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Studenten in Aufruhr (Teil 2 der RAF-Reihe)


17.09.2007 (A. Bünnig) Kategorie: Politik

Bild: www.teut-deese.de

Kaum eine Gruppierung hat für einen solchen Schrecken gesorgt wie die RAF (Rote Armee Fraktion) in den 30 Jahren ihres Bestehens. Anlässlich der Entlassung von Eva Haule (Teil 1) beschäftigt sich Life-Go in einer mehrteiligen Serie mit der linken Gruppierung um die Anführer Andreas Baader und Ulrike Meinhof. Im zweiten Teil geht es um die Entstehung und die Entwicklung der RAF.

Die 1960er Jahre waren geprägt von Studentenunruhen und Protesten. Es wuchs eine Generation heran, die das Verhalten ihrer Eltern während der Zeit des Nationalsozialismus kritisch betrachtete. Sie stellte alles in Frage, was ihren Eltern lieb war: kapitalistischer Komfort, bürgerlicher Lebensstil und auch das politische System der Bundesrepublik Deutschland. Die Kritik wurde besonders in den Universitätsstädten laut, denn auch die Hochschulen und der Lehrkörper wurden mit der vorherrschenden Politik in Verbindung gebracht.

Seit 1961 hatten die Studenten mehr oder weniger friedlich demonstriert und protestiert. Doch 1967 kam es zu einer Radikalisierung der Studentenschaft. Im Rahmen eines Besuchs des Schahs aus Persien (heute Iran), der durch seine unterdrückende Politik in Kritik geraten war, hatte die Außerparlamentarische Opposition (APO) zu Demonstrationen aufgerufen. Als APO werden Gruppen außerhalb des Parlaments verstanden, die sich in Abgrenzung zum herrschenden System verstehen. Sie haben (oder wollen) kein Sprachrohr in den demokratisch gewählten Parteien und setzen deshalb auf Widerstand gegen die Regierung. Die Studentenbewegung der 1968er wird mit der APO dieser Jahre gleichgesetzt.

Die Demonstrationen gegen den Schah von Persien begannen friedlich, doch bald schon flogen Tomaten und Farbbeutel. Die Polizei ging mit Schlagstöcken gegen die Studenten vor und es löste sich ein Schuss aus einer Dienstwaffe. Die Kugel traf Benno Ohnesorg, der an dem Tag zum ersten Mal bei einem Protest dabei war. In der folgenden Zeit begann eine Hetzkampagne gegen die APO, vor allem betrieben durch den konservativen Springer-Verlag (BILD und Die Welt), der wochentags 30 % der Gesamtauflage an Zeitungen stellte.

Vor allem auf einen hatten es die Zeitungen abgesehen: Rudi Dutschke, Mitglied des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes (SDS). Am 11. April 1968 wurde er von dem Hilfsarbeiter Joseph Bachmann abgepasst, der drei Kugeln auf ihn abfeuerte. Er überlebte den Anschlag schwerverletzt. Auch dieses Attentat führte zu einer gewaltbereiteren Studentenschaft und schließlich zum Anfang der kriminellen Aktivitäten, die mit der Bildung der RAF einhergingen.

Die Studentin Gudrun Ensslin und ihr Freund Andreas Baader fingen mit Kaufhausbränden an. Gemeinsam mit zwei Komplizen legten sie Brandsätze in den Gebäuden von Schneider und Kaufhof in Frankfurt. Dabei wurde niemand verletzt, aber es entstand Sachschaden in Höhe von etwa 700.000 Mark (350.000 Euro). Durch einen heißen Tipp konnte die Polizei die vier Täter schon zwei Tage später festnehmen. Sie wurden zu drei Jahren Haft verurteilt. Doch wurden die Haftbefehle ausgesetzt, bis über den Antrag auf Berufung entschieden wurde. Als das Urteil im November 1969 mit der Ablehnung des Antrags rechtskräftig wurde, entzogen sie sich der Verhaftung und tauchten unter.

Durch einen Tipp von Peter Urbach, der als Informant des Bundesamtes für Verfassungsschutz arbeitete, wurde Andreas Baader schließlich von der Polizei verhaftet und ins Gefängnis Berlin-Tegel gebracht. Ständige Besucher waren seine Mutter, sein Anwalt Horst Mahler, eine Freundin Ulrike Meinhof und Gudrun Ensslin. Da sie selbst auch gesucht wurde, hat sie einen falschen Namen verwendet, um ins Gefängnis zu gelangen. Sie war bereits dabei seine Flucht zu planen. Mithilfe von Ulrike Meinhof, die zu dem Zeitpunkt noch nicht gesucht wurde, sollte sein Ausbruch gelingen. Ulrike Meinhof, die durch ihre Arbeit bei der linken Zeitschrift „konkret“ und mehrere Fernsehauftritte bekannt war, teilte der Gefängnisleitung mit, dass sie gemeinsam mit Andreas Baader an einem Buch über Jugendliche aus armen Haushalten schreiben wolle. Sie bat um die Erlaubnis, ihn in ein wissenschaftliches Institut zur Literaturrecherche ausführen zu dürfen. Doch ihr Ersuchen wurde abgelehnt.

Sein Anwalt Horst Mahler setzte sich noch einmal für das Vorhaben ein und schließlich stimmte die Gefängnisleitung zu, sodass er für einige Stunden Ausgang hatte. Die Chance nutzten Gudrun Ensslin und weitere Komplizen am 14. Mai 1970, um die Wärter zu überwältigen und gemeinsam mit Ulrike Meinhof und Andreas Baader zu entkommen. Ihr Weg führte sie nach Jordanien. Dort bekamen sie militärischen Unterricht von der palästinensischen Befreiungsorganisation El Fatah.

Im dritten Teil der Reihe geht es um die Fahndung nach der ersten Generation der RAF, die schließlich zur Verhaftung führte. Anfang der 1970er Jahre saßen schließlich alle Führungsmitglieder im Gefängnis und wurden nach einem langen Prozess verurteilt. Lesen Sie mehr im nächsten Teil.

Diskutieren Sie mit uns im Life-Go-Forum! Haben Sie die Zeit der RAF vielleicht selbst miterlebt und haben sie mit Schrecken verfolgt?



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