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Die Simpsons erobern das Kino


06.08.2007 (J. Rohrbach) Kategorie: Kultur

Bild: www.filmstarts.de

Viele Fans der Kultserie „Die Simpsons“ erwarteten den gleichnamigen Film zur Serie mit Spannung. Schon zehn Jahre bevor der Film erschien, registrierte Twentieth Century Fox die Internetdomain simpsonsmovie.com. Die Premiere sollte eigentlich erst im Sommer 2008 stattfinden, doch die Fans hatten schon früher einen Grund, sich zu freuen: Ende März 2006 lief vor dem Kinofilm „Ice Age 2“ ein 25-sekündiger Teaser mit der Start-Ankündigung für den 27. Juli 2007.

Die Premiere am 21. Juli 2007 fand nicht in einer der großen Filmstädte wie Los Angeles, Cannes oder London statt, sondern in einem kleinen Ort namens Springfield im amerikanischen Vermont. 14 gleichnamige Städte bewarben sich mit selbst gedrehten Videos darum, zum „wahren“ Springfield als Heimatort der Simpsons gewählt zu werden. Auf der Netzseite der US-Tageszeitung „USA Today“ konnten die Freunde der Serie dann per Mausklick abstimmen.

Gewonnen hatte mit 15.367 Stimmen die Kleinstadt in Vermont mit ihren 9.300 Einwohnern. Der beim amerikanischen Fernsehsender „Channel 3“ beschäftigte Tim Kavanagh übernahm die Produktion des Videos, das im Gegensatz zu den anderen Bewerbungsvideos nicht durch historische Übereinstimmungen überzeugte, sondern durch eine gelungene Kopie der Introsequenz der Serie: Nach dem Klingeln der Schulglocke rennt ein Junge aus dem Schulgebäude und kreuzt dort den Weg eines kahlköpfigen Homer-Verschnitts, gespielt vom Produzenten selbst. Der macht anschließend auf der Jagd nach einem übergroßen Donut die Stadt unsicher.

Die Premiere wurde nach dem Ausrollen des gelben Teppichs – passend zur Hautfarbe der Zeichentrickcharaktere – groß gefeiert. Vermonts Senator Bernard Sanders hielt eine Rede, Produzent Matt Groening zeigte sich über die Wahl erleichtert und viele Bewohner der Stadt waren sichtlich erfreut über die anderen zweifelhaft erscheinende Ehre.

Das Springfield der Simpsons nämlich zeichnet sich durch korrupte Politiker, unfähige Polizei und dämliche Bürger – allen voran Homer Simpson – aus. Auch im Film bekam die Stadt ihr Fett weg. Nach der katastrophalen Verschmutzung des „Lake Springfield“ durch Homer, schottet die Umweltschutzbehörde EPA (Environmental Protection Agency) die Stadt mit einer Glaskuppel vom Rest der Welt ab und streicht sie von der Landkarte. Als die aufgebrachten Bürger erfahren, wer die Katastrophe verursacht hat, wollen sie die Familie oder doch zumindest Homer töten. Es gelingt ihnen jedoch lediglich, das Haus der Simpsons anzuzünden. Mit Mühe und Not können sie aus der Stadt fliehen und wandern nach Alaska aus.

Als sie erfahren, dass die in der Zwischenzeit völlig verwahrloste Stadt gesprengt werden soll, beschließen Marge, Bart, Lisa und Baby Maggie, das zu verhindern. Doch Homer zieht es vor, in Alaska zu bleiben, worauf sich Marge wohl das erste Mal in der Geschichte der Simpsons dazu entschließt, sich von ihm zu trennen. Aufgerüttelt von der Videobotschaft, mit der Marge das Hochzeitsvideo überspielt hat, welches sie als einziges aus dem brennenden Haus gerettet hat, entschließt sich Homer, doch zu helfen. Letzten Endes gelingt es ihm auch, gemeinsam mit seinem Sohn Bart die Stadt zu retten und die Glaskuppel zu zerstören.

Im Film werden viele große Themen angesprochen, wie zum Beispiel Umweltverschmutzung, Liebe und Familienkonflikte zwischen Mann und Frau sowie Vater und Sohn. Dabei ist er absolut nicht langatmig, sondern wartet mit einer Lachnummer nach der anderen auf. So zum Beispiel, wenn Präsident Arnold Schwarzenegger zu entscheiden hat, was mit der verseuchten Stadt Springfield geschehen soll. Über manche Ungereimtheiten im Film kann der Zuschauer zwar stolpern, aber auch darüber hinweg sehen. Wie zum Beispiel, wenn die Familie in Alaska plötzlich dicke Anoraks trägt, obwohl sie keine Kleidung aus ihrem Haus mitnehmen konnte und auf dem Weg nach Alaska ihr letztes Geld in ein Gewinnspiel investierte.

Der Film zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass er ganz im Stil der Serien gemacht ist und so auf jeden Fall jeden Simpsons-Fan begeistert. Lediglich die Stimme der Marge, gesprochen von Anke Engelke, statt von der verstorbenen Schauspielerin Elisabeth Volkmann, könnte zuerst leicht irritierend sein. Aber auch für nicht eingefleischte Fans ist der Film eine Strapaze für die Lachmuskeln. Jeder Gag wurde bei Testvorführungen ausprobiert und das so ausführlich, dass das Drehbuch über 100 Mal umgeworfen wurde. Regisseur David Silverman blieben am Ende nur noch 18 Monate, um die Geschichte umzusetzen. Zum Vergleich: Die Produktion einer einzigen Simpsons-Folge dauert in der Regel sechs Monate. Co-Produzent James L. Brooks erklärte: „Wir gaben uns besonders mit dem richtigen Timing Mühe und wollten, dass alle Pointen unserer Witze auch saßen.“ Genau das merkt der Zuschauer auch und so mancher konnte sich vor Lachen kaum noch im Kinositz halten.

Wenn Sie also mal wieder richtig Tränen in den Augen haben wollen, dann schauen Sie sich diesen Film an. Meinungen zum Film können in unserem Life-Go-Forum diskutiert werden.



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