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Die Murmel ist wohl eines der ältesten Spielzeuge der Welt. Es existieren bereits Funde aus ägyptischer, babylonischer und germanischer Zeit. Im alten Rom waren die kleinen Kugeln ebenso bekannt. Einer Legende nach soll Kaiser Augustus seinerzeit stets ein paar Murmeln bei sich getragen haben, um hin und wieder ein Spiel machen zu können. Damals bestanden Murmeln allerdings noch nicht aus Glas. Oft benutzten die Murmelspieler geschliffene Steine aller Art, wie etwa Marmor. Davon leitet sich auch das heutige Wort „Murmel“ ab.
In reichen Familien fanden des Weiteren zahlreiche Edelsteine als Murmeln Verwendung, während sich die Kinder aus ärmeren Schichten die wertvollen Kugeln nicht leisten konnten. Aus dem Grund wurden seit jeher auch Perlen, Nüsse, Muscheln, kurzum alles, was annähernd rund ist, zum Murmelspiel verwendet. Lange Zeit war in Europa der Ton als Material weit verbreitet. Im 19. Jahrhundert änderte sich das, als der Glasbläser Christoph Simon Karl Greiner ein spezielles Werkzeug zur Herstellung von Glasmurmeln erfand. Erstmalig produziert wurden sie in Lauscha, in Thüringen. Die Glasmurmel war schnell ein echter Exportschlager, beispielsweise in Amerika, und ist bis heute die populärste Art der Murmel.
Inzwischen wird nicht mehr in kleinen Glasbläsereien, sondern in Fabriken am Fließband produziert. Der Trend begann um 1900, als Amerikaner erste Maschinen zur autonomen Murmelherstellung entwickelten. Mittlerweile wurden sie aber von der Konkurrenz aus Fernost überholt. Neben dem asiatischen Raum ist Mexiko ein großes Herstellungsgebiet für Murmeln. Dort – in Guadalajara – steht auch die größte Murmelfabrik der Welt, wo mehrere hunderttausend Stückzahlen am Tag produziert werden können.
Im Zeitalter des Internets, sowie der Video- und Computerspiele haben alte Spielzeuge wie die Murmel einen schweren Stand. Dennoch ist das Spiel noch nicht ausgestorben. Stattdessen existieren sogar Vereine, in denen das „Klickern“, ein anderes Wort für das Murmelspiel, praktiziert wird.
Die Anziehungskraft geht dabei damals wie heute von der Einfachheit und zugleich Vielseitigkeit des Spiels aus. Je nach Region oder Land bestehen ganz unterschiedliche Regeln. Das Murmeln kann in vielen verschiedenen Varianten durchgeführt werden. Ein verbindliches Regelwerk für überregionale Wettkämpfe gibt es in Deutschland erst seit 1999. Dabei einigten sich die Vertreter der verschiedenen Murmelvereine Deutschlands auf drei Spielsysteme und deren Regeln: das „Deutsche Lochspiel“, das „Englische Ringspiel“ und das „Deutsche Tischmurmeln“.
Bei der ersten Spielart müssen die Mitglieder der konkurrierenden Mannschaften gegeneinander antreten und die Kugeln in eine Art Mulde befördern. Beim Ringspiel geht es im Gegensatz dazu darum, Murmeln, die in der Mitte eines Spieltisches platziert sind, von demselben herunterzustoßen. Eine ähnliche Variante ist das „Deutsche Tischmurmeln“. Es wird auf einem Veloursteppich gespielt, während beim englischen Pendant feiner Sand eingesetzt wird.
Mit den drei grob beschriebenen Spielarten sind freilich nicht alle Varianten ausgeschöpft und das Schöne am Murmeln ist, dass Spielpartner je nach Terrain und Kreativität eigene Spielregeln entwickeln können. Da sich ein paar Murmeln leicht bei sich tragen lassen und eine geeignete Spielfläche sich nahezu an jedem Ort der Welt finden lässt, ist das „Klickern“ nicht nur eine variable, sondern auch einfache Beschäftigung. Daneben haben die optisch zumeist anspruchsvoll gestalteten Murmeln auch einen ästhetischen Wert, womit sie ein beliebtes Sammlerobjekt darstellen.
Nachdem im ersten Teil der Spielzeugserie die Murmel vorgestellt wurde, soll im nächsten Teil ein weiteres populäres Spielgerät vergangener Zeiten im Blickpunkt stehen: der Hula-Hoop-Reifen.
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