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Ende des Telekom-Streik - Einigung oder Profit auf dem Rücken der Mitarbeiter?
10.07.2007 (R. Hönig)
Kategorie: Wirtschaft
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Sechs Wochen streikten die Beschäftigten der Deutschen Telekom AG und nahmen nach einer Urabstimmung* den Kompromiss zwischen Gewerkschaft und Arbeitgeber an. Laut ver.di sprachen sich 72 % der betrieblichen Gewerkschaftsmitglieder für den Tarifabschluss aus. Der Kompromiss beinhaltet die Auslagerung von 50.000 Stellen in die Gesellschaft T-Service. Die Angst, dass die Urabstimmung zugunsten des Konzerns entschieden wird, funktionierte hier als Druckmittel sehr gut. Die Belegschaft hätte in dem Fall mit Kündigungen rechnen müssen.
So scheint es nur einen wirklichen Gewinner zu geben – die Telekom selbst. Denn es blieb nicht nur bei den 50.000 auszulagernden Stellen. Die Einigung sieht zudem längere Arbeitszeiten sowie Gehaltskürzungen um 6,5 % vor. Als Gegenleistung soll es lediglich Ausgleichszahlungen bis 2010 und Kündigungsschutz bis Ende 2012 geben.
Was jedoch ist nach 2010? Die Telekom könnte sich von T-Service trennen. Der Kündigungsschutz bliebe auch dann noch zwei Jahre bestehen. So sieht es das 70-seitige Vertragswerk der beiden Parteien vor. Nach so einer Einigung fühlen sich viele Mitarbeiter von der Gewerkschaft ver.di verraten und verkauft.
Um all das realisieren zu können, denkt der rosa Riese über den Verkauf der Telefonauskunft 11833 nach, was „nur“ 40 Mitarbeitern den Kopf kosten würde, da die Anfragen schon jetzt über externe Dienstleister beantwortet werden. Die Telekom hofft auf einen Erlös von 450 Millionen Euro, wobei der Verkauf der Münchener Firma Telegate als Richtlinie genommen wird. Derzeit besitzt die Auskunft der Telekom einen Marktanteil von rund 60 % mit einem Umsatz von 200 Millionen Euro.
Kurz nach Streikende erklärte Konzernchef Rene Obermann im „Focus“ den für 2007 ins Visier genommenen Jahresgewinn von 19 Milliarden Euro (vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen) als „ehrgeiziges aber machbares Ziel“. Von solchen Profiten dürfen weltweit nur wenige Konzerne träumen. Damit könnte die Telekom zum profitabelsten deutschen Unternehmen werden.
(* Als Urabstimmung bezeichnet man eine geheime, gewerkschaftliche Abstimmung, an der alle betroffenen Gewerkschaftsmitglieder teilnehmen, um beispielsweise einen Streik fortzuführen oder um eine Tarifeinigung zu akzeptieren. Um eine Einigung zu akzeptieren, müssen mindestens 25 % der Teilnehmer dem Angebot des Arbeitgebers zustimmen. Wird das nicht erreicht, wird der Streik fortgesetzt.)
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