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Am 29. August 2007 ist es wieder soweit: Die Tomatina wird gefeiert. Seit 1945 findet das Fest jedes Jahr am letzten Mittwoch im August in Bunyol, einem kleinen 9000-Einwohner-Städtchen in der spanischen Region Valencia, statt.
Die Tomatina ist der Höhepunkt eines einwöchigen Festes zu Ehren des Stadtpatrons San Luis Bertrán. Das Fest besteht aus hohem Alkoholkonsum, vielen Spielen und soll ausschließlich dem Spaß aller Teilnehmer und Besucher dienen. Die Tomatina ist dabei das größte und bekannteste Spiel, bei dem sich die Feiernden gegenseitig mit überreifen Tomaten bewerfen. Das Zentrum der Schlacht ist die „Plaza del Pueblo“. Der Beginn ist um 11 Uhr, wenn erst mal ein sogenanntes „Schinkenstürmen“ stattfindet.
Erklommen werden muss beim „Schinkenstürmen“ ein an allen Stellen gleich dicker, eingewachster, sieben Meter hoher Baumstamm, an dessen Spitze ein Schinken hängt, den es zu erreichen gilt. Woher das Ritual kommt ist unklar. Auch einen Sinn hat es nicht, es soll einfach Spaß machen so wie das gesamte Fest. Teilnehmen am „Schinkenstürmen“ darf jeder, es erfordert jedoch Ausdauer, Koordination und Geschicklichkeit und nur die Mutigsten nehmen teil. Ein Kandidat nach dem anderen versucht den Stamm nur mit Hilfe seiner Hände und Füße zu erklimmen. Der Preis für das Erstürmen ist der Schinken und die Anerkennung aller Mitstreiter.
Sobald der Schinken erobert ist beginnt die Schlacht. Sie endet um 13 Uhr. Gewinner gibt es nach der Schlacht nicht, auch wenn es inoffiziell meistens Männer gegen Frauen heißt. In einem nahegelegenen Fluss befreien sich die Feiernden von den Tomatenresten.
Die Geschichte der Tomatina ist ebenfalls ungeklärt. Sicher ist, dass sie erstmals in den 1940er Jahren stattfand. Ob sie einen religiösen oder einen politischen Hintergrund hat, ist nicht sicher. Weit verbreitet ist die Ansicht, dass es bei einer Anti-Francisco-Franco-Demonstration zu der ersten Schlacht gekommen ist. Francisco Franco war von 1939 bis zu seinem Tod am 20. November 1975 spanischer Staatschef und führte das Land diktatorisch. Andere Varianten besagen, dass ein Straßenmusiker von Passanten mit Tomaten beworfen wurde und er zurückwarf oder dass ein Nachbarschaftsstreit in einer Tomatemschlacht endete.
Der Veranstalter der Feierlichkeiten ist seit 1980 die Stadt Bunyol, welche die Tomaten einkauft und mit LKWs tonnenweise in die Straßen kippen lässt. Die Erträge durch die Touristen sind jedoch um ein vielfaches höher. Vor 1980 war die Tomatina vom Francisco-Franco-Regime offiziell verboten und die Teilnehmer mussten sich die „Munition“ selber mitbringen. Mittlerweile ist die Tomatina ein weltbekanntes Spektakel. Circa 30.000 Touristen strömen jedes Jahr aus der ganzen Welt herbei. „Tomatina Tours“ ist einer von vielen Veranstaltern der dafür sorgt, dass die Touristen zu dem „Verrücktesten Volksfest der Welt“ gelangen. Rundreisen durch Spanien mit einem Stopp bei der Tomatina sind sehr beliebt.
Bunyol ist gut an das Verkehrsnetz angebunden. Sie können sich ein Auto am Flughafen mieten, aber auch mit Linien-Bussen und Bahn ist das Dorf gut zu erreichen. Mit einem Direktflug ab Köln/Bonn, Hannover und München können Sie zum Beispiel nach Valencia fliegen. Ab da sind es nur noch 30 Kilometer bis zur Tomatina. Eine Unterkunft zu finden ist schwieriger, da Bunyol nur ein Gasthaus hat und 30.000 Touristen auch die umliegenden Städte überschwemmen. Empfohlen wird daher entweder sich in Valencia etwas zu suchen, und nachts mit dem Mietwagen zurückzufahren oder die Nacht durchzumachen. Die meisten Tour-Veranstalter reisen noch abends aus Bunyol ab.
Die Tomatina ist ein verrücktes Volksfest und doch gibt es ungeschriebene Regeln. Am Anfang sollen alle ein weißes T-Shirt tragen. Die Tomaten müssen vor dem Wurf auf jeden Fall zerquetscht sein damit andere Mitspieler nicht durch zu feste Tomaten oder andere Gegenstände verletzt werden. Aus dem gleichen Grund dürfen außer Tomaten keine anderen Wurfgeschosse verwendet werden. Nach 13 Uhr ist das Werfen verboten.
An den Ehrenkodex wird sich weitgehend gehalten. Das Zerreisen von fremden T-Shirts ist auch nicht gestattet, aber daran wird sich kaum gehalten, vor allem wenn ein Teilnehmer sich durch die Mitte der Menge wagt, denn dann ziehen und zerren alle an der Oberbekleidung. Frauen sollten daher darauf vorbereitet sein und unter dem T-Shirt Badebekleidung tragen. Ebenfalls sind Plastiksandalen und Taucherbrillen zu empfehlen. Falls Sie Fotografieren möchten, dann ist eine wasserdichte Ein-Mal-Kamera am Besten.
Die Tomatina ist teilweise umstritten, da Lebensmittel in Teilen der Erde ein seltenes Gut sind und während des Festes tonnenweise verschwendet werden. Zwar sind die Tomaten überreif und können auf dem europäischen Markt nicht mehr roh verkauft werden, sie sind jedoch nicht schlecht. So können sie zum Beispiel zu Tomatenmark oder Tomatensauce verarbeitet werden. Im Gegensatz zu anderen Volksfesten der Spanier, wie zum Beispiel dem Stierkampf, ist die Feierlichkeit jedoch noch relativ harmlos.
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