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Ungleiche Bildungschancen


13.07.2007 (S. Vahle) Kategorie: Politik

Bild: www.caimmoag.com

Mitte Juni 2007 ist die 18. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks (DSW) zur wirtschaftlichen und sozialen Lage der Studierenden veröffentlicht worden. Daraus geht hervor, dass die soziale Herkunft im deutschen Bildungssystem stark über den Bildungsweg entscheidet.

Die Ungleichheit der Bildungschancen hat sich in den letzten Jahren zunehmend verstärkt. Die Studie zeigt, dass es eine deutliche Unterscheidung in der Herkunft der Studierenden gibt. Von 100 Akademikerkindern schaffen 83 den Hochschulzugang. Bei Familien ohne akademische Tradition sind es gerade einmal 23.

Aufgrund der Zahlen wird die Forderung nach Reformen im Bildungsbereich immer lauter. DSW-Präsident Professor Doktor Rolf Dobischat beschreibt die Ergebnisse als „beschämend für eine Demokratie“ und fordert Veränderungen, um „die soziale Selektivität des deutschen Bildungs- und Hochschulsystems“ zu überwinden. Die Ergebnisse zeigen, dass die Chancen für ein Studium bei Jugendlichen aus Beamtenfamilien, bei denen mindestens ein Elternteil Akademiker ist, fünfeinhalbmal höher liegen als bei denen aus Arbeiterfamilien.

Die aktuelle Studie des DSW zeigt ein realistisches Bild der sozialen und wirtschaftlichen Lage der Studierenden. Alle drei Jahre führt das Hochschul-Informations-System (HIS) im Auftrag des Deutschen Studentenwerks die Sozialerhebung durch. Sie liefert Daten, die in keiner amtlichen Statistik auftauchen. Gerade deshalb ist das Interesse an den Ergebnissen von Seiten der Politik in Bund und Ländern sehr groß. Aber auch Hochschulen, das Studentenwerk sowie Studierende und deren Eltern ziehen ihren Nutzen daraus.

Für die 18. Sozialerhebung haben im Sommersemester 2006 rund 17.000 Studierende an der Befragung teilgenommen. Für Rolf Dobischat zeigen die Ergebnisse, dass die Rekrutierungspotentiale in den hochschulnahen Milieus ausgeschöpft seien. Daher fordert er eine soziale Öffnung der Hochschulen, da die zusätzlichen Hochqualifizierten, die Deutschland brauche, aus hochschulfernen und einkommensschwachen Schichten mobilisiert werden müssten. Um das zu verwirklichen, benötige Deutschland Reformen in der Studienfinanzierung.

Die Befragung hat ergeben, dass rund ein Drittel der Studierenden über weniger als 640 Euro im Monat verfügt. Im Durchschnitt muss der Student mit 770 Euro auskommen. Nur ein Viertel der Befragten besitzt mehr als 900 Euro monatlich. Dabei geben lediglich 60 % der Studierenden an, dass ihre Studienfinanzierung gesichert sei.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) geht von einer noch schlechteren finanziellen Lage der Studierenden aus. Da die Studie bereits 2006 durchgeführt worden ist, spiegelt sie die Auswirkungen der 2007 eingeführten Studiengebühren noch nicht wieder.

Aus dem Grund fordert der DSW-Chef die Bundesregierung auf, die geplante BAföG-Reform umgehend zu verwirklichen. Dabei müssten die Bedarfssätze um 10,3 % und die Freibeträge um 8,7 % erhöht werden. Die letzte Erhöhung gab es im Jahre 2001. Zurzeit bezieht etwa ein Viertel der zwei Millionen Studierenden BAföG.

Es ist wichtig einen gleichberechtigten Zugang zum Studium zu ermöglichen, unabhängig von der Bildungstradition und dem Einkommen der Eltern. Nach Rolf Dobischats Meinung könne der Weg in eine Wissensgesellschaft nur durch weit geöffnete Hörsaaltüren ermöglicht werden.



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