euro an. Nachdem auch drastische Sparmaßnahmen des mittlerweile neuen Konzern-Chefs Dieter Zetsche nicht die gewünschte Wirkung erzielen, spricht Zetsche Anfang 2007 erstmals davon, auch andere Optionen für Chrysler zu prüfen. Möglicherweise zieht Daimler zu dem Zeitpunkt bereits einen Verkauf der US-Marke in Betracht.
Keine vollständige Trennung
Obwohl die Daimler AG weiterhin 19,9 % Kapitalanteile an Chrysler behält, kann sich der Stuttgarter Konzern vollständig von einer der größten Lasten trennen: Die Renten- und Gesundheitskosten, die bei Chrysler derzeit auf 17 Milliarden US-Dollar geschätzt werden, entfallen zukünftig vollständig auf den nordamerikanischen Konzern. Desweiteren wird die Trennung von einigen Managern erwartet, die zurzeit noch Millionengehälter kassieren. Auf der technischen Ebene soll dort, wo es sinnvoll ist, allerdings weiterhin eine Zusammenarbeit stattfinden.
Der amerikanische Cerberus-Finanzkonzern konnte sich die 80,1 % Chrysler-Anteile für einen Kaufpreis von nur 5,5 Milliarden Euro sichern. Daimler-Benz hatte 1998 noch 36 Milliarden US-Dollar gezahlt. „Wir glauben an Chrysler“, betonte Cerberus-Chef John Snow. Er sei überzeugt, dass Cerberus eine gute Heimat für Chrysler sein wird, so der ehemalige US-Finanzminister.
Die Reaktionen
An der Börse wird die neue Daimler AG wesentlich wertvoller eingeschätzt als der ehemalige Fusionsriese. Bereits nach ersten Andeutungen einer möglichen Trennung der beiden Unternehmen stiegen die Aktienkurse im April 2007 deutlich an. Nach Bekanntgabe der Entscheidung legte das Wertpapier an der Frankfurter Börse innerhalb weniger Stunden um 5 % zu.
„Wir sind davon überzeugt, eine Lösung gefunden zu haben, die insgesamt den größten Wert schafft – für Daimler und für Chrysler“, erklärte Dieter Zetsche bei der Bekanntgabe der Trennung. Auch Ron Gettelfinger, Präsident der amerikanischen Automobilarbeiter-Gewerkschaft UAW (United Auto Workers), zeigte sich „froh, dass die Entscheidung gefallen ist“.
Die Zukunft
Die Daimler AG in Stuttgart möchte sich nun wieder voll und ganz auf ihre Edelmarke Mercedes konzentrieren. Experten vermuten, dass die Vorzeigemarke ohne Chrysler in den letzten Jahren wesentlich stabiler gewirtschaftet hätte. Dieter Zetsche strebt nun an, mit Daimler „weltweit Marktführer im Luxussegment zu bleiben.“
Auch für den angeschlagenen Chrysler-Konzern gibt es scheinbar schon einen neuen Interessenten. Möglicherweise kann sich der französische Konkurrent Renault nach 2009 eine Annäherung an Chrysler vorstellen. Bis dahin sieht der französische Konzern im „Vertrag 2009“ die Einführung von 26 neuen Modellen vor. In einem Interview mit der Zeitung „Le Parisien“ sagte der Renault-Chef Carlos Ghosn, dass die Strategie eines engeren Kontakts nach Amerika richtig sei.
Ob eine solche Fusion tatsächlich ein zweites Mal zu Stande kommt, bleibt abzuwarten. Daimler jedenfalls – das musste auch Dieter Zetsche im Nachhinein eingestehen – konnte nur einen begrenzten Nutzen aus der Zusammenarbeit mit Chrysler ziehen.
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