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Der Mord an John F. Kennedy - Neue Erkenntnisse


12.07.2007 (K. Lindner) Kategorie: Wissenschaft

Bild: de.encarta.msn.com

Als am 22. November 1963 der US-Präsident John Fitzgerald Kennedy durch mehrere Gewehrschüsse ermordet wurde, hielt die Welt den Atem an. Die Tat ereignete sich während einer Autofahrt durch die Innenstadt von Dallas, die der Politiker mit seiner Frau Jacqueline unternommen hatte. Wenige Stunden später wurde der Öffentlichkeit ein Verdächtiger namens Lee Harvey Oswald präsentiert. Er wurde zwei Tage nach der Tat von dem Nachtclubbesitzer Jacob Rubinstein erschossen, obwohl er sich zu der Zeit bereits in Polizeigewahrsam befand.

Die so genannte Warren-Kommission, die Präsident Lyndon Baines Johnson zur Untersuchung des Falles einsetzte, kam ein Jahr nach dem Attentat zu dem Schluss, dass Lee Harvey Oswald der einzige Täter gewesen sei und sämtliche Verschwörungstheorien jeglicher Grundlage entbehrten. Der Fall galt somit offiziell als abgeschlossen. Doch noch vierzig Jahre später rankten sich innerhalb der Bevölkerung Gerüchte und Mythen um den Tod des amerikanischen Präsidenten, der noch heute von vielen Menschen verehrt wird.

Noch immer glauben 70 % der Amerikaner an eine Verschwörung, die von der Mafia, Kuba, Israel oder sogar Präsident Johnson selbst initiiert gewesen sein soll. Es fällt den Menschen schwer, sich vorzustellen, dass ein bedeutungsloser Verrückter wie Lee Harvey Oswald einen so mächtigen und beliebten Politiker einfach habe ermorden können, erklärt der Historiker Robert Dallek in seiner Kennedy-Biografie „Unfinished Life“. Mr. Oswald selbst hatte bis zu seinem Tod beteuert, er habe das Attentat nicht begangen.

Nun sind Hinweise darauf aufgetaucht, dass Oswald nicht, wie angeblich bewiesen, der alleinige Schütze gewesen sein soll. Ein Forscherteam kam zu dem Ergebnis, dass die Methoden, mit denen die Patronen seinerzeit untersucht worden waren, unzureichend gewesen sein sollen. Im Rahmen der aktuellen Untersuchung wurden Kugeln aus derselben Zeit, von derselben Bauart und von demselben Hersteller unter die Lupe genommen. Experimente bewiesen, dass die Kugeln nicht, wie damals angenommen, unverwechselbar seien, sondern sich nicht voneinander unterscheiden lassen. Somit konnten die gefundenen Munitionsfragmente nicht mehr mit Sicherheit nur den drei Kugeln zugeordnet werden, die nachgewiesenermaßen abgefeuert wurden. Es ist nicht mehr auszuschließen, dass es sich um mehr als nur drei Geschosse gehandelt haben könnte.

Von drei Kugeln war ausgegangen worden, nachdem die Splitter untersucht worden waren. Zwei Kugeln hatten John F. Kennedy getroffen, eine hatte ihn verfehlt. Doch nun sind William Tobin, Leiter eines ballistischen FBI-Labors, der Chemiker William James und der Statistik-Professor Cliff Spiegelmann zu der Ansicht gekommen, dass die Möglichkeit, es habe sich um mehr als drei Kugeln und damit um mehr als einen Täter gehandelt, nicht mehr völlig auszuschließen sei.

Ihre Untersuchungsergebnisse zu dem Fall veröffentlichten sie in dem Fachmagazin „Annals of Applied Statistics“. Die Behauptung, die nur vorsichtig als „Möglichkeit“ aber nicht als direkte Vermutung geäußert wird, könnte durch neue chemische Analysemethoden bewiesen oder widerlegt werden. Derzeit sind Untersuchungen in der Form aber nicht realisierbar, weil sie die letzten verbliebenen Munitionsfragmente zerstören würden. Spuren und Hinweise gingen dadurch unwiederbringlich verloren. Sollten eines Tages Untersuchungsverfahren entwickelt werden, die das Material nicht zerstören würden, könnte die Frage nach der Anzahl der Geschosse auf wissenschaftlichem Weg geklärt werden. Bis dahin bleiben die Erkenntnisse der Wissenschaftler reine Spekulation.

All jenen, die nach wie vor an eine Verschwörung glauben, liefern die Resultate neuen Zündstoff für den Mythos, der sich um die Ermordung des amerikanischen Präsidenten rankt. Auch mehr als vierzig Jahre nach der Tat bleibt der Mord an John F. Kennedy ein ungelöstes Rätsel.



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