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Frida Kahlos 100. Geburtstag


18.07.2007 (I. Switil) Kategorie: Kultur

Bild: www.britannica.com

Sie war stets eine ungewöhnliche Frau: Keine Schönheit, exzentrisch, egoistisch und dennoch auf eine seltsame Weise anziehend. Frida Kahlo verzauberte die Menschen mit ihrer einmaligen Art und ihrer unglaublichen Geschichte. Die Inspiration für ihre Werke fand sie in ihrer Krankheit, ihren Leiden, ihrer Ehe mit dem Künstler Diego Rivera, dessen Untreue und zahlreichen Affären. Heute noch faszinieren ihre Gemälde die Welt.

Harte Kindheit und schmerzhafte Jugend

Am 6. Juli 1907 erblickte eine kleine Mexikanerin mit dem Namen Magdalena Carmen Frieda Kahlo y Calderón, kurz Frida Kahlo, in Coyoacán, einem südlichen Stadtteil von Mexiko-City, das Licht der Welt. Sie war die dritte Tochter aus der Ehe von Guillermo Kahlo und Matilde Calderón y Gonzalez. Es war die zweite Ehe des aus Deutschland stammenden Fotografen.

Mit sechs Jahren, als sie in die Schule kam, begannen ihre gesundheitlichen Probleme: Frida Kahlo erkrankte an Kinderlähmung, auch unter dem Namen Polio bekannt. Ein halbes Jahr lang musste sie Bettruhe halten, wovon sie ein dünneres, etwas kürzeres rechtes Bein zurückbehielt.

Frida Kahlo musste in der Schule viel ertragen und beschützte dabei stets ihre kleinere Schwester Christina. Die beiden wurden von ihren Mitschülerinnen immer gehänselt, da ihr Vater aus Deutschland und von einer jüdischen Familie abstammt. Diese Erfahrungen beeinflussten ihr Leben nachhaltig. Von da an versuchte sie andauernd zu beweisen, dass sie Mexikanerin ist. Dabei übertrieb sie häufig, weil sie mexikanischer sein wollte als alle anderen. Das ging so weit, dass sie behauptete ihr Geburtsjahr sei 1910, das Jahr der mexikanischen Revolution. Auch ihre Behinderung nach der Kinderlähmung gab den Mitschülerinnen viele Möglichkeiten um Frida Kahlo zu ärgern. Dennoch blieb das Mädchen immer standhaft und behielt ihre Lebensfreude.

Doch auch diese Phase ging vorüber und der nächste Schicksalsschlag erwartete sie. Im September 1925 wurde sie bei einem Busunglück schwer verletzt – eine Stahlstange bohrte sich durch ihren Körper. Danach musste sie ihr Leben lang ihren Alltag immer wieder liegend und in einem Ganzkörpergips, später in einem Stahlkorsett zubringen. Während ihrer langen Genesungszeit begann sie aus Langeweile zu malen: „Es hängt mir zum Hals heraus, so gebrechlich zu sein wie eine alte Frau. Ich führe ein Leben als Blumentopf und komme nicht über den Balkon hinaus; mir ist so langweilig!“

Frida Kahlo, die immer schon eine Kämpferin war, lernte entgegen aller medizinischer Erwartungen wieder laufen. Ihr ganzes Leben lang kämpfte sie allerdings mit den Schädigungen des Unfalls. Sie war nicht mehr in der Lage Kinder zu bekommen. Das Malen wurde Ausdruck ihrer seelischen und körperlichen Qualen. Ihre Bilder präsentierte sie im Jahr 1928 dem berühmten mexikanischen Künstler Diego Rivera. Jener war neben seinen Kunstwerken auch für seine zahlreichen Affären bekannt. Er war fasziniert von Fridas Gemälden und unterstützt sie, wie er nur konnte.

Turbulente Ehe-Jahre

Im Jahr 1929 heirateten die beiden. Damals war Frida Kahlo gerade 22 Jahre und damit fast halb so alt wie Diego Rivera. Im selben Jahr wurde er aus der kommunistischen Partei ausgeschlossen. Grund dafür waren Differenzen hinsichtlich der Darstellung Josef Stalins in einem seiner Wandgemälde. Seine Frau verließ für ihn ebenfalls die Partei. In den 30er Jahren reiste das Ehepaar öfters nach Amerika. Frida Kahlos Gemälde fanden dort Anerkennung und Diego gestaltete im New Yorker Rockefeller Center ein Wandgemälde.

Die junge Frau musste mit ihrem Gatten viel durchmachen. Sie litt unter seiner Untreue. Er hatte sogar eine Affäre mit ihrer jüngeren Schwester Christina. Einst meinte sie über ihren Mann: „Diego ist der zweitgrößte Unfall in meinem Leben.“ Dennoch hielt das Paar zusammen. Gemeinsam unterstützten sie den russischen Revolutionär Leo Trotzki, der 1940 von einem Sowjetagent mit einem Eispickel ermordet wurde.

Zehn Jahre nach ihrer Hochzeit ließ sich Frida Kahlo scheiden und flüchtete sich in Alkohol. „Ich habe getrunken, weil ich meine Schmerzen ertränken wollte, aber die verdammten Schmerzen haben schwimmen gelernt.“ Weitere Zuflucht fand sie in zahlreichen Affären und ihrer Malerei. Zu ihren Liebschaften gehörten Leo Trotzki, der Fotograf Nickolas Muray und die costaricanische Sängerin Chavela Vargas. Trotz der Schwierigkeiten in ihrer Ehe und ihren schlechten Erfahrungen kehrte sie aus Liebe wieder zu ihrem Exmann zurück. Die beiden heirateten im Jahr 1940 ein zweites Mal.

Es dauerte Jahre bis ihre Kunstwerke auch in ihrem Heimatland beachtet werden. 1953 wurden ihre Bilder erstmals in einer Einzelausstellung in Mexico gezeigt. Die Künstlerin war nach mehreren Operationen an der Wirbelsäule zu dieser Zeit bereits unfähig selbstständig zu gehen. Sie ließ es sich dennoch nicht nehmen bei der Eröffnung teilzunehmen und erschien indem sie sich in ihrem Bett hin transportieren ließ.

Wenig später wurde ihr rechter Fuß amputiert. Ein Jahr darauf, am 13. Juli 1954, verstarb die emanzipierte und charismatische Malerin an einer Lungenembolie. Einige Freunde schließen einen Selbstmord nicht aus, da die Rebellin jenes schon früher versucht haben soll. Eindeutige Beweise gibt es dafür jedoch nicht. Ihr Ehemann lehnte eine Obduktion der Leiche ab.

Künstlerische Bedeutung

Frida Kahlo ist mit Abstand die bekannteste Künstlerin Mexikos, wenn nicht sogar Lateinamerikas. Dazu tragen einerseits ihr bewegtes Leben, andererseits aber auch ihre Treue zur mexikanischen Tradition bei. Über ein Drittel ihrer Werke sind Selbstbildnisse, wobei sie sich in erster Linie einheimisch gekleidet abbildete. „Ich male mich selbst, da ich oft alleine bin und das, was ich bin, am Besten kenne.“ Sie trug stets traditionelle Kleidung und selbstgemachten Schmuck von Einheimischen. Ihre Frisur war wie die der klassisch mexikanischen Frauen hochgesteckt.

In ihren Gemälden arbeitet sie ihre Erlebnisse, die ihr teilweise ihre Lebensfreude raubten, auf. Frida Kahlo wirkt in all ihren Bildern ernst, wobei diese Ernsthaftigkeit zumeist von hellen, freundlichen Farben ausgeglichen wird. Ihr Damenschnurbart und ihre zusammengewachsenen Augenbrauen werden zu ihrem „Markenzeichen“ und zeugen von Mut zur Natürlichkeit. Die Malerin versteckt gerne kleine Symbole ihrer körperlichen und seelischen Wunden in ihren Werken. So arbeitete sie in diversen Selbstbildnissen ihre zahlreichen Fehlgeburten auf. Ihre körperlichen Schmerzen versinnbildlichte sie in brutalen Portraits. Ebenso befassen sich ihre Arbeiten auch mit sozialen und politischen Problemen. Sie bezieht sich oft auf die frühe mexikanische Kunst, die der Azteken und Maya, sowie die europäische Kunstgeschichte.

Im Jahr 2007 jährt sich der Geburtstag der exzentrischen Malerin zum 100. Mal. Bis heute fasziniert ihr Mythos die Menschen, sei es um ihrer Bilder oder um ihres Lebens Willen. Frida Kahlo war eine einzigartige Frau, die mit ihren ungewöhnlichen und einzigartigen Gemälden der Welt ein besonderes Stück Kunst hinterlassen hat. Ihr Ehemann Diego Rivera würdigte die emanzipierte Exzentrikerin: „Sie ist die einzige Frau in der Geschichte der Kunst, die mit absoluter und schonungsloser Aufrichtigkeit, und man könnte sagen, mit ruhiger Gewalt, diejenigen allgemeinen und besonderen Themen aufgriff, die ausschließlich Frauen betreffen.“



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