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Die heutige Jugend ist besser als ihr Ruf


27.09.2007 (K. Mechler) Kategorie: Panorama

Bild: www.kaos4all.com

Meldungen über Kinder und junge Erwachsene, die mutwillig Bahngleise blockieren, Steine auf viel befahrene Straßen werfen oder bewaffnete Raubüberfälle verüben, lassen an der Moral der „Jugend von heute“ zweifeln. Immer gefährlicher scheinen die einst harmlosen Kinderstreiche zu werden. Zugentgleisungen, Autounfälle und Krankenhausaufenthalte sind die Folgen des sogenannten jugendlichen Leichtsinns. Sind die jungen Menschen heute wirklich so unverantwortlich und gewalttätig?

Zunächst einmal zeigt die genauere Betrachtung der Polizeistatistiken, dass die Lage nicht so angespannt ist, wie sie oft in den Medien dargestellt wird. In über der Hälfte aller Fälle wird nur vermutet, dass Jugendliche die Täter sind. Die Identität und somit auch das Alter der Verbrecher stehen also meist nicht einmal fest. Teenager scheinen in den Augen der Öffentlichkeit einfach gut in das Bild eines Kriminellen zu passen: Die „Berliner Morgenpost“ zitierte im Zusammenhang mit Steinewerfern den Polizeipsychologen Klaus Mollenhauer. Er ist der Ansicht, dass Halbwüchsige „mit ihrem Verhalten Grenzen austesten wollen. Sie stellen sich die Folgen ihres Tuns überhaupt nicht vor.“ Laut Mollenhauer ist das der Grund für die Vergehen. Die Meinung ist auch allgemein weit verbreitet. Jugendliche bringen also scheinbar die idealen Voraussetzungen für Straftaten mit sich.

Tatsächlich werden wesentlich mehr Kinder an unbeschrankten Bahnübergängen von Zügen erfasst und getötet, als Wagons von ihnen zum entgleisen gebracht werden. Auch das Werfen von Steinen auf vorbeifahrende Autos ist eher die Ausnahme. In Oberbayern ist das schon seit acht Jahren nicht mehr vorgekommen. Viel häufiger sind Schäden, die durch Gegenstände entstehen, die von anderen Fahrzeugen aufgewirbelt wurden. Es gibt also durchaus Jugendliche, die durch ihren Leichtsinn das Leben anderer in Gefahr bringen, allerdings in einem geringeren Ausmaß als allgemein unterstellt wird.

Auch in vielen anderen Bereichen wird den jungen Leuten negatives Auffallen unterstellt, was mit der Realität meist nicht zu vereinbaren ist. Schwere Alkoholvergiftungen nach ausschweifenden Partys und brutale Schulhofschlägereien stehen immer wieder im Interesse der Medien. Dabei ist der Drogenkonsum der Jugendlichen allgemein rückläufig. Legale Rauschmittel wie Alkohol und Nikotin, genauso wie illegale, zum Beispiel Ecstasy oder LSD, werden immer seltener genommen.

Was gestiegen ist, ist die passive Belastung der Kinder durch ihre rauchenden und trinkenden Eltern. In fast der Hälfte aller Raucherhaushalte übersteigt die Belastung der Luft, mit dem beim Zigarettenkonsum frei werdenden giftigen Benzoldampf, die zulässigen EU-Grenzwerte! Laut der Zeitschrift „Deutsches Ärzteblatt“ hat Alkoholismus nicht nur einen sinkenden Intelligenzquotienten des Süchtigen zur Folge. Die Kinder der Betroffenen leiden unter einem gehemmten Hirnwachstum, daher sind sie gegenüber Gleichaltrigen benachteiligt.

Das Risikobewusstsein der Teenager, was die verschiedenen Drogen angeht, hat in den letzten Jahren zugenommen. Das zeigt, dass die Aufklärung heute viel fortgeschrittener als noch vor zehn Jahren ist. Insgesamt wissen die Jugendlichen besser über mögliche Folgen ihrer Handlungen Bescheid und verhalten sich auch entsprechend verantwortungsbewusster.

Seit Ende der 90er Jahre ist die Jugendkriminalität rückläufig. Es gehen also weniger Raubüberfälle, Diebstähle und Sachbeschädigungen auf das Konto junger Menschen. Die Zahl der Körperverletzungen hat zwar zugenommen, das liegt laut einer Studie der „Deutschen Forschungsgemeinschaft“ aber daran, dass heute einfach häufiger Anzeige erstattet wird. Alles in allem hat die Dunkelziffer sogar abgenommen.

Die „Jugend von heute“ schneidet also in den meisten Belangen besser ab, als die ihr voran gegangenen Jahrgänge. In der Öffentlichkeit ist aber dennoch ein eher negatives Bild von ihr verbreitet. Erstaunlicherweise wurden auch die jetzigen Erwachsenen in ihrer Kindheit für viel schlimmer als ihre Eltern erklärt. Die ablehnende Haltung gegenüber jungen Menschen zieht sich durch alle Generationen und ist statistisch gesehen nicht haltbar. Die Gründe dafür konnten bisher nicht geklärt werden, daher wird die Diskriminierung von Teenagern wohl auch in Zukunft nicht verschwinden.



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