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Der Ball rollte wieder - Ein Bericht zur „Copa América“


26.07.2007 (P. Laux) Kategorie: Sport

Bild: www.venezuelatuya.com

Ein Ergebnis, mit dem nicht unbedingt zu rechnen war, beendete die diesjährige „Copa América 2007“ in Venezuela. Im Finale am 15. Juli 2007 schlug der Titelverteidiger Brasilien Argentinien klar mit 3:0. Damit eroberte sich die „Seleção“ zum achten Mal den Pokal der südamerikanischen Kontinentalmeisterschaft. Der „Albiceleste“ blieb der 15. Triumph bei der „Copa“ hingegen verwehrt. Seit 14 Jahren warten die Argentinier auf einen erneuten Erfolg beim Wettkampf des südamerikanischen Fußballverbandes „CONMEBOL“ (Confederación Sudamericana de Fútbol), an dem seit 1993 auch Nationalmannschaften aus Mittel- und Nordamerika teilnehmen dürfen.

Dabei standen die Vorzeichen für die Argentinier vor dem Traumfinale im „Estadio José Encarnación Romero“ in Maracaibo gut. Die Mannschaft um Trainer Alfio Basile galt als Favorit im „Clásico“, wie die Fans das Aufeinandertreffen der beiden Mannschaften nennen. Dieser Status rührte zum einen daher, dass Brasilien seine beiden größten Stars nicht aufbieten konnte. Ronaldinho (Ronaldo de Assis Moreira) und Kaka (Ricardo Izecson Santos Leite) hatten ihrem Nationalcoach Carlos Dunga eine Absage erteilt. Sie wollten sich von der vergangenen Saison erholen. Argentinien hingegen war mit allen Stars einschließlich Lionel Messi, Carlos Tévez und Juan Roman Riquelme bei der „Copa América“ angetreten.

Auch im Turnier untermauerten die Argentinier zunächst ihre Favoritenstellung. Bis zum Finale gewannen Lionel Messi und Co. alle Spiele, das Viertel- und Halbfinale sogar zu Null. Insgesamt standen 16 geschossene Tore zu Buche. Die „Seleção“ hingegen tat sich deutlich schwerer. Das Auftaktspiel gegen Mexiko musste gar mit 0:2 verloren gegeben werden. Bis zum Finale konnten die Brasilianer nur bedingt überzeugen. Allein Robinho (Robson de Souza) sorgte mit seinen sechs Treffern für positive Schlagzeilen, während Landsmann Diego (Diego Ribas da Cunha) nicht die Chance nutzen konnte, sich in den Fokus zu spielen.

Als Nationalcoach Carlos Dunga wegen der unerfolgreichen Spielweise seiner Mannschaft auf eine defensivere Ausrichtung umstellte, musste Diego mit einem Platz auf der Auswechselbank vorlieb nehmen. Zunächst war er in der Stammelf zum Einsatz gekommen. Ebenfalls nur zu Kurzauftritten kam der Bremer Mannschaftskollege Naldo (Ronaldo Aparecido Rodrigues). Die Akteure von Hertha BSC Berlin, Mineiro (Carlos Luciano da Silva) und Gilberto (Gilberto da Silva Melo), gehörten hingegen durchgängig zu den Stammkräften.

Sie schafften im Finale die Wende und boten eine gute Leistung. Schon nach vier Minuten erzielte Julio Cesar Baptista das 1:0 durch einen fulminanten Weitschuss. Wie im gesamten Spiel sah in dieser Situation die argentinische Verteidigung nicht gut aus. Roberto Ayala hinderte den brasilianischen Mittelfeldspieler nicht am Schuss. Es entwickelte sich ein hochklassiges Spiel, in dem auch Argentinien Torchancen für sich verzeichnen konnte. In der neunten Spielminute traf Juan Roman Riquelme lediglich den Pfosten. Wiederum Roberto Ayala stand im Mittelpunkt der nächsten Torszene. Eine Flanke von Dani Alves (Daniel Alves da Silva) beförderte er kurz vor der Halbzeitpause in der 40. Spielminute ins eigene Netz.

Im zweiten Spielabschnitt konnte die „Albiceleste“ das brasilianische Team nicht mehr gefährden. Die „Seleção“ hingegen ließ in der 68. Minute sogar noch das 3:0 folgen. Den Endstand stellte Dani Alves her. Damit endete eine torreiche „Copa América“ für die Argentinier unbefriedigend. Erklärungen für die deutliche Niederlage gegen den Erzrivalen konnte zunächst niemand der Argentinier finden. Trainer Alfio Basile erschien gar nicht erst zur Pressekonferenz.

Schlüssel zum Finalsieg der Brasilianer war aber wohl die konzentrierte Defensivleistung. Das ist erstaunlich für eine Elf, die seit jeher für ihren Offensivstil bekannt ist und hauptsächlich in der Abwehr als angreifbar galt. Es wird interessant sein, zu sehen, wie sich die Spielweise unter Trainer Carlos Dunga weiterentwickelt. Die Argentinier wiesen im Unterschied zur „Seleção“ sichtbare Lücken in der Defensive auf, die die Mannschaft zuvor im Turnier in der Form nicht offenbart hatte. Deshalb muss sie sich mit dem zweiten Platz begnügen.

Den dritten Platz konnte sich Mexiko im „kleinen Finale“ sichern. Uruguay wurde mit 3:1 bezwungen, wobei sich Cuauhtemoc Blanco, Omar Bravo und Andres Guardado in die Torschützenliste eintrugen. Zum vorübergehenden 0:1 für Uruguay hatte Sebastian Abreu getroffen. Die Mexikaner krönten damit eine gute Turnierleistung, die ihren Höhepunkt im Viertelfinale gefunden hatte. Dort war Paraguay um Roque Santa Cruz mit 6:0 bezwungen worden.

Die Fußballfans erlebten in Venezuela ein Fußballturnier auf spielerisch ansprechendem Niveau. Die Organisation erwies sich jedoch ein ums andere Mal als chaotisch. So hatte der südamerikanische Fußballverband beispielsweise aus Sicherheits- und Kapazitätsgründen der venezolanischen Hauptstadt Caracas kurz vor Turnierbeginn die Austragung eines Halbfinals entzogen. Möglich ist, dass politische Gründe hierfür eine Rolle spielten und Staatspräsident Hugo Chavez Demonstrationen der Opposition in Caracas während des Turniers befürchtete.

Zu größeren Zwischenfällen kam es bei der 42. „Copa América“, dem ältesten internationalen Fußballwettkampf der Welt nach dem olympischen Turnier, indes nicht. Turnierteilnehmer waren Brasilien, Argentinien, Mexiko, Uruguay, Paraguay, Bolivien, Venezuela, Peru, Ecuador, Chile, Kolumbien und die USA. Die Mannschaften boten den Zuschauern insgesamt interessante und vor allem torreiche Fußballspiele. In 27 Spielen wurden 85 Tore erzielt. Der hohe Schnitt von mehr als drei Toren pro Spiel hinterlässt die Fußballfans in freudiger Erwartung auf die neue Saison.



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