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Personalmangel in der Krankenpflege


14.09.2007 (S. Petersohn) Kategorie: Gesundheit

Bild: caritas.erzbistum-koeln.de

Treffen Gesundheitssystem und Sparzwang zusammen, so zieht die Qualität der Krankenpflege eindeutig den Kürzeren. Seit vier Jahren wird in deutschen Krankenhäusern kontinuierlich Personal aus den Pflegebereichen abgebaut. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) macht dafür maßgeblich die eingeschränkten Budgets verantwortlich, die den Krankenhäusern zur Verfügung stehen. Sie resultieren aus den strengen Haushaltsrationierungen, die die Gesundheitsreform den Kliniken mit Einspargesetzen und Sanierungsbeiträgen auferlegt.

Das „Pflege-Thermometer 2007“, eine Studie des Deutschen Instituts für angewandte Pflegeforschung e.V., gibt Aufschluss über die Situation des Pflegepersonals im deutschen Gesundheitssystem. Innerhalb von zehn Jahren stieg die Belastung der Pflegekräfte um 23 %. Der langfristige Trend zum Stellenabbau widerspricht dem Zusatzbedarf an pflegerischen Fachkräften, der von 42 % der leitenden Pflegekräfte, die im Rahmen des „Pflege-Thermometers 2007“ befragt wurden, erwartet wird.

Die Folgen einer solchen Einsparungsverpflichtung können gravierend sein. Eine britische Studie, die von der „Florence Nightingale School of Nursing and Midwifery“ am King's College in London durchgeführt wurde, untersuchte den Zusammenhang zwischen der Anzahl an Pflegepersonal und den Todesfällen in Krankenhäusern. Die USA, Schottland, Kanada und Deutschland arbeiteten in der „Internationalen Krankenhaus-Leistungs-Studie“ zusammen. Dazu wurden 120.000 Krankenakten aus den Jahren 1998 und 1999 analysiert und in Verbindung zu den Informationen von 4.000 Pflegern und Krankenschwestern gesetzt.

Das Ergebnis der Studie, deren Daten zwar etwas älter, aber deshalb nicht weniger aufschlussreich sind, zeigt, dass die Todesrate in Krankenhäusern mit Personalnotstand im Pflegebereich um bis zu 26 % höher liegt als in gut besetzten Kliniken. Der Stellenabbau kann somit letztendlich in verlorene Menschenleben umgerechnet werden, wie die Professorin Anne Marie Rafferty von der britischen Studie betont. Der Grund liegt darin, dass das Personal einen entscheidenden Einfluss darauf hat, wie gut sich Patienten von einer Erkrankung erholen können, sagt die Generalsekretärin der Königlichen Akademie für Krankenpflege in Großbritannien, Dr. Beverly Malone.

Die hohe Arbeitsbelastung des Pflegepersonals wird in dem Pfleger-Patient-Verhältnis deutlich. In mangelhaft besetzten Krankenhäusern kümmerte sich laut der britischen Krankenhaus-Leistungs-Studie ein Pfleger um bis zu 14 Patienten, während in guten Kliniken nur rund 7 Patienten die Aufmerksamkeit der Pflegekraft beanspruchen.

Ein Stellenabbau oder eine Rationalisierung der Arbeitsabläufe wirkt im Pflegesystem somit kontraproduktiv. Patienten, die durch eine gute Betreuung und Pflege hätten geheilt werden können, müssen wiederholt behandelt werden. Sie verursachen dem Gesundheitssystem so erneut Kosten.

Das „Pflegethermometer 2007“ fragt, ob ein vermehrter Einsatz von Hilfskräften, die verstärkte Rekrutierung von älteren Arbeitnehmern im Pflegebereich oder eine Flexibilisierung der Arbeitszeiten und des gesamten Personaleinsatzes durch Mitarbeiterpools einen Ausweg aus dem Stellenabbau darstellt. Die Befragten der Studie sind skeptisch: 40 % der leitenden Pflegekräfte geben an, dass seit den letzten beiden Jahren die Möglichkeit, eine qualitativ hochwertige Pflege anzubieten, gesunken sei. Einige sehen sogar eine ausreichende Versorgung mit Pflegedienstleistungen für gefährdet an.

Die Warnung an die Gesundheitspolitiker, den Einsparungsdruck nicht an den falschen Stellen anzusetzen, liegt deutlich auf der Hand. Doch die Verantwortlichen im Gesundheitssystem lernen langsam: Auf den Ärztemangel, der vor allem in ländlichen Gebieten Deutschlands in den vergangenen Jahren gravierende Ausmaße annahm, reagierten sie ebenfalls erst im Jahr 2006. Neues ärztliches Fachpersonal wurde zwar vermehrt eingestellt, noch fehlen jedoch genug Pfleger und Schwestern, um die neuen Ärzte in ihrer Arbeit zu unterstützen.



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