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Die Rote Armee Fraktion (RAF) hat die Bundesrepublik beinahe 30 Jahre mit Terror überzogen. Die erste Generation ist bereits nach kurzer Zeit im Gefängnis gelandet und die nachfolgenden Mitglieder haben versucht, sie freizupressen. In diesem Teil der Reihe geht es um das Terrorjahr 1977, das auch als „Deutscher Herbst“ bekannt wurde.
Während die erste Generation der RAF aus der 68er-Bewegung hervorging, entwickelten sich ihre Nachfolger im „Schlaraffenland“. Deutschland befand sich wieder in stabilen politischen Verhältnissen und auch wirtschaftlich war die Lage entspannt. Doch die Inhaftierung von Andreas Baader, Ulrike Meinhof und anderen Terroristen ließ einen Schatten auf die eigentlich positive Situation fallen. Sie warfen der Regierung Folter durch Isolationshaft vor. Die Anschuldigung zeigte vor allem bei Mitgliedern der „Komitees gegen Folter“ Wirkung, die zum Sympathisantenkreis gerechnet wurden.
Die zweite Generation zeichnete sich durch eine besondere Blutrünstigkeit aus. Als Auftakt des Terrors galt der 7. April 1977. Generalbundesanwalt Siegfried Buback fuhr mit zwei Begleitern in seinem Mercedes zum Bundesgerichtshof. Als sie an einer roten Ampel halten mussten, stoppte neben ihnen ein Motorrad. Der Beifahrer feuerte mindestens 15 Schüsse auf das Auto ab. Dann rauschte der Fahrer davon. Siegfried Buback und sein Fahrer starben noch am Unfallort. Der zweite Begleiter, Georg Wurster, starb sechs Tage später im Krankenhaus.
Mehrere Bekennerschreiben wurden aufgegeben, die alle mit den Worten „Für Akteure des Systems selbst findet die Geschichte immer einen Weg“ beginnen. Das „Kommando Ulrike Meinhof“ nahm die Tat auf sich und sagte, es habe Siegfried Buback hingerichtet, da er für den Tod von Ulrike Meinhof und anderen Inhaftierten verantwortlich sei. Sie gingen davon aus, dass der Generalbundesanwalt für die Haftbedingungen im Gefängnis zuständig sei.
Die noch lebenden Häftlinge wollten die Mitglieder durch die Entführung hoher gesellschaftlicher Persönlichkeiten freipressen. Die Studentin Susanne Albrecht aus gutem Hause befand sich ebenfalls in den Reihen der RAF. Da sie den Dresdner-Bank-Chef Jürgen Ponto kannte, erkoren sie ihn zum ersten Entführungsopfer. Als Susanne Albrecht mit zwei Freunden, den RAF-Anführern Brigitte Mohnhaupt und Christian Klar, am 30. Juli 1977 vor seiner Tür stand, wunderte er sich nicht und bat sie herein.
Als er eine Vase für die mitgebrachten Blumen holen wollte, schossen Christian Klar und Brigitte Mohnhaupt mindestens sechs Mal auf ihn. Susanne Albrecht sagte später aus, dass dies ohne Vorwarnung geschehen sei und nicht aus Gegenwehr, wie beim späteren Gerichtsverfahren gedacht wurde. Sie erlitt nach der Tat, an der sie nur widerwillig beteiligt war, einen Nervenzusammenbruch, stieg aber trotzdem nicht aus der RAF aus.
Das Terrorjahr erreichte seinen Höhepunkt, als am 5. September 1977 Arbeitgeberpräsident Hans Martin Schleyer in Köln entführt wurde. Ein Mercedes stellte sich seinem Konvoi in den Weg, als er von der Arbeit nach Hause fuhr. Ein Pärchen mit Kinderwagen kam auf die Straße und begann die beiden Autos des Arbeitgeberpräsidenten zu beschießen. Auch aus dem Mercedes fielen Schüsse. Die drei Personenschützer wurden von mehr als 100 Kugeln getroffen und auch der Chauffeur bezahlte mit dem Leben. Hans Martin Schleyer zerrten die Entführer in einen VW-Bus und fuhren davon.
Die RAF-Mitglieder, die an der Tat beteiligt waren, brachten ihn in eine Hochhaus-Wohnung und forderten die Freilassung von zehn Inhaftierten. Doch die Bundesregierung ließ sich nicht auf Verhandlungen ein. Die Entführung schlug hohe Wellen und ein palästinensisches Kommando entführte das Flugzeug „Landshut“ auf seinem Weg nach Frankfurt. Die Geiselnehmer forderten ebenfalls die Freilassung der Häftlinge. Die Bundesregierung beschloss, hart durchzugreifen. Als der Flieger nach vier Tagen Irrflug in Mogadischu in Somalia landete, wurden die 91 Geiseln von einem GSG-9-Kommando am 18. Oktober 1977 befreit. Am gleichen Tag begingen Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe im Gefängnis Selbstmord. Hans Martin Schleyer wurde daraufhin von seinen Entführern ermordet.
Brigitte Mohnhaupt wurde am 11. und Christian Klar am 16. November 1982 verhaftet. In einem gemeinsamen Prozess wurden sie 1985 wegen aller Verbrechen der RAF seit 1977 verurteilt. Christian Klar erhielt sechs lebenslängliche Freiheitsstrafen und Brigitte Mohnhaupt fünf, zusätzlich zu einer 15-jährigen Haftstrafe. Viele der anderen Mitglieder der zweiten Generation, wie etwa Susanne Albrecht, konnten in der DDR untertauchen. Nach der Wiedervereinigung wurde ihre neue Identität aufgedeckt und sie hat mittlerweile eine sechsjährige Haftstrafe verbüßt.
Brigitte Mohnhaupts Mindestverbüßungsdauer wurde 2006 auf 24 Jahre festgesetzt. Doch durfte sie am 25. März 2007 nach nur 22 Jahren Haft das Gefängnis verlassen. Die restliche Strafe setzte das Gericht für fünf Jahren zur Bewährung aus. Christian Klars Mindestverbüßungsdauer beträgt 26 Jahre. Sein Gnadengesuch lehnte Bundespräsident Horst Köhler am 7. Mai 2007 ab.
Nachdem die zweite Generation im Gefängnis saß, übernahmen neue Mitglieder die Führungspositionen. Unter ihnen befand sich auch Eva Haule, die im August 2007 aus dem Gefängnis kam. Im fünften und letzten Teil wird über die letzten Taten und die Selbstauflösung der RAF 1998 berichtet.
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