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Genpflanzen - Eine neue Bedrohung für Bienenschwärme?


22.09.2007 (S. Petersohn) Kategorie: Wissenschaft

Bild: www.imkerei-herweck.de

Honig zählt zu einem unserer wertvollsten Nahrungsmittel. Die Deutschen verspeisen bis zu 1,3 Kilogramm jährlich von dem süßen Gold. Nun droht unseren Honigbienen jedoch neben Pestiziden und Parasiten möglicherweise eine neue Gefahr aus dem Genlabor: Genpflanzen, wie die Maissorte MON810, die ein Insektizid produzieren, könnten negativ auf gesundheitlich geschwächte Bienen wirken.

Das wies der Jenaer Wissenschaftler Hans-Hinrich Kaatz in einer Studie nach. So wird in das Genom des MON810 das Bakterium Bacillus thuringiensis (Bt) eingesetzt, welches die Maispflanze in die Lage versetzt, ihr eigenes Insektengift gegen den schädlichen Maiszünsler herzustellen. Alle Pflanzenteile sondern das Gift ab. Der Bt-Pollen fliegt auch auf umliegende Wiesen und Felder.

Nehmen Honigbienen den Bt-Pollen direkt von den Genpflanzen oder benachbarten Pflanzen auf, so können die in dem Insektizid enthaltenen Bakterien die Darmwände von erkrankten Bienen im ungünstigsten Fall, das heißt bei hohen Bt-Konzentrationen im Bienenkörper, zerstören. Dabei werden die hiesigen Bienenpopulationen bereits durch Umweltbelastungen, Pollenmangel und Krankheiten bedeutend geschwächt, betont der Bienenexperte Hans-Hinrich Kaatz.

Wissenschaftler der Universität Jena haben einen ähnlichen Freilandversuch unternommen, in dem Bienen mit Bt-Maispollen, dem das Gift zusätzlich in verschiedenen Konzentrationen beigefügt wurde, gefüttert wurden. Die Bienen waren zu dem Zeitpunkt jedoch ungeplant von Parasiten befallen worden. Die Forscher beobachteten, dass die mit Bt-Pollen gefütterten Versuchstiere stärker durch den Parasitenbefall beeinflusst wurden als die Kontrollgruppe, die keinen Bt-Konzentrationen ausgesetzt war. Der Zusammenhang bleibt jedoch wissenschaftlich ungesichert, da eine systematische Wiederholung des Experimentes unter den gleichen Bedingungen nicht möglich war. Der Parasitenbefall war schließlich nicht im Experiment vorgesehen gewesen.

Die Wirkung von Bt-Mais auf Bienen war Thema zahlreicher Studien nicht nur in Deutschland, sondern auch in der Schweiz, Frankreich, Großbritannien und Spanien. Bei gesunden Bienenvölkern wird in den meisten Studien eine schädigende Auswirkung von genetisch verändertem Mais oder anderen Pflanzen ausgeschlossen. Weder die Entwicklung von Organen im Bienenkörper noch die Zusammensetzung von Mikroorganismen im Bienendarm wird negativ beeinflusst. Die australische Forscherin Louise Malone und ihre französische Kollegin Minh-Ha Pham-Delegue kamen in einer Literaturauswertung von weltweiten Studien im Jahr 2001 zu dem Schluss, dass das Bt-Gift für die Biene unschädlich sei.

Beunruhigend für viele Imker hierzulande war das massive Bienensterben in den USA im Jahr 2006. Dort sind bis zu 40 % der Maisanbauflächen mit dem insektenresistenten Bt-Mais bepflanzt. Fast 60 % der gesamten Bienenvölker starben, so dass Bienen importiert werden mussten, um die Blüten zu bestäuben. „Das da ein Zusammenhang besteht, beziehungsweise viele verschiedene Faktoren ineinander greifen, liegt nahe“, sagte Walter Haefeker vom Deutschen Berufs- und Erwerbsimkerbund. Wissenschaftlich erwiesen ist der Zusammenhang jedoch nicht. Die Zusammenhänge sind so komplex, dass die Rolle von gentechnisch veränderten Pflanzen auf die Bienengesundheit nur schwer nachweisbar ist.

Imker und Naturschutzverbände schlagen dennoch Alarm. So sprach das Bundesverbraucherschutzministerium eine Warnung wegen möglicher umweltgefährdender Wirkungen der Maissorte MON810 aus und erlaubte im April 2007 den Anbau nur unter bestimmten Auflagen. Sie kommen einem faktischen Verbot nahe, da sie umfangreiche Vorgaben zur Überwachung möglicher Auswirkungen des Bt-Giftes auf das Öko-System beinhalten.

Die Auflagen treten jedoch erst 2008 in Kraft, so dass der Mais für das Jahr 2007 ausgesät wurde. Er gehört damit zu den genmanipulierten Pflanzensorten, die bereits 2.773 Hektar Ackerland in Deutschland bedecken. Um eine Zerstörung durch Genpflanzengegner zu verhindern, sollen die betroffenen Felder künftig nicht mehr deutlich im Standortregister ausgewiesen sein. Besorgte Imker können sich so nicht hinreichend genau darüber informieren, wo mögliche gefährdete Gebiete für ihre Bieneschwärme liegen.

Gentechnikbefürworter und Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer (CSU) hält lediglich eine Koexistenzregel von 150 Meter Abstand zwischen den Feldern mit natürlichem und genmanipuliertem Saatgut für ausreichend. Bienen fliegen allerdings auf der Suche nach Pollen mindestens drei Kilometer weit. Für sie sind allein die Blüte, ihr Duft, ihre Farbe und die Zahl der Staubbeutel entscheidend. Doch auch vom Wind wird der Pollen über weite Strecken getragen.

Die Risiken genveränderter Pflanzen sind für Honigbienen und andere Organismen nicht vollständig abschätzbar. Auch Menschen könnten einer realen gesundheitlichen Gefährdung durch genmanipulierte Pflanzen und Organismen ausgesetzt sein. Das legt eine von Greenpeace beauftragte Studie eines französischen Forscherteams zu der Maissorte MON863 nahe.

Einige Imker, die durch die negativen Studienergebnisse aufgeschreckt sind, wollen nicht tatenlos zusehen, wie genmanipulierte Pflanzen Einzug in die deutsche Landwirtschaft halten. Das Risiko einer Gefährdung ihrer Bienenvölker ist ihnen zu groß. Sie ziehen vor Gericht, um ihre Rechte, die durch Gentechnikgesetze nur unzureichend geschützt werden, einzuklagen. Ein Imker aus dem Landkreis Donau-Ries hatte sogar Erfolg: Das Verwaltungsgericht Augsburg wies den benachbarten Genmaisbauern an, seine Pflanzen vor der Blüte zu ernten oder den oberen Pflanzenteil, der die Pollen absondert, abzuschneiden, damit die Bienen die giftigen Pollen nicht sammeln können.

Das Urteil könnte einen Präzedenzfall für viele betroffene Imker darstellen. In den meisten Fällen geht es aber nur noch um Schadensbegrenzung. „Deshalb appellieren wir, erst zu forschen und dann anzubauen“, sagte Walter Haefeker vom Imkerverbund im Juni 2007.

Forumeinladung: Wie schätzen Sie die Folgen des Anbaus von genmanipulierten Pflanzen für unser Ökosystem ein?

Einen themenverwandten Artikel, der Sie ebenfalls interessieren könnte, finden Sie hier: „Gesundheitlich bedenklicher Genmais von der EU-Kommission frei gegeben“



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