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Klausjürgen Wussow - Der Rollenkünstler


23.07.2007 (A. Rehm) Kategorie: Kultur

Bild: www.mdr.de

Am 19. Juni 2007 ist Klausjürgen Wussow in einem Berliner Krankenhaus im Alter von 78 Jahren seiner Krankheit, der Demenz erlegen. Ob nun aus Fernsehen, Theater oder Boulevard-Zeitschriften – der Namen Klausjürgen Wussow wird an kaum jemandem vorbeigegangen sein. Er wird deshalb sicherlich noch lange in Erinnerung bleiben. Besonders die Rolle des verständnisvollen Professor Doktor Brinkmann in der 70er Jahre Kult-Serie „Die Schwarzwaldklinik“ ist bis heute nahezu jedem ein Begriff. Doch auch auf der Bühne hatte er bis dato schon einen Namen.

Der junge Klausjürgen Wussow auf der Bühne

Klausjürgen Wussow wurde am 30. April 1929 in Pommern geboren und ging in Lünen zur Schule, bis er zu Ende des Krieges als Soldat einberufen wurde. Nachdem er in Waren/Mecklenburg die Schule beendet hatte und ihm aus politischen Gründen das geplante Medizin-Studium in der DDR versagt blieb, fand er Gefallen an der Schauspielerei und begann seine Ausbildung am Berliner Hebbel-Theater.

Erfolge ließen nicht lange auf sich warten und so spielte er ab 1947 in Schwerin, Düsseldorf, München, Köln, Frankfurt und Zürich, sowie am berühmten Wiener Burgtheater. Dabei bevorzugte er zahlreiche anspruchsvolle klassische Rollen wie Don Carlos (Don Carlos), Faust und Mephisto (Faust), Karl Moor (Die Räuber) und Macbeth (Macbeth). Die Rolle des Horatio im „Hamlet“ 1986 bildete einen der Höhepunkte seiner Laufbahn am Theater und war zugleich die Letzte seiner Bühnenschauspielerei.

Der charmante Professor Doktor Brinkmann

Seit seinem Fernsehdebüt in Werner Klinglers Film „Blitzmädels an die Front“ war Klausjürgen Wussow bereits einige Male im Fernsehen in seichten Unterhaltungssendungen in Erscheinung getreten. Dennoch reizten ihn anspruchsvollere Angebote, bei denen er sein Talent besser unter Beweis stellen konnte. Zudem war es ihm wichtig, sein Image als charakteristischer Darsteller klassischer Rollen zu bewahren.

Als am 22.Oktober 1985 die Arztserie „Die Schwarzwaldklinik“ im ZDF startete, wurde Klausjürgen Wussows Paraderolle geboren, die ihm zu deutschlandweiter Popularität verhalf. Wer liebte ihn nicht – den sympathischen, gütigen, aber ebenso seriösen Chefarzt Professor Brinkmann? 70 Folgen der Serie wurden binnen der nächsten vier Jahre produziert und bannten 28 Millionen Zuschauer vor den Fernsehern. Selbst im Ausland wurde die Serie ausgestrahlt.

Das einzig schmerzliche, was Zuschauermagnet Klausjürgen Wussow erfahren musste war, dass ihm durch sein Arztimage den Rückweg auf die Bühne, zu seiner geliebten Klassik, verwehrt blieb. Frei nach dem Motto „Einmal Arzt – immer Arzt“ folgte eine Arztrolle der nächsten. So spielte er zum Beispiel in der ARD-Serie „Klinik unter Palmen“ (1996-1998) oder der Krankenhausserie „In aller Freundschaft“ (seit 1998) mit.

Privatmensch Klausjürgen Wussow im Mittelpunkt der Boulevardpresse

Neben seinem beruflichen Erfolg wurde Klausjürgen Wussows Privatleben zunehmend in den Klatschblättern der Republik thematisiert. Nach der ersten gescheiterten Ehe mit Jolande Frantz (1951-1960) folgten 31 gemeinsame Ehejahre mit der österreichischen Schauspielerin Ida Krottendorf (1960-1991). Die erneute Trennung wurde in öffentlichen Auseinandersetzungen vollzogen und entsprechend in der Presse zerredet.

Schon 1992 heiratete Klausjürgen Wussow erneut. Die 26 Jahre jüngere Journalistin Yvonne Viehöher und er stritten sich jedoch öffentlich, lieferten sich einen Rosenkrieg und ließen sich 2003 endgültig scheiden. Seine vierte Ehefrau Sabine Scholz, die Witwe des Boxers Bubi Scholz, heiratete er im Jahr 2004 ohne jeden Medienrummel.

Künstler und Ehrenmann

Sein Talent und seine Interessen beschränkten sich keinesfalls nur auf die Schauspielkunst. Der Darsteller versuchte sich gleichermaßen als Künstler, Dichter und Musiker. Er war Mitglied der Wiener Künstlervereinigung „Die Spirale“ und stellte seine Werke aus. Er veröffentlichte Lyrikbände und die Kinderlieder-CD „Wenn das Bärchen Bauchweh hat“.

Klausjürgen Wussow wurde durchaus auch in sozialen Bereichen aktiv. Er beteiligte sich an Projekten zum Tierschutz und war Mitbegründer der Kinderkrebsnachsorgestiftung, die den Bau einer Kinderklinik im Schwarzwald ermöglichte.

Starb Klausjürgen Wussow eines natürlichen Todes?

In den letzten Jahren war es ruhig geworden um Klausjürgen Wussow. Der an Demenz leidende Rollenkünstler hatte schon seit einigen Jahren mit seiner Krankheit zu kämpfen, bis es im Juli 2006 nach einem Herz-Kreislaufzusammenbruch und mehreren Schlaganfällen mit seiner Gesundheit weiter bergab ging.

Kurz nach seinem Tod kam wurde von einem Münchner Arzt eine Strafanzeige gegen Unbekannt erstattet. „In der Strafanzeige war die Rede von körperlichen Einwirkungen wohl auch im Kopfbereich“, erklärte Justizsprecher Ulrich Scherding. Auf die Anklage hin wurde die Leiche des Schauspielers obduziert. Scherding kommentierte den Fall daraufhin mit den Worten „Da ist nichts dran. Nach dem vorläufigen Obduktionsergebnis in Potsdam ist Herr Wussow eines natürlichen Todes gestorben.“ Trotz des noch andauernden Prozesses wurde sein Leichnam bereits zur Bestattung freigegeben.

Große Abschiednahme

Am Samstag, den 30. Juni 2007 wurde Klausjürgen Wussow in der Berliner Gedächtniskirche das letzte Mal gewürdigt. Zahlreiche Prominente waren vertreten, so unter anderem sein Kollege Volker Brandt („Die Schwarzwaldklinik“), der Erfinder der Serie, Wolfgang Rademann, Moderator Dieter Thomas Heck sowie die Schauspielerinnen Christiane Hörbiger und Eva Habermann. Klausjürgen Wussows Wunsch folgend wurde die Zeremonie vom ehemaligen TV-Pfarrer Jürgen Fliege zusammen mit dem Pfarrer der Gedächtniskirche, Martin Germer, gehalten. Auch die Kinder des Verstorbenen, beide aus der zweiten Ehe mit Ida Krottendorf, hielten bewegende Reden und beendeten sie mit dem Ausruf: „Gute Nacht, Papi!“

Vor der Kirche hatten sich zahlreiche Fans und Anteilnehmende versammelt, die dem Schauspieler die letzte Ehre erwiesen. Klausjürgen Wussow wurde auf dem Waldfriedhof Charlottenburg im engsten Kreise in einem Familiengrab beerdigt.

Klausjürgen Wussow hatte viele Gesichter: er war zugleich Bühnenschauspieler, Fernsehstar, Teil der Boulevardpresse und freischaffender Künstler. Kaum jemand vermochte derart im Gespräch zu bleiben und so viele Menschen auf solch vielfältige Art und Weise zu begeistern.



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