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Milch und Getreide knapper und teurer: Was sind die Ursachen? (Teil 1)
Seit dem 1. August 2007 sind die Preise für Milch und Molkereiprodukte rasant gestiegen. Um bis zu 50 Prozent mehr müssen die deutschen Verbraucher nun laut Angaben der Zentralen Markt- und Preisberichtstelle (ZMP) der Land-, Forst- und Ernährungswirtschaft bezahlen. Ein Päckchen Butter (250 Gramm) kostet beispielsweise 1,19 Euro statt wie bisher 79 Cent. Auch für Getreide wird immer mehr bezahlt. An einer der wichtigsten landwirtschaftlichen Rohstoffbörsen, Chicago Board Of Trade (CBOT), ist der Preis für Weizen seit 2006 um mehr als 50 Prozent gestiegen. Dieser Artikel soll klären, was die Ursachen dafür sind und wer dabei verdient.
Molkereiprodukte
Der Preisanstieg bei Molkereiprodukten gibt Anlass für heftige Diskussionen in Politik und Wirtschaft. Einzelhandelsvertreter, Politiker und Molkereibetreiber schieben sich die Verantwortung gegenseitig zu. Die Ursachen der erhöhten Preise sind jedoch nicht mehr auf gestiegene Steuern oder auf die Gewinnsucht des Einzelhandels zurückzuführen. Missernten und Tierseuchen sind zum einen für die Veränderung bestimmend. Dazu kommt noch, dass die aufgespeicherten Butterberge und Milchpulverhalden nahezu abgebaut sind. Zum anderen ist die Ursache der Preiserhöhungen allerdings vielmehr auf dem Weltmarkt zu finden. Denn „die Weltmarktpreise haben sich seit Dezember 2006 verdoppelt“, sagte Torsten Hemme, Leiter des internationalen Milchforschungszentrums IFCN Dairy der Universität Kiel.
Im Zuge der Globalisierung bleibt die Preislage auf dem Grundnahrungsmarkt nicht stabil. „Das bekommen jetzt auch die deutschen Verbraucher zu spüren“, erklärte Torsten Schmidt, Konjunkturexperte des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI). Denn „die Nachfrage aufstrebender Länder wie China und Indien sowie der Boom bei Biokraftstoffen treiben die Preise vieler Rohstoffe nach oben.“
Maßgeblich verantwortlich für die aktuelle Preislage für Milchprodukte ist der erhöhte Verbrauch in Fernost, im Pazifikraum und in den Ländern Lateinamerikas. Mit steigender Weltbevölkerung und mit dem durch das starke Wirtschaftswachstum hervorgerufenen höheren Einkommen nehme auch in den Schwellenländern der Konsum an Milch und Milchpulver zu. Die Nachfrage nach den Produkten ist größer als das Angebot, was zu einer Anhebung der Preise auf dem Weltmarkt geführt hat. Die Molkereien stehen dabei gut da und nehmen eine starke Position ein, wenn es darum geht den Preis mit den Händlern auszuhandeln. Die Exportchancen der Unternehmen erhöhen sich mit der starken Nachfrage. Aufgrund dessen können deutsche Molkereien, die ihre Produkte international vermarkten, im Ausland mehr Gewinn erzielen als in Deutschland. Somit exportieren sie vermehrt.
In Deutschland verdienen die Bauern nun für einen Liter Milch 32,6 Cent. Das sind 3 Cent mehr als zuvor. Sie könnten jedoch auch mehr bekommen, wenn sie mehr produzieren dürften. Bis 2015 begrenzt jedoch noch die Milchquote der Europäischen Union (EU) die Herstellung. Sie wurde eingeführt, als Milch und Butter noch im Überfluss vorhanden waren. In der gegenwärtigen Situation wird jedoch häufig die Frage gestellt, ob es sinnvoll ist die Michproduktion weiterhin zu begrenzen. Wenn ein Unternehmen seine Milchlieferung erhöhen will, muss es für seine höhere Milchquote bezahlen. Würde sie abgeschafft, könnten alle Unternehmen mehr produzieren. Gerade hier haken Kritiker jedoch ein. Denn diejenigen Unternehmen, die bereits für eine höhere Milchquote bezahlt haben, bekommen keinen Ausgleich für ihre bereits erbrachten Zahlungen, wenn die Michquote kurzfristig abgeschafft würde.
Eine andere Möglichkeit den Bedarf zu sättigen, besteht darin, dass die stark nachfragenden Länder außerhalb Europas mehr Produkte für den Eigenbedarf herstellen. In China und den ehemaligen Staaten der Sowjetunion, aber „auch in Südamerika, vor allem in Brasilien, Chile, Argentinien und Uruguay nimmt die Erzeugung zu“, sagte Henry van der Heyden, Chef der weltgrößten Export-Molkerei Fonterra, der „Deutschen Landwirtschaftszeitung“. Da sie jedoch nicht ausreicht, importieren die Staaten zurzeit mehr aus europäischen Ländern.
Der dramatische Anstieg hat auch das Bundeskartellamt alarmiert. Die Bundesregierung hält die Milchpreise für nicht nachvollziehbar. Vorerst seien zwar keine konkreten Schritte geplant, aber das Amt beobachte die Erhöhungen, so eine Sprecherin.
In Teil 2 erfahren Sie mehr über die Ursachen des Preisanstiegs für Getreide.
Wie haben Sie den Preisanstieg erlebt? Diskutieren Sie darüber mit Redakteuren und Lesern im Life-Go-Forum.
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