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Spielzeugklassiker Teil 3: Das Tamagotchi


04.09.2007 (P. Laux) Kategorie: Lifestyle

Bild: zesdf.canalblog.com

Damals – Ende der Neunziger Jahre – könnte das Tamagotchi für Eltern die sich ein wenig mit den Entwicklungen auf dem elektronischen Spielzeugmarkt auskannten, wie ein Rückschritt gewirkt haben: Plötzlich wollten die Schützlinge keinen Gameboy mehr, wünschten sich keine Nintendo-Spiele oder einen eigenen Computer. Stattdessen stand ein kleines, eiförmiges Spielgerät auf dem Wunschzettel der Kinder. Das besaß nur einen äußerst pixeligen Bildschirm, drei Knöpfe und hatte einen merkwürdigen Name. Dennoch mutierte das Spielzeug aus Japan schnell zum Verkaufshit, als es 1997 in Deutschland auf den Markt kam.

Ein Jahr zuvor war das Spielprinzip von der Japanerin Aki Maita erfunden worden. Es erlangte derart schnell Popularität, dass bald die ersten Kopien und Fälschungen auftauchten und ihren Weg hinaus in alle Welt fanden. Als die Originalversion der damaligen japanischen Spielzeugfirma „Bandai“, die inzwischen zu „Namco Bandai“ fusioniert ist, hierzulande erschien, waren bald Tausende von Familien mit einem Tamagotchi versorgt. Seither hat es verschiedene Versionen des Spielgeräts gegeben. Die neuste wurde 2004 in Deutschland veröffentlicht.

Das Wort Tamagotchi setzt sich aus den japanischen Bezeichnungen für Ei (tamago) und klein beziehungsweise süß (chi) zusammen. Ziel des Spiels ist es, ein virtuelles Wesen großzuziehen, indem dessen Bedürfnisse nach Essen, Trinken, Schlaf, Hygiene oder Zuneigung befriedigt werden. Dafür zeichnet sich der Besitzer des Tamagotchis per Knopfdruck verantwortlich. Je nachdem wie er seinen „Zögling“ behandelt, legt der sich unterschiedliche Persönlichkeitsmerkmale zu und entwickelt sich als wäre er ein reales Wesen. Das alles geschieht im Echtzeit-Modus, weshalb ein Abschalten oder Abspeichern des Spielstands beim Tamagotchi nicht möglich ist. Im schlimmsten Fall kann passieren, dass das virtuelle Haustier aufgrund von schlechter Behandlung stirbt. Ein Reset-Knopf am Gerät ermöglicht jedoch, den Lebenszyklus erneut zu starten.

Das Spielprinzip ist inzwischen in optisch ansprechenderer Form und mit mehr Funktionsmöglichkeiten auf verschiedenen Spielkonsolen oder dem PC zu finden. Beim Spiel „Nintendogs“ für den „Nintendo DS“ geht es beispielsweise darum, Hunde großzuziehen. Auch im Internet existieren zahlreiche Simulationen, in denen die Spieler ein virtuelles Haustier umsorgen müssen. Einige dieser Angebote sind sogar kostenlos, wie etwa bei www.pet-nanny.de. Die bekannteste Simulation, die auf dem Tamagotchi-Prinzip basiert, stellt wohl das Computerspiel „The Sims“ dar. Hier kümmert sich der Spieler aber nicht um ein Haustier, sondern um Menschenwesen und deren charakteristische Bedürfnisse.

Trotz der Konkurrenz aus dem Bereich der Computer- und Videospiele wird das Tamagotchi auch in Deutschland noch immer angeboten, etwa beim Internet-Versandhandel „Amazon“. Dennoch ist es längst nicht mehr in aller Munde wie zu Zeiten seiner Veröffentlichung. Der Hype, der gegen Ende der Neunziger Jahre um das Tamagotchi entstand, ist inzwischen wieder abgeflacht.

In Zeiten von interaktiven Rollenspielen oder Internetgemeinschaften wie „Second Life“ scheint die Entwicklung logisch. Hier werden ganze virtuelle Welten bewohnt und Grundstücke verwaltet. Ein pixeliges Wesen, das nur durch Piepgeräusche auf sich aufmerksam macht, sorgt in der heutigen Zeit nicht mehr für Begeisterungsstürme. Doch für nostalgische Spielzeugsammler oder aber für kleinere Kinder haben die Tamagotchi-Wesen noch immer einen Reiz. Das niedliche Design und die einfache Handhabung kreieren einen gewissen Charme, der mit dem Spielgerät einhergeht. Ob es noch einmal so zum Massenphänomen werden kann, wie kurz nach seiner Erscheinung, bleibt jedoch abzuwarten.

Im nächsten Teil der Serie widmen wir uns einem Spielgerät, das noch immer die Köpfe zahlreicher Freunde von kniffligen Geduldsspielen zum Rauchen bringt. Dann wird der sogenannte „Rubik’s Cube“, in Deutschland besser bekannt als „Zauberwürfel“, unter die Lupe genommen.



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