|
Der erste Teil der Doppelreihe „Verschmutzung der Meere“ befasst sich mit der Bedeutung der Ozeane für den Menschen und den Schäden die durch Umweltverschmutzung entstanden sind. Im zweiten Teil wird anhand von einigen Beispielen erläutert, was für die Rettung der Meere getan werden kann.
Die Rolle der Meere in der Trinkwasserversorgung
Fast drei Viertel der Erdoberfläche sind mit Wasser bedeckt. Davon sind nur 3,5 % Süßwasser, welches aber nicht komplett als Trinkwasser zur Verfügung steht, da es zum Großteil als Gletschereis und Ähnlichem vorliegt. Die Ressourcen sind also stark begrenzt, der Verbrauch steigt jedoch immer weiter an. Gründe dafür sind das Wachstums der Weltbevölkerung und die enorme Verschwendung, zum Beispiel für die Toilettenspülung, in den Industrieländern. In Kombination mit der Ausdehnung der Wüsten im Rahmen des Klimawandels, werden die ohnehin knappen Reserven bald erschöpft sein.
Langfristig muss das Meer als Trinkwasserquelle herangezogen werden. In vielen Bereichen im Nahen Osten, aber auch in Deutschland, auf Helgoland, wird das mit Hilfe von Meerwasserentsalzungsanlagen schon heute praktiziert. Das ist bislang eine teure und energieaufwendige Methode. Außerdem muss der verwendete Rohstoff sauber sein. Das heißt, er darf keine Chemikalien enthalten.
Die Folgen der Umweltverschmutzung
Inzwischen ist es nicht mehr so einfach, Stellen mit sauberem Wasser zu finden aus dem Trinkwasser gewonnen werden kann. Durch Tankerunfälle oder illegale Reinigungsaktionen gelangt immer wieder Öl ins Meer. Nukleartests und atomare Wiederaufbereitungsanlagen haben große Teile der maritimen Gewässer verseucht. Schwermetalle aus Bergbau und Industrie gelangen über Abwässer oder das Grundwasser in die Ozeane. Solche Verunreinigungen sind langfristig. Die Metalle reichern sich beispielsweiße im Meeresboden an. Außerdem ist die Behebung der Schäden schwierig, da sie über eine sehr weite Fläche verteilt und meist nicht ohne Messgeräte zu erkennen sind.
Aber auch greifbarere Umweltbelastungen sind nicht ohne weiteres zu bereinigen. Flüsse und Küsten werden als wilde Mülldeponien missbraucht. Das Wasser schwämmt den Abfall weg und nach dem Motto „aus den Augen, aus dem Sinn“ wird sich nicht weiter darum gekümmert. Kunststoff verrottet jedoch nicht. Es wird durch chemische Prozesse und Reibung zersetzt. Das kann bis zu 500 Jahre dauern. Das Problem ist also keineswegs aus der Welt. Im Gegenteil, es wird von Wind und Meeresströmungen über den ganzen Planeten verteilt.
Das geringste Übel dabei ist die Verschmutzung der Strände durch Müll, der vom Meer her angeschwemmt wird. Was in den offenen Gewässern verbleibt, ist zu einer viel bedeutenderen Bedrohung ausgeartet. Im Durchschnitt enthält der Ozean inzwischen 18.000 Plastikteile pro Quadratkilometer. Sie sind aber nicht gleichmäßig im Wasser verteilt. An einigen Stellen zirkulieren die Meeresströmungen in riesigen Strudeln. Hier sammelt sich der Abfall. Im Pazifik, zwischen Hawaii und Kalifornien, hat sich aus dem Grund ein fast geschlossener Kunststoffteppich von der Größe Zentraleuropas gebildet. Da niemand die Verantwortung hierfür übernehmen möchte und eine derartige Menge nicht ohne weiteres ordnungsgemäß entsorgt werden kann, bleibt der Müll wo er ist.
Damit ist die Existenz aller Meeresbewohner bedroht: Durch die enormen Mengen an Abfall verkleinert sich der Lebensraum für Plankton. Die Kleinstlebewesen stehen am Anfang der Nahrungskette. Ihr Rückgang führt also unweigerlich zum Schwinden aller anderen Wassertiere, insbesondere der Wale, aber auch von Speisefischen wie dem Hering. Außerdem verschlucken die Tiere oft kleine Plastikteile. Die sind unverdaulich und führen daher in den meisten Fällen zu einem qualvollen Tod durch Darmverstopfung. Meeressäuger, Riesenschildkröten und auch Seevögel verfangen sich oft in alten Netzen und verenden so zwischen dem Müll. Davon sind auch Haie betroffen, die nur atmen können solange sie sich bewegen.
Die Rolle der Meere für die Ernährung
Die Lebewesen in den Ozeanen, die nicht unmittelbar an den Folgen der Umweltverschmutzung sterben, reichern sich mit den hier verbreiteten Giftstoffen an. Das hat gerade für den Menschen schwerwiegende Konsequenzen. So kann häufiger Fischkonsum zu Vergiftungen zum Beispiel durch Quecksilber führen.
Dabei ist das Meer als Nahrungsquelle von großer Bedeutung. Ob Thunfisch, Hering oder Lachs, der Konsum nimmt stetig zu. Im Gegensatz zu Süßwasserfisch enthalten sie die ernährungsphysiologisch wertvollen Omega-3-Fettsäuren, die sich unter anderem positiv auf Herz und Kreislauf auswirken. Sie kommen ansonsten nur in verschiedenen Ölen, wie Lein- oder Rapsöl, in nennenswerten Mengen vor. Außerdem sind Seefische gerade in Deutschland eine wichtige Jod-Quelle, da hier ein genereller Mangel an dem Mineralstoff herrscht.
Fazit
Das Meer ist also eine bedeutende Quelle lebenswichtiger Ressourcen. Die Umweltverschmutzung, die nun schon seit vielen Jahren betrieben wird, macht eine ausreichende Nutzung aber nahezu unmöglich. Es geht dabei um mehr als um eine unangenehme Nebenwirkung des Wohlstandes. Nicht nur das Dasein der Meereslebewesen, sondern auch das der Menschheit ist ernsthaft bedroht, wenn der Ozean weiterhin in einem solch schlechten Zustand bleibt.
|