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China und Olympia - Zwischen Boykott und Zuversicht (Teil 1)


22.08.2007 (A. Bünnig) Kategorie: Sport

Bild: www.olympia-statistik.de

Im August 2008 beginnen die ersten Olympischen Spiele, die in China stattfinden. Die Vergabe an das Reich der Mitte ist umstritten und ein Jahr vor Beginn mehren sich die Zweifel, die einen Boykott der Wettkämpfe erreichen wollen. Life-Go beschäftigt sich in einer zweiteiligen Reihe mit dem Thema. Im ersten Teil geht es um die politische Situation im Land, die für Kritik sorgt. Der zweite behandelt die Sorgen von Umweltschützern und Doping-Experten.

Es war ein Tag der Freude im Reich der Mitte: Am 13. Juli 2001 setzte sich die chinesische Hauptstadt Peking gegen die Mitbewerber aus Paris, Istanbul, Toronto und Osaka durch und bekam den Zuschlag für die Olympischen Spiele 2008. Es soll der aufwendigste und größte Wettbewerb aller Zeiten werden. Dafür hat die Regierung ein Milliarden-Paket verabschiedet: Insgesamt 30 Milliarden Euro sind für den Ausbau der 37 Sportstätten, neue U-Bahn-Linien und Gebäude eingeplant. Auch die Verlegung von Raffinerien und Stahlwerken, die zur hohen Luftverschmutzung beitragen und daher zu einem Problem für die Spiele werden können, hat bereits Milliarden verschlungen.

Die Spiele sollen am 8. August 2008 beginnen. Das Datum wurde so gewählt, da die Acht eine chinesische Glückszahl ist. Am 8. August 2007 wurde der Ein-Jahres-Countdown eingeläutet, was bedeutet, dass von diesem Moment an, ganz China nur noch Olympia im Kopf hat. Doch an diesem eigentlich freudigen Tag, überschatten Boykott-Aufrufe ganz unterschiedlicher Art die Euphorie.

Kein Freund der Menschenrechte

Die Menschenrechtslage in China ist katastrophal. Für viele Delikte, etwa Steuerhinterziehung, kann die Todesstrafe verhängt werden. Demokratische Errungenschaften wie Presse- oder Meinungsfreiheit existieren praktisch gar nicht. Journalisten, die sich nicht an die Linie der Partei halten, müssen mit Haftstrafen rechnen, oftmals ganz ohne vorherige Gerichtsurteile. Auch das Versenden einer E-Mail oder das Einrichten einer Website mit „staatsfeindlichem“ Inhalt, also etwa der Wunsch nach Einhaltung der Menschenrechte, kann den Verfasser für mehrere Jahre hinter Gitter bringen.

Aufgrund dessen haben acht Republikaner eine Resolution ins US-amerikanische Repräsentantenhaus eingebracht, die den Boykott der Spiele fordert. Solange die chinesische Regierung die Menschenrechte weiter verletze und sie auch in Staaten wie dem Sudan, Nordkorea und Burma nicht vereitle, müsse zumindest über einen Boykott diskutiert werden.

Der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung Günter Nooke hält einen Boykott dagegen für nicht sinnvoll. Anstatt nun über eine Ächtung nachzudenken, sollte den Funktionsträgern des Internationalen und der Nationalen Olympischen Komitees von vornherein gesagt werden, dass sie in ihrer Vergabepolitik auch Faktoren wie Menschenrechte zu berücksichtigen haben, findet er. Vor sechs Jahren wurde die Entscheidung auch damit begründet, dass sich das Reich der Mitte nun der Welt öffnen. Günter Nooke meint, dass er davon noch nicht viel mitbekommen habe. Zwar hätte China ausländischen Journalisten die Möglichkeit unabhängiger Berichterstattung zugesichert und auch die Gesetzgebung wurde in kleinen Bereichen geändert. Ein Beispiel ist, dass der Strafkatalog für Vergehen, die die Todesstrafe nach sich ziehen, verkleinert wurde. Doch hat sich grundsätzlich nichts gewandelt.

Das zeigte auch der 8. August 2007. Eine Million Chinesen feierten den Ein-Jahres-Countdown mit zahlreichen sportlichen Aktivitäten. Am Abend gab es eine große Feier auf dem Platz des himmlischen Friedens. Schon im Vorfeld und am Tag der Feierlichkeiten wurden Aktivisten, die für ein freies Tibet kämpften, festgenommen. Die Aktion verstärkte die Vorbehalte, die viele NGOs (Non Gouvernemental Organizations) wie Amnesty International gegen die Olympischen Spiele in Peking haben, nur noch.

Im nächsten Teil geht es um die Bedenken von Umweltschützern und Doping-Experten. Sie können mit uns im Life-Go-Forum über dieses Thema diskutieren! Empfinden Sie es als Fehler, dass die Olympischen Spiele in einem Land stattfinden, dass so wenig die Menschenrechte beachtet oder empfinden Sie es als Chance?



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