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Es war eine Absprache zwischen Tony Blair und Gordon Brown, die nach 13 Jahren endlich eingelöst wurde: Am 27. Juni 2007 trat Gordon Brown offiziell die Nachfolge von Tony Blair als britischer Premierminister an. Eigentlich hätte das bereits nach der ersten Legislaturperiode von Tony Blair geschehen müssen. Das war die Bedingung, unter der Gordon Brown 1994 auf das Amt des Premiers verzichtete und Tony Blair den Vortritt ließ. Tony Blair regierte weiter während Gordon Brown Schatzminister blieb. Von nun an führt er jedoch die Geschicke der britischen Sozialdemokraten.
Der Rücktritt Tony Blairs und die Machtübergabe an Gordon Brown erfolgten auf einem Sonderparteitag unter vielen emotionalen Worten und tosendem Beifall. Die Labour-Parteigenossen stellten sich noch einmal hinter ihren scheidenden Vorsitzenden Tony Blair und honorierten seine Bemerkungen zum Irak-Krieg mit Applaus.
Nach der Ära Tony Blair kündigt sich nun ein veränderter Politikstil an. Gordon Brown ist für seine Sachlichkeit, Eigenwilligkeit und Entschlossenheit bekannt. Sonst weiß die britische Bevölkerung trotz seines langjährigen Amtes als Schatzminister überraschend wenig über den verschlossenen Schotten.
Gordon Brown steht vor großen innen- und außenpolitischen Herausforderungen. Er muss das durch den Irak-Krieg stark verletzte Vertrauen der Bevölkerung in die Regierung wiederherstellen und die Labour-Partei gegenüber den Konservativen stärken. In seinen eigenen Worten möchte er der Labour-Partei wieder „eine Seele geben“.
Erste Schritte auf einem Weg zur Konsolidierung der Partei stellt der neue Außenminister David Miliband dar, der am 28. Juni 2007 ins Kabinett berufen wurde. David Miliband ist ein erklärter Irak-Gegner. Der ehemalige Umweltminister ist nicht nur der jüngste Außenminister seit 30 Jahren, sondern zählt auch zu den Modernisierern und Hoffnungsträgern seiner Partei. Den für die innere Sicherheit bedeutsamen Posten des Innenministeriums besetzt mit Jacqui Smith erstmalig eine Frau.
Mag die Kabinettszusammensetzung einige frische Impulse setzen, so warten die politischen Zielsetzungen des neuen Premiers in Bezug auf die einzelnen Politikfelder, wie in der Sozial- und Gesundheitspolitik, nicht mit großen Überraschungen auf. Auch Gordon Brown nimmt sich vor, die Gesundheitsversorgung zu verbessern und die Armut einzudämmen. Die wichtige Frage der genauen Positionierung Gordon Browns zwischen dem freien Markt und dem Sozialstaat bleibt jedoch noch offen. Unter Tony Blair hatte sich die Labour-Partei deutlich wirtschaftsliberale Züge gegeben, die mit dem Namen „New Labour“ gekennzeichnet wurden.
Was die Zusammenarbeit mit den europäischen Partnern angeht, so wird sich ein Kurswechsel gegenüber dem EU-freundlichen Blair zeigen. Gordon Brown versteht sich als entschlossener Vertreter britischer Interessen. Er war es, der in all den Jahren als Schatzminister einen Beitritt zur Währungsunion für unnötig hielt.
Dennoch ist dem neuen Premier bewusst, dass die Europäische Union zweierlei braucht: Eine einheitliche klimapolitische Strategie und Strukturreformen. Ähnlich wie Tony Blair legt er Wert auf ein gutes transatlantisches Verhältnis, auch wenn er sich von der bedingungslosen Loyalität, die zu Zeiten des Irak-Krieges herrschte, distanzieren möchte.
Wenn auch später als erhofft, so kann der ehrgeizige und beflissene Politiker Gordon Brown nun seine Fähigkeiten im höchsten britischen Amt bis zu den kommenden Unterhauswahlen unter Beweis stellen. Die Wahlen könnten 2009 oder 2010 stattfinden, da der Premierminister den Zeitpunkt selbst festlegt.
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