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Spielzeugklassiker Teil 2: Der Hula-Hoop-Reifen


24.08.2007 (P. Laux) Kategorie: Lifestyle

Bild: img.stern.de

Der Film „Hudsucker – Der große Sprung“ der Brüder Ethan und Joel Coen weiß auf amüsante Weise zu berichten, wer den „Hula-Hoop-Reifen“ erfand. Der Hauptprotagonist Norville Barnes, ein arbeitsloser Träumer, zeigt allen Leuten, die interessiert sind, seine Idee, die ihn reich und berühmt machen soll: ein Blatt, auf das mit Bleistift ein schlichter Kreis gezeichnet ist. „Sie wissen schon: für Kinder“, lautet der simple Zusatz. Norville wird belächelt, doch sein Reifen wenig später ein Kassenschlager.

Natürlich ist das eine fiktive Geschichte, doch die Einfachheit von Norvilles Zeichnung gibt gut die Einfachheit des Prinzips des „Hula-Hoop“ wieder. Augenscheinlich nicht mehr als ein kreisrundes Kunststoffrohr, mutierte der Reifen in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts zum Verkaufsschlager. Zuerst auf den Markt gebracht wurde er von den Eigentümern der Spielzeugfirma „Wham-O Manufactoring Company“ Arthur Melin und Richard Kerr. Ein Patent auf den Reifen konnten die beiden jedoch nicht anmelden, da die Idee als nicht neu angesehen wurde.

Tatsächlich waren Reifenspiele schon zu Zeiten der Antike bekannt. Bereits der berühmte Hippokrates soll Patienten, um ihre Gesundheit zu stärken, empfohlen haben, einen Reifen vor sich herzutreiben. Ähnlich pragmatische Funktionen hatten Reifenübungen auch bei Indianern und Eskimos. Sie trainierten, Speere durch rollende Reifen zu werfen. Auf diese Weise sollten ihre Jagdfertigkeiten verbessert werden. Später entdeckten Kinder den Reifen als Spielgerät für sich.

Den Namen ihrer „Erfindung“ entlehnten Arthur Melin und Richard Kerr dem hawaiianischen Hula-Tanz. Der Bezeichnung fügten sie einfach ein englisches Wort für Reifen, „hoop“, an und ließen die Marke schützen. Geboren war der „Hula-Hoop-Reifen“, der bereits ein Jahr nach seinem Erscheinen auf dem Markt weltweit über 100 Millionen Mal verkauft wurde. Auch in Deutschland erlangte der Reifen schnell Bekanntheit, unter anderem durch den Film „Hula-Hoop Conny“ von Heinz Paul. Darin nutzt die Schauspielerin Cornelia Froboess das Spielgerät.

Wie konnte aber ein Gegenstand, der von einer Spielzeugunternehmen für Kinder auf den Markt gebracht worden war, auch bei Erwachsenen so erfolgreich werden? Damit haben unter anderem wohl die physischen Effekte zu tun, die der „Hula-Hoop“ bei regelmäßiger Benutzung zeitigt. Die intensive Kreisbewegung mit dem Reifen um die Hüfte, das „Hoopen“, sorgt für Fettverbrennung und eine schmale Taille. Beides mag auf anderem Wege leichter zu erlangen sein, doch der „Hula-Hoop“ genoss nach seinem Erscheinen einen Exklusivitäts- und Innovationsbonus.

Mittlerweile ist das „Hoopen“ wieder aus der Mode gekommen, auch wenn hier und da noch Fitnessübungen mit dem Gerät empfohlen werden. Ganz von der Bildfläche verschwunden ist der „Hula-Hoop-Reifen“ jedoch nicht. In den verschiedensten Disziplinen versuchen Freunde des Spielgeräts auch heutzutage noch, Weltrekorde auf- oder einzustellen. Da geht es zum Beispiel darum, einen Reifen möglichst lange kreisen oder vor sich her treiben zu lassen. Roxanne Rose schaffte das im Jahr 1987 ca. 90 Stunden. Bei einem anderen Rekordversuch müssen viele Reifen gleichzeitig an allen denkbaren Körperteilen bewegt werden, wie auch im einen oder anderen Zirkus zu bestaunen ist. Dem „Hula-Hoop-Reifen“ blieb also sein Aussterben bisher erspart und wer weiß, vielleicht erfährt er ja in naher oder ferner Zukunft eine Renaissance?

So viel zum Spielgerät der 50er Jahre. Im nächsten Teil der Serie nehmen wir einen Gegenstand näher in den Blick, der keine besonders alte Geschichte aufweist. Es wird um ein moderneres Spielzeug gehen, das Tamagotchi.



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