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Leipzig feiert Kurt Masur


09.07.2007 (A. Strehle) Kategorie: Kultur

Bild: www.wdk-koeln.de

Der berühmte Dirigent Kurt Masur begeht am 18. Juli 2007 seinen 80. Geburtstag. Anlässlich des Jubiläums veranstaltete das Gewandhaus zu Leipzig am 16. Juni 2007 eine glanzvolle Gala, um seinen ehemaligen Kapellmeister gebührend zu feiern. Dem Jubilar wäre allerdings auch eine kleine Geburtstagsfeier recht gewesen. Doch „jetzt ist es so eine große Kiste geworden“, scherzte Kurt Masur während des Konzerts.

Zahlreiche Prominente aus Politik, Sport und Kultur ließen sich das klassische Großereignis nicht entgehen. Neben den Schauspielern Iris Berben und Armin Mueller-Stahl kamen unter anderem Ex-Boxer Axel Schulz und die Band „Die Prinzen“ zur Gala. Auch Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee, zugleich ehemaliger Oberbürgermeister von Leipzig, nahm an der Veranstaltung teil. Schließlich ging ein Raunen durch die Reihen vor dem Konzertgebäude, als Kofi Annan, der frühere UN-Generalsekretär, über den roten Teppich schritt.

Insgesamt zählte das restlos ausverkaufte Haus an dem Abend knapp 2.000 Gäste. Wer keine Karte mehr ergattert hatte oder wem der Preis von 100 bis 140 Euro zu hoch war, der konnte sich die Live-Übertragung des Konzerts vor der Spielstätte auf dem Augustusplatz ansehen. Zahlreiche Leipziger Bürger hatten sich dort versammelt und verfolgten das Ereignis gespannt auf der Videoleinwand. Der anfängliche Regen tat der guten Stimmung keinen Abbruch. Schließlich wurde das standfeste Publikum dann doch noch mit strahlendem Sonnenschein belohnt.

Durch den musikalischen Abend führte der Entertainer Harald Schmidt. Eröffnet wurde die Gala mit der Ouvertüre aus der Oper „Die Lustigen Weiber von Windsor“. Es folgten Stücke von Johannes Brahms und Antonín Dvořák über Peter Tschaikowski bis hin zu Leonard Bernstein. Dabei konnte sich Kurt Masur allerdings nicht entspannt zurücklehnen, da er das Konzert selbst dirigierte. Zwischendurch plauderte er immer wieder mit Harald Schmidt und erzählte Anekdoten aus seinem Leben: Über seine Kindheit in Schlesien, die Ereignisse der friedlichen Revolution von 1989 sowie über seine Arbeit als Dirigent. Als solcher pendelte er mehrere Jahre beinahe rastlos zwischen Leipzig und New York hin und her.

Stargast des Abends war die Violinistin Anne-Sophie Mutter. Sie begeisterte das Publikum mit dem Violinkonzert e-Moll von Felix Mendelssohn Bartholdy. Kurt Masur, den eine langjährige Freundschaft mit der Musikerin verbindet, lobte sie an dem Abend mit den folgenden Worten: „Sie ist die größte deutsche Geigerin aller Zeiten.“

Für die Überraschung des Abends sorgte zweifelsohne Harald Schmidt, als er sich gesanglich an „There’s a boat dat’s leaving soon for New York” aus George Gershwins Oper „Porgy and Bess“ versuchte. Zwar traf er nicht alle Töne perfekt, doch hatte er mit dem jazzigen Stück und seiner lässigen Art das Publikum auf seiner Seite. Zuletzt mimte er den Zauberlehrling aus Johann Wolfgang Goethes gleichnamiger Ballade und lieferte mit der spielerischen Einlage den perfekten Übergang zur Vertonung des Gedichts durch den französischen Komponisten Paul Dukas.

Doch damit war es an Überraschungen noch nicht genug. Den Höhepunkt bildete die Übergabe des Mendelssohn-Preises der Stadt Leipzig an Kurt Masur durch den Oberbürgermeister Burkhard Jung. Der Stardirigent durfte die Auszeichnung, die extra für den Anlass gestiftet worden war, als erster Preisträger für sein Lebenswerk entgegennehmen. Spätestens zu dem Zeitpunkt merkten die Zuschauer dem Maestro die emotionale Gerührtheit und Aufregung an. Burkhard Jung bezeichnete ihn als „Leipziger mit Leib und Seele“, weil er maßgeblich an der Durchsetzung des Baus des neuen Gewandhauses sowie am friedlichen Verlauf der Revolution von 1989 beteiligt war.

Der Erlös der Gala kam der Felix-Mendelssohn-Bartholdy-Stiftung zugute, die Kurt Masur 1991 gegründet hatte. Sie setzt sich für den Erhalt der Leipziger Wohnstätte des Komponisten, in der sich heute ein Museum befindet, und für die Förderung junger Musiker ein. Dafür verzichteten sogar alle beteiligten Künstler des Abends auf ihre Gage.

Nach knapp drei Stunden musikalischer Unterhaltung vom Feinsten, endete das Konzert drinnen wie draußen mit rauschendem Beifall. Für die Leipziger war es ein großartiger Abend, der ihnen noch lange in Erinnerung bleiben wird. Für alle, die nicht live dabei sein konnten, überträgt der MDR am 15. Juli 2007 um 22 Uhr die Aufzeichnung des Konzerts.



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