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Die Tour de France 2007


15.07.2007 (P. Laux) Kategorie: Sport

Bild: www.tourisme-tallard-barci.com

Es ist so weit, die Tour de France 2007 hat begonnen. In diesen Tagen bahnt sich das „Peloton“, das Fahrerfeld, des populärsten Radrennens der Welt wieder seinen Weg durch Frankreich bis es am 29. Juli 2007 in Paris zum Finale kommt. Bis dahin werden die Sportler auch den Nationen Großbritannien, Belgien und Spanien kurze Besuche abstatten. Die Fahrer, die es bis zum letzten Zielstrich auf der Champs-Elysées schaffen, haben dann elf Flachetappen, sieben Bergetappen und zwei Einzelzeitfahren hinter sich gebracht und etwa 3.550 Kilometer Fahrtstrecke durch verschiedenste Landschaftsformen zurückgelegt.

Das lässt erahnen, welche Anstrengungen die Radsportler auf sich nehmen müssen, die an der Tour de France teilnehmen. Gerade das machte in der Vergangenheit einen großen Teil des Reizes des Sportereignisses aus. Der Zuschauer verfolgte am Fernsehbildschirm gespannt, wie die Fahrer in den Bergen oder beim Sprint an die Grenzen des menschlichen Leistungsvermögens stießen und am Folgetag gleich die nächste Etappe fuhren.

Inzwischen lastet aber ein schwerer Schatten auf dem bekanntesten Radrennen der Welt wie auf dem Radsport allgemein. Das Thema Doping ist allgegenwärtig und regelmäßig lassen sich in den Medien neue Entwicklungen und Enthüllungen verfolgen. Nach und nach wird aufgedeckt, wie fein die Netzwerke um den Missbrauch von verbotenen, leistungsfördernden Mitteln im Radsport gesponnen sind, wie etabliert das Doping tatsächlich unter den Fahrern und in den einzelnen Teams ist.

Mittlerweile ist es für den Zuschauer schwierig, sich die Vorstellung vom „sauberen“ Radsport aufrechtzuerhalten. Früher war es noch möglich, Doping auszublenden, indem Betrugsversuche als Einzelfälle gewertet wurden. Neueste Bekenntnisse von Fahrern wie Jörg Jaksche lassen aber keinen Zweifel daran, dass der Einsatz von verbotenen Präparaten kein Sonderfall, sondern für viele Radsportler gängige Praxis ist.

Die Angst, dass die Skandale sich negativ auf die Einschaltquoten auswirken, ist aus dem Grund sowohl bei der Tourleitung als auch den übertragenden Sendern groß. Deshalb wird die diesjährige Tour für die Veranstalter, die auf Sponsorengelder und die Übertragung in den Medien angewiesen sind, zu einer Zerreißprobe. Schließlich hängt die Arbeit der Sponsoren sowie Fernseh- und Rundfunkanstalten vom Interesse der Zuschauer ab.

Erste Anzeichen deuten darauf hin, dass die Einschaltquote für die übertragenden Sender ARD und ZDF deutlich geringer ausfallen werden als in den vergangenen Jahren. So berichtet das Online-Fernsehmagazin www.quotenmeter.de von einem Marktanteil von 6 % für die erste Etappe, den Prolog der Tour de France. Lediglich 1,31 Millionen Menschen haben den Auftakt der Tour verfolgt. Im Jahr 2006 seien es noch mehr als doppelt so viele gewesen.

Das sind alarmierende Zahlen, wenngleich zu bedenken ist, dass am Tag des Tourauftakts eine Fernsehübertragung der „Formel Eins“ zeitgleich stattfand. Zunächst bleibt also abzuwarten, ob die Zuschauer die Radfahrer aufgrund der Dopingskandale vermehrt mit Desinteresse strafen. Die besonders interessanten Bergetappen in den Pyrenäen lassen derzeit noch auf sich warten.

Die Frage, ob ein Sport, der derart von Doping durchsetzt zu sein scheint, in irgendeiner Form unterstützt werden darf, muss jeder Zuschauer für sich selbst klären. Einige Gründe, die Tour de France dennoch zu verfolgen, lassen sich jedoch finden. Wer nach der Maxime handelt „im Zweifel für den Angeklagten“, der kann unbefangen den diesjährigen Kampf um das „Maillot Jaune“, das gelbe Trikot des Spitzenreiters, verfolgen. Alle Teilnehmer sind im Rahmen der Dopingkontrollen des Weltradsportverbands UCI („Union Cycliste Internationale“) vor Startbeginn negativ getestet worden. Außerdem mussten alle teilnehmenden Sportler erstmalig vor der Tour eine Ehrenerklärung unterzeichnen, in der sie Doping öffentlich ausschließen und sich im Falle eines Regelverstoßes zur Zahlung einer Geldstrafe bereit erklären.

Das wird freilich die Skeptiker nicht zufrieden stellen. Doping-Experten wie etwa Ralf Meutgens oder Werner Franke weisen immer wieder auf Lücken in den Kontrollsystemen hin, die zum Teil aus technischen Gründen noch nicht geschlossen werden können. Ein Ehrenkodex mag nicht jeden Dopingsünder abschrecken. Eine Schuld im rechtlichen Sinne ist trotz aller Vermutungen aber keinem der Fahrer nachgewiesen worden.

Wenn das so bleibt und die Tour 2007 ohne einen weiteren Skandal auskommt, dann kann möglicherweise das Sportliche in den Vordergrund rücken. Hier sind die Voraussetzungen für den Fernsehzuschauer nicht schlecht, denn einen klaren Favoriten auf den Gesamtsieg gibt es nicht. Das führt wesentlich zur Steigerung der Spannung. Zum Kreis der Anwärter auf das „Maillot Jaune“ zählt beispielsweise der deutsche Radfahrer Andreas Klöden, der für das Team „Astana“ an den Start geht. Konkurrenz droht ihm aus dem eigenen Rennstahl durch Alexandre Vinokourov. Derjenige der beiden, der den besseren Start erwischt, wird wohl die Unterstützung vom Mannschaftskollegen erhalten, um die Führung im Gesamtklassement anzugreifen.

Zum engsten Favoritenkreis zählt weiterhin Oscar Pereiro vom Team „Caisse d’Epargne“, der im vergangenen Jahr den 2. Platz hinter Floyd Landis belegte, welcher später des Dopings überführt wurde. Stark sowohl in den Bergen als auch im Zeitfahren sind des Weiteren Carlos Sastre („CSC Tiscali“) und Levi Leipheimer („Discovery Channel“). Daneben gibt es viele weitere Fahrer, die sich Chancen auf eine gute Platzierung ausrechnen. Die Erfahrung zeigt außerdem, dass oft auch Fahrer einen Platz unter den besten Zehn belegen, die zuvor niemand auf der Rechnung hatte. Für Spannung ist also generell gesorgt. Vorbei die Zeiten, als ein Lance Armstrong den Sieg abonniert zu haben schien.

Die Tour de France ist jedoch immer auch ein Ereignis gewesen, dass seinen Charme unter anderem aus den Rahmenbedingungen rund um das Sportliche selbst bezog: die weiten Landschaftsaufnahmen der Fernsehbilder, kulturelle Exkurse zu Geschichte und Wahrzeichen der Etappenorte sowie zahlreiche Fans, die die Sportler besonders in den Bergen am Wegesrand anfeuern. Zudem werden jedes Jahr einige neue Etappenstädte angefahren. Diesmal gehört London dazu, das den Prolog beheimaten durfte. All das macht die besondere Stimmung der „Großen Schleife“ aus. Die Rundfahrt verfolgen oder nicht, das ist in diesem Jahr eine wahrlich zwiespältige Angelegenheit.



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