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Hilferufe des Körpers - Wie Stress uns krank macht


01.08.2007 (K. Lindner) Kategorie: Gesundheit

Bild: www.gimborn.at

Bis in die 80er Jahre hinein galt es in der medizinischen Forschung als unseriös, seelische Ursachen für körperliche Probleme verantwortlich zu machen. Inzwischen ist bewiesen, dass organische Krankheiten und die menschliche Psyche durchaus in einem von Wechselwirkungen geprägten Verhältnis zueinander stehen. Emotionaler Stress kann zu Krankheiten führen. Dieser Grundsatz gilt nicht länger nur für Naturheilkundige und Alternativmediziner. Er hat auch in der Schulmedizin die ihm gebührende Anerkennung gefunden.

Der Begriff „Stress“ entstammt dem lateinischen Wort „stringere“, das so viel wie „Anspannung“ bedeutet. Der Zoologe Hans Selye entlehnte den Begriff 1963 aus der Physik, um damit die Reaktionen von „Körpern“ auf bestimmte Reize (Stressoren) zu beschreiben.
Diese zunächst für Tiere gültige Definition lässt sich auch auf den Menschen beziehen.

Stress bedeutet in diesem Zusammenhang also die Anpassung an Belastungen um besonderen Anforderungen gerecht zu werden. Die Auswirkungen von Stress können positiver und negativer Art sein. Lampenfieber vor einer Prüfung etwa kann dabei helfen, sich zu konzentrieren. Eine ständige Überforderung durch Mehrfachbelastungen hingegen führt zu erheblichen Problemen, die sich schließlich in körperlichen Schwierigkeiten äußern können. Der Grad der Gesundheitsgefährdung wird durch die Art und Dauer des Stresses, sowie den persönlichen Umgang mit der psychischen Anspannung bestimmt.

Faktoren, die Stress auslösen, gibt es viele: Sie können physikalischer Natur sein (Kälte, Hitze, starke Sonneneinstrahlung, Lärm, Schadstoffbelastungen) oder durch äußere Einflüsse auf den Körper entstehen (Schlafentzug, Schichtarbeit, Reizüberflutung, Krankheiten, falsche Ernährung). Einen großen Stellenwert nehmen jedoch die Stressoren ein, die auf emotionaler Ebene auf uns einwirken. Hierzu zählen schwerwiegende Ereignisse, wie der Verlust eines nahen Angehörigen, Konflikte im privaten oder beruflichen Bereich, besondere Situationen wie Prüfungen, Trennungen, Mobbing am Arbeitsplatz, Armut und Arbeitslosigkeit.

Auch Gefühle können Stress auslösen, zum Beispiel Ängste, Einsamkeit, zu große Verantwortung oder Leistungsdruck. Das Zeitproblem führt in jeder extremen Ausprägung zu Stress: Zu viel Zeit zu haben (Langeweile, Unterforderung) kann ebenso zu Stress führen, wie zu wenig Zeit zur Verfügung zu haben (Überforderung, fehlende Erholung). Generell gilt, dass negativer Stress als solcher bezeichnet werden kann, wenn der Stress auslösende Faktor als belastend empfunden wird und die Bewältigungsstrategien versagen. Wenn das der Fall ist, besteht die Gefahr, dass sich der Stress in Krankheiten niederschlägt, die als „Zivilisationskrankheiten“ bezeichnet werden.

Stressbedingte Erkrankungen

Krankheiten dieser Art gibt es vermutlich ebenso viele, wie Stress auslösende Faktoren. Sie reichen von Allergien und (allergischen) Hautkrankheiten über neurologische Erkrankungen bis hin zu Magen-Darm-Beschwerden und Hals-Nasen-Ohren-Krankheiten. Auch allgemeine Erschöpfungszustände können auftreten, die mit Schmerzen, Müdigkeit, Schlafstörungen oder depressiven Verstimmungen einhergehen. Am Ende eines solchen Kreislaufs steht oft das so genannte „Burnout-Syndrom“, das einen völligen Zusammenbruch von Körper und Seele bedeutet.

Wenn sich Krankheiten, wie zum Beispiel ein Tinnitus, einstellen, ist das bereits ein ernst zu nehmendes Alarmsignal des Körpers. Das ständige Pfeifen und Rauschen im Ohr zeigt uns, dass wir das gesunde und erträgliche Maß der Belastung überschritten haben und dringend unseren Stress reduzieren müssen. Das gleiche gilt für alle anderen Krankheiten, die durch psychischen Stress ausgelöst werden. Auf welche Art und Weise der Körper mitteilt, dass er dringend Ruhe und Erholung braucht, ist nicht entscheidend. Wichtig ist, dass dem Bedürfnis so schnell wie möglich nachgekommen wird.

Treten Beschwerden auf, sollte schnellstmöglich der Arzt aufgesucht werden. Bei rascher Behandlung besteht die Möglichkeit, das Leiden durch diverse Therapiemaßnahmen zu lindern. Werden die Hilferufe des Körpers jedoch ignoriert, kann die Erkrankung schwerwiegende Folgen haben. So kann etwa ein unbehandelter Tinnitus zu einem Hörsturz führen. Ignorierte Magen-Darm-Beschwerden bringen nicht selten ein Magengeschwür mit sich und aus einem harmlosen Hautausschlag kann ein quälendes Ekzem werden, das über Jahre immer wiederkehrt.

Bei den beschriebenen und ähnlichen körperlichen Symptomen sollte neben dem Arztbesuch eine Reduzierung des Stresses auf dem Plan stehen. In vielen Fällen ist es nicht möglich, die Stress auslösenden Faktoren abzuschaffen. Durch Entspannungsverfahren, wie Yoga oder autogenes Training, kann jedoch ein Erholungsprozess in Gang gesetzt werden. Es lohnt sich auch, den Alltag im Rahmen der Möglichkeiten anders zu strukturieren und Freizeitphasen einzubauen. Sportliche Betätigung unterstützen die Maßnahmen ebenso wie eine gesunde Ernährung, ausreichend Schlaf und aktive soziale Kontakte. Erlebnisse, die Spaß und Wohlbefinden bringen, zum Beispiel die Ausübung eines Hobbys, tragen dazu bei, mit Stress besser fertig zu werden.

Von Suchtmitteln wie Zigaretten oder Alkohol sollte abgesehen werden, denn sie stressen den Körper zusätzlich. Wichtig ist es, zur Ruhe zu kommen und die eigenen Kraftreserven wieder aufzutanken. Bei besonders schwerwiegenden Belastungen ist es auch ratsam, sich einem Psychologen anzuvertrauen.

Wie bei vielen Dingen im Leben gilt auch für den Stress, dass es entscheidend ist, ein gesundes Maß zu halten. Spätestens in dem Moment, wenn der Körper signalisiert: „Ich kann nicht mehr!“, ist es an der Zeit, andere Wege zu beschreiten. Wer die Hilferufe seiner Seele und seines Körpers auf Dauer ignoriert, trägt dazu bei, dass mit Stress immer schlechter umgegangen werden kann. Es entsteht ein Teufelskreis, der dazu führt, dass bereits geringe Belastungen eine Überforderung auslösen. Am Ende stehen ein kranker Körper und das Gefühl, die Kontrolle über das eigene Leben verloren zu haben.

Soweit muss es nicht kommen, wenn die Warnsignale des Körpers ernst genommen werden und der eigene Alltag neu überdacht wird. Ein Ausweg aus der Stressfalle ist möglich, wenn die Bereitschaft besteht, auf den eigenen Körper zu hören und sich selbst in der Hektik eines schnelllebigen Alltags ernst zu nehmen.

Im Folgenden finden Sie eine Liste über Krankheiten und Beschwerden, die oft durch psychische Belastungen ausgelöst werden. Es können allerdings nur einige Erkrankungen exemplarisch genannt werden, weshalb die Liste keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt.

*** TABELLE ***

Welche Belastungen lösen bei Ihnen besonderen Stress aus? Wie gehen Sie mit Stress um? Welche Strategien sind für Sie die erfolgreichsten, um Stress zu vermindern? Diskutieren Sie mit uns darüber im Life-Go-Forum!



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